Fotostrecke

Specialized Awol: Rollkommando in Bildern

Foto: Specialized

Rennrad-Test Specialized Awol Evo Das Roll-Kommando

Von Arne Gottschalck

Rollen als Paradedisziplin? Jawoll, beim Awol. Das ist ein Rad aus dem Hause Specialized und wie gemacht für die lange Strecke. Fürs Rollen eben, wie der Test zeigt. Beispielsweise eine Fahrt über die Dörfer im Norden von Hamburg. Auf geht's - raus aus dem Sattel und in die Pedale getreten. Kurbeln, kurbeln, kurbeln.

Awol steht übrigens für "Absent Without Official Leave", eine Art "ich-bin-dann-mal-weg" auf zwei Rädern. Im Militär-Jargon spräche man wohl von Fahnenflucht. Aber genau dieses Element der Rebellion ist es wohl, das Specialized bei der Idee im Hinterkopf hatte. Ein Rad, um einfach mal loszufahren. Über ein Wochenende, mit Gepäck. Oder über staubige Dorfstraßen.

Kurz nach der Bike-Präsentation im Jahr 2013 erzählte Recep Yesil, einer der beiden Konstrukteure: "Das Fahrrad, ich habe extra noch mal im Lastenheft nachgeschaut, soll Sie von Montags bis Freitags zum Büro tragen und am Wochenende in die Natur." Eine eierlegende Wollmilchsau also. Oder eben Awol.

Ein bisschen passt das Rahmenmaterial da ins Bild. Statt aus Aluminium oder Carbon ist das Rad aus dem Werkstoffklassiker Stahl gebaut. Sogar die Schutzbleche sind aus Metall - was auf Schotterstrecken ein hübsches Prasseln erzeugt. Licht, Scheibenbremsen und Gepäckträger vorn und hinten vervollständigen das Hillbilly-Bild.

Unter anderem wegen dieses Extragewichts ist das Rotgerahmte kein nervöses Rennpferd, das sofort losprescht und den Radler zur asketisch-strengen Büßerhaltung über den Rennlenker zwingt, zu einer harten Hand. Eher ist es ein entspannter Dauerläufer. Experten sehen das bereits am Rahmenschnitt, Laien merken es bei der Fahrt. Denn es läuft, läuft und läuft. Der Rennlenker ist unten etwas ausgestellt, der Stahl federt, die Reifen mit dem Format 42 Millimeter ebenso. Und dazu die schlanke und damit etwas federnde Sattelstütze, genau das richtige für die Straßen nördlich von Hamburg, Kurs Kayhude. Hier eine Querrille, da ein kleines Schlagloch. Doch im Sattel herrscht Ruhe. Zumindest vergleichbare Ruhe.

Ultimativer Klappertest

Die Gänge sortiert und weiter geht es. Eine leichte Steigung, wie sie in der Gegend immer wieder vorkommt. Nicht steil, aber stetig. Ein, zwei Gänge herunterschaltet, bei der verbauten SRAM Apex/X9 2×10 bedeutet das ein stetiges Drücken des Hebels, und der Hügel verliert an Schrecken. Bald ist unter norddeutscher Sommersonne der Gipfel der Kuppe erreicht und es geht wieder abwärts. Erst langsam, dann immer schneller. Die Bremsen haben keine Probleme, Rad (und Radler) zum Stehen zu bekommen. Die kurze Pause zum Beine vertreten nutzen, dann geht es weiter.

Die Straße windet sich in sanften Schwüngen unter dem Sonnenschein. Jesteburg rückt näher. Und bietet nicht nur ein Schloss, sondern auch Kopfsteinpflaster. Damit liefert die Ortschaft den ultimativen Klappertest. In Marschgeschwindigkeit auf das Geläuf auffahren. Nichts. Das Rad lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Trinken und weiter.

Fotostrecke

Marketing Alternativ: Matsch, Muskelkater & Marketing

Foto: Recep Yesil; Erik Nohlin; Specialized

Ein Gedanke: Fahrräder sind inzwischen so etwas wie das Spielzeug der Manager, der Entscheider geworden. Ein Rennrad gehört zum guten Ton, gern auch ein Mountainbike. Hauptsache Bling, Hauptsache, ein sportliches Statement eben. Die Fahrradindustrie befeuerte diese Entwicklung nach Kräften. Schließlich verdient sie an jedem verkauften Fahrrad. Rund 2,7 Millionen Fahrräder wurden zwischen Januar und Juni 2016 verkauft, rechnet der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). In welche Kategorie wohl das Awol fiele?

Die Sonne brennt, die Fuhre läuft. Die Landschaft zieht vorbei, das Grün der Felder und das Blau des Himmels. Lerchen singen, Stunden vergehen. So schön kann Radeln sein. Darauf einen Döner. Vermutlich nicht die richtige Nahrung für die Tour de France. Aber irgendwie genau richtig fürs Awol. Eben das eigene Ding machen.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.