Donnerstag, 18. Juli 2019

Edelrenner im Test Von wegen Heavy Metall

Edel-Rennrad im Test: Schön schnell
Punch Cycles

Titan ist so ziemlich das beste, was einem Radler untergeschoben werden kann. Leicht, bequem - und schnell bis zum Abwinken, so fährt sich das Punch Palooka. Der Preis? Ist dafür vermutlich sogar angemessen.

Hamburg - Ruhig, kräftig, jedes Strecken beschleunigt das Tempo. Allein die Muskeln sorgen für den Vortrieb. Nahezu spielerisch. Das Rennruderboot gleitet durch das bleierne Grau der Außenalster, lässt nur eine dünne Kielspur und eine Doppelreihe sich ausbreitender Kreise zurück, die sich schnell in der Weite verlieren. Morgens um halb sieben ist das Leben auch in einer Großstadt wie Hamburg noch ruhig.

Ein tiefes Durchatmen, in den Sattel geschwungen und es genau so machen wie der Ruderer. Ruhige, kräftige Bewegungen und beschleunigen. So sehr, dass die Reifen auf dem unregelmäßigen Asphalt entlang der Alster zu sirren beginnen. Ein kurzes Klacken, ein verschämtes Rasseln der Kette, der höhere Gang sitzt. Immer schneller wirbeln die Beine, immer höher klingt das Sirren. Bis zur nächsten Ampel, die gebieterisch zum Halten auffordert. Glatte Straßen, sie sind das Revier von Rädern wie dem Punch Palooka.

Ein klassischen Rennrad, das ganz unaufgeregt daherkommt, ohne die vielfach übliche Kriegsbemalung, nur im matt schimmerndem Silber. Die Zutaten sind altbekannt, wenn auch hochwertig. Ein Deda-Rennlenker, leichte Laufräder aus Carbon. Sie sind leichter als die üblichen Räder, aber auch teurer. Aus Carbon ist auch die Gabel gefertigt. Doch den Unterschied macht der Rahmen. Er ist aus Titan gefertigt, jenem Metall, dass überall dort zum Einsatz kommt, wo es leicht sein und wirklich halten muss.

Wenn der Porsche an der Ampel das Nachsehen hat

7,6 Kilo wiegt das Rad - oder in den knappen Worten eines Kollegen "Nichts." Konstrukteure nutzen das Metall für stark belastete Bauteile teurer Segelyachten oder in der Raumfahrt. Raketengleich ist mein Antritt zwar nicht - aber deutlich schneller als mit Stahl- oder Aluminiumfahrrädern. Und vor allem komfortabler.

In der Stadt zumindest ist das die Lieblingsdiszipin des Rades - beschleunigen. Weil der Rahmen genau dort steif ist, wo er es sein soll. Am Tretlager zum Beispiel und am Lenkerkopf. Denn genau dort wirken die Kräfte des Radlers beim Antritt, wenn er aus dem Sattel geht. Neben mir auf der Straße, kurz vor der roten Ampel, röchelt ein Porsche seinen Sechszylindergesang. Gelb, grün. Dem Palooka sei Dank - und dem etwas schleppenden Berufsverkehr - hat der Porsche das Nachsehen. Kurzfristig. Für Ottonormalsportler ist Sprinten das eine, eine gewisse Form der Alltagstauglichkeit das andere. Denn was nützt das schönste Fahrrad, wenn es nur in der Garage respektive dem Schuppen steht, weil es nur auf samtigen Asphalt überzeugen kann.

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