Andreas Butz

Lauftipp des Monats Wie man Kraft aus dem eigenen Tun gewinnt

Andreas Butz
Von Andreas Butz
Drei Wochen lang jeden Tag einen Marathon laufen – insgesamt fast 1000 Kilometer quer durch Deutschland. Woher nimmt man diese mentale Stärke? 9 Tipps, um besser und stärker zu werden.
Foto: imago images/AFLO

Woher nimmst du diese mentale Stärke? Das war eine der Fragen, die ich ich bei meinem großen Laufabenteuer im August 2022 häufig beantworten durfte. Begleitet nur von meiner Frau auf dem E-Bike, bin ich 946,2 Kilometer quer durch Deutschland gelaufen. Dies aufgeteilt in 21 Marathons, die ich in einundzwanzig aufeinander folgenden Tagen gelaufen bin.

Drei Wochen lang war mein täglicher Tagesablauf etwa dieser: Aufstehen, Yoga, Frühstück, viereinhalb Stunden Laufen, Mittagessen, etwa dreieinhalb Stunden lang Fotos bearbeiten und Erlebnisberichte schreiben, Abendessen, Social Media, Schlafen. Woher nimmst du diese Disziplin? Wie hältst du das durch? Das muss doch total anstrengend gewesen sein?

In einem meiner Erlebnisberichte, die ich täglich nach dem Lauf geschrieben habe, habe ich erstmals Antworten dazu gegeben, die ich für diesen manager-magazin Beitrag überarbeitet und erweitert habe. Vielleicht motivieren meine Gedanken Sie dazu, sich sportlich noch mehr zuzutrauen, als Sie es vielleicht jetzt schon tun. Daher habe ich die Überschriften als Empfehlungen formuliert.

Andreas Butz
Andreas Butz

Andreas Butz ist einer der gefragtesten Laufexperten in Deutschland. Der gelernte Banker, über 140-fache Marathonläufer und Gründer der Laufcampus Akademie trainiert und motiviert mit seinem Trainerteam Menschen und Unternehmen. Sein Credo: "Laufen ist der kürzeste Weg zu allem, was Menschen erfolgreich macht. Er hat zahlreiche Laufbücher geschrieben. 2015 erschien "Schwitzen für Erfolg – In Laufschuhen Karriere machen".

Auf seiner Facebook-Seite gibt Andreas Butz regelmäßig Live-Coachings .

www.laufcampus.com 

1. Liebe, was du tust

Ich bin grundsätzlich gut trainiert und habe mich seit Jahresanfang, sieben Monate lang, konsequent auf den Deutschlandlauf vorbereitet. In der Regel habe ich mein Training zwischen 5 und 8 Uhr geleistet, danach ging es ab ins Büro. So habe ich etwa 3.800 Laufkilometer in den Morgenstunden geleistet und war top vorbereitet. Wer sich gut vorbereitet muss seltener leiden. Daher empfand ich meine Stärke nicht als mentale Stärke. Ich musste nicht stark sein, weil ich mich gut vorbereitet habe und weil ich darüber hinaus ein "Lust-Läufer" bin. Ich laufe, weil es mir Freude macht. Das alltägliche Laufen an sich spendet mir Freude. Dazu brauche ich auch keine Wettkämpfe. Laufend kann ich noch mehr Mensch sein, in der Natur sein, mich spüren. Wer liebt, was er tut, muss seltener mental stark sein.

2. Erkenne das Wertvolle in deinem Tun

Mein Deutschlandlauf war ein tolles Projekt, ein großes Abenteuer. Gemeinsam mit meiner Frau Gisela habe ich Deutschland durchquert. Gisela langsam an meiner Seite auf dem E-Bike rollend. Wir bereisten so sechs Bundesländer. Vom Ost- bis zum Westzipfel Deutschlands, von der deutsch-polnischen zur deutsch-niederländischen Grenze. Noch genauer gesagt, von der Neißeaue im Landkreis Görlitz in Sachsen nach Selfkant im Landkreis Heinsberg in NRW. Und dies langsam. 10 km/h oder – wie der Läufer rechnet, 6 Minuten pro Kilometer. Das war einfach großartig, es gab so viel zu entdecken, viel zu viel für den Versuch einer halbwegs der Schönheit Deutschlands gerecht werdend zu wollenden Auflistung. Es gab einen schönen Start, unter dem Applaus der lokalen Politikprominenz, es gab ein emotionales Ende, begleitet durch viele Freunden. Der Weg dazwischen war ein einziges Highlight für unsere Sinne. Und die Zeit, die meine Frau und ich miteinander verbracht haben, das war echte "quality time". Das haben wir immer so empfunden. Die fast 950 Kilometer kamen mir – bis auf die letzten zwanzig Kilometer – nie wie ein Kampf vor, bei dem ich stark sein musste.

3. Ziehe Motivation aus starken Zielen

Neben diesem besonderen Projekt hatte ich ein starkes Ziel, welches mich ungemein motiviert hat. Auf jeden Fall wollte ich die 21. Etappe erreichen und damit die Voraussetzung schaffen, auf der letzten Etappe mit Bruno Schmidt den Deutschlandlauf abzuschließen. Der an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erkrankte Bruno Schmidt ist mein Freund und unser Ziel war es, seit der ersten Planung zum Jahreswechsel, die letzte Etappe von Venlo nach Selfkant gemeinsam zu erleben. Und auch unsere zahlreichen Follower, die Tag für Tag mehr dem Ende des Deutschlandlaufs entgegenfieberten, wollten, dass ich dieses Ziel erreiche. Bruno und ich, Seite an Seite, wenn auch hintereinander, Bruno vorne im Rolli, ich hinten am Schieben. Dieses Bild wollte ich auch den zahlreichen Spendern schenken, die deutlich über 20.000 Euro zugunsten des Selbsthilfevereins ALS – Alle Lieben Schmidt e.V. gespendet haben.

4. Erzeuge Erwartungsdruck, wenn Druck dir guttut

Bereits im Mai bin ich mit meinem Vorhaben an die Öffentlichkeit gegangen. Ich habe angekündigt, was ich tun möchte. Damit habe ich eine Erwartungshaltung erzeugt, aber auch für eine Fallhöhe gesorgt, die für mich als Laufexperte, der seine Brötchen damit verdient, natürlich höchst riskant war. Aber genau diese Fallhöhe machte es wieder hochinteressant. Ich habe die Erwartung erzeugt, dass ich etwas Besonderes leisten werde. Also musste ich es auch leisten. Zugegeben, ich spürte diesen Druck besonders während den ersten sieben von diesen 21 Lauftagen. Der Druck war ein Begleiter in meinem Hinterkopf. Aber Druck kann auch ein freundlicher Antreiber sein, in kritischen Situationen ein guter Freund, der einem hilft auf dem Weg zu bleiben. Ich bin heute noch froh und erleichtert, dass ich nach meiner Ankündigung auch liefern konnte.

5. Ziehe Kraft aus dem Team, das dich umgibt

Klar war, dass dieses Projekt mit meiner läuferischen Leistung stand und fiel. Aber ich musste nicht alles allein leisten. Ich hatte ein starkes Team im Hintergrund, vor allem in meiner Laufcampus Akademie, welches mir den Rücken freihielt und viele Aufgaben von mir übernahm. Ein Team, das es mir ermöglichte, mich auf das Laufen, auf die Ernährung, auf das Schlafen und natürlich auf die Social Media Arbeit zu konzentrieren. Und dann habe ich seit 35 Jahren meine Frau an meiner Seite, die mir auch bei diesem Lauf eine starke Partnerin und Hilfe war. Zu erkennen, nicht allein zu sein, gibt Sicherheit.

6. Setze dir machbare Zwischenziele

Die Distanz von rund 950 Kilometern habe ich im Vorhinein selten als Ganze gesehen. Ich teilte mir dieses große Projekt ein. 21 Tage bedeuteten drei Laufwochen. Diese zu meistern habe ich mir jeweils als eigenständige Ziele vorgenommen. Und jede Woche besteht wiederum aus sieben Tagen und ich betrachtete immer zunächst den aktuellen und dann den kommenden Tag. Und bei jedem dieser im Schnitt letztlich sogar 45 Kilometer langen Läufe setze ich mir wieder kleine Zwischenziele. Zwischenziele, die ich abhaken konnte. Die ersten zehn Kilometer, die ersten 20 Kilometer, die Halbmarathonmarke. Nach 25 Kilometern gabe es die erste Dattel, die zweite nahm ich nach 30 Kilometern und die Dritte nach 35 Kilometern.

Nachdem ich die Halbmarathonmarke knackte, setzte ich mir stets "Nur-Noch-Schallmauern". Nur noch 20 Kilometer. Von hier an fing ich in Fünferschritten herunterzuzählen. Ich führte mir vor Augen, dass ich nur noch 15 Kilometer oder nur noch zehn Kilometer zu bewältigen hatte. Dieses "Nur" ist ein positiver Gedanke. Er macht bewusst, dass der größte Teil der Aufgabe schon erledigt und nur noch eine Restaufgabe offen ist. Ab acht Kilometern teilte ich mir die verbleibende Distanz in 400-Meter-Abschnitte ein. Ich dachte in Stadionrunden. Somit waren 7.600 Meter nur noch 19 Runden auf meiner geliebten Aschenbahn. Und wenn ich noch zwei Stadionrunden zu laufen hatte, war ich fast schon im Ziel.

7. Nimm Lob an

Auch die Anerkennung, die ich durch mein Tun erfuhr, ließ mich stark bleiben. Anerkennung in Form von Likes, Kudos, Kommentaren, persönliche Nachrichten oder auch reichlich Freude, die mir viele Läuferinnen und Läufer machten, indem sie an die Strecke kamen und Teile davon mitgelaufen sind. Anerkennung muss man als solche sehen und annehmen.

8. Sei achtsam in deinem Tun

Falls ich doch mal in ein Gedankenkarussell geriet, indem ich mich zu sehr mit mir selbst beschäftigt und auf negative Körpersignale fokussierte, habe mich bewusst abgelenkt, indem ich achtsam war und versucht habe den Moment zu genießen.

In solchen Momenten richte ich mich auf, nehme den Blick vom Boden und richte ihn in die Ferne. Ich sehe, was zu entdecken ist. Eine weitere Technik, die ich gerne einsetze, sind Achtsamkeitsgedanken. Dabei versuche ich zum Beispiel jeden einzelnen Laufschritt wahrzunehmen. Klapp, klapp, klapp, klapp. Nach etwa einer Minute lege ich meinen Fokus gezielt auf die Armhaltung, spüre wie ich die Arme anwinkle und die leicht geöffneten Hände vor die Brust führe. Danach spüre ich, wiederum für gefühlt eine Minute lang, wie ich die linke und rechte Hüfte abwechselnd nach vorne bewege. Dann achte ich darauf, wie ich den Körper aufrichte, wie ich mich mit dem jeweils gestreckten Bein nach vorne abdrücke usw. Leichte Aufgaben für meine Aufmerksamkeit, die schlechten Gedanken keinen Raum lasse.

9. Mach' dein Ding

Wenn alles mal nichts hilft und wenn ich mich einfach nicht glücklich denken kann, dann muss ich mein Ding auch einfach mal, ohne zu murren, durchziehen. Nicht jammern, machen. Ich hatte beim Deutschlandlauf einen Job zu erledigen und dieser Job hieß 21 Marathons in 21 Tagen zu laufen. Mir war klar, wenn ich das nicht schaffen sollte, dann enttäusche ich viele Menschen. Das ist sicherlich auch eine wertvolle Analogie, die wir alle aus unserem beruflichen Alltag kennen. So manches Mal macht Arbeit am Anfang keine Freude. Manchmal muss man diese einfach stur erledigen und sein Ding durchziehen. Gerade dann, wenn andere auf das Ergebnis der eigenen Arbeit warten. Und wenn das geschafft ist, dann hinterlässt das immer ein gutes Gefühl. Wenn Menschen mit dem Laufen zaudern, dann ist mein liebster Motivationstipp eine Frage: "Wie oft hast du dich nach dem Laufen besser gefühlt als vorher?"

Und wenn Sie nun wissen wollen, wie aufregend, spannend und spektakulär mein ALS Deutschlandlauf zu Ende ging, dann empfehle ich Ihnen unbedingt meinen Erlebnisbericht zur 21. Etappe  zu den 48 Kilometern von Venlo nach Selfkant. Und dann bitte, packen Sie bald die Laufschuhe aus, und machen genau Ihr Ding.

Dabei wünsche ich Ihnen viel Freude,

Ihr Andreas Butz

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