Was Sport fürs Arbeitsleben bringt Erfolgreich durch Erfolg

Von Andreas Butz
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Vor einem anstrengenden Bürotag noch eine Laufrunde drehen, am Wochenende zum Wettkampf und zwischendurch noch ins Gym - leidet der Job da nicht?

Im Gegenteil: Die Erfahrungen, die Sie als Sportler machen, können Ihnen bei der Karriere helfen. Und das gilt nicht nur für Spitzensportler.

Selbst wenn Sie nur einmal in der Woche die Laufschuhe schnüren, können Sie dabei Erfahrungen machen, die Ihnen im Job weiterhelfen.

Hier sind sieben Erfahrungen, die Ihr Arbeitsleben (und Ihre Firma) bereichern, wenn Sie Sport machen:

1. Nichts macht so erfolgreich wie der selbst erlebte Erfolg

Es ist kein Zufall, dass unser aller Bundestrainer Jogi Löw für das letzte Spiel vor großen Turnieren stets sogenannte Aufbaugegner als Sparrings-Partner einlädt. Mannschaften aus den hinteren Regionen der Fußball-Weltranglisten freuen sich über die Ehre, gegen das große Fußballdeutschland zu spielen, und bekommen im Gegenzug dafür eine kräftige Packung. So wie die Mannschaft von Armenien, die im letzten Spiel vor der WM 2014 mit 6:1 nach Hause geschickt wurde. Sechs Tore als letztes Erlebnis, dass macht Freude, gibt Selbstbewusstsein und verankert sich im Kopf.

Mit diesem Erlebnis die eigentliche Arbeit anzugehen, in diesem Fall eine gute WM zu spielen, das war der Plan des Trainerteams. Wie die WM ausgegangen ist, das wissen in Deutschland alle und dass Mario Götze den Siegtreffer erzielt hat, die meisten sicher auch. Aber dass Mario Götze auch zwei Treffer gegen Armenien beigesteuert hat, das 5:1 und das 6:1, das haben viele schnell vergessen. Der Mario aber nicht.

Erfolge aus dem Sport nimmt man definitiv mit in den Alltag: Das Erlebnis zum ersten Mal 60 Minuten lang am Stück durchlaufen zu können - auch Joggen kann selbstbewusst machen. Die Medaille für das Ins-Ziel-Kommen bei einem Halbmarathon (Neudeutsch: Finishen), dieses Glücksgefühl ist mit nichts zu bezahlen.

Andreas Butz

Andreas Butz ist einer der gefragtesten Laufexperten in Deutschland. Der gelernte Banker, über 140-fache Marathonläufer und Gründer der Laufcampus Akademie trainiert und motiviert mit seinem Trainerteam Menschen und Unternehmen. Sein Credo: "Laufen ist der kürzeste Weg zu allem, was Menschen erfolgreich macht". Er hat zahlreiche Laufbücher geschrieben und veranstaltet auf seiner Facebook-Seite regelmäßig Live-Coachings. Über die Laufcampus Web App  bietet er Trainingspläne für Läufer, Walker und Firmenlaufteams an.

Und ja, diese Bestätigung der persönlichen Leistungsfähigkeit nimmt man mit nach Hause. "Mir wurde auf einmal bewusst, Schritt für Schritt kann ich alles erreichen", so beschrieb WDR-Intendant Tom Buhrow sein Schlüsselerlebnis, als er im Training auf seinen ersten Marathon das erste Mal 30 Kilometer am Stück gelaufen ist. Nichts macht so erfolgreich wie der selbst erlebte Erfolg, im Sport wie im Beruf.

Talent macht keine Meister, es ist der Fleiß

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Vor dem Sieg kommt die Arbeit. Wie oft muss einer in die Grube springen, bevor die Anlaufmarke vor einem Weitsprung perfekt gesetzt ist? Wie oft den Sand abklopfen, die Sandgrube wieder abziehen, die Anlaufmarke nachjustieren und erneut loslaufen, immer schneller werden, um dann mit aller Kraft abzuspringen, großer Athletik durch die Luft zu fliegen und bei der Landung erst möglichst weit hinter der Absprungmarke Spuren zu hinterlassen? Hunderte Male? Tausende Male? Ob das den Leichtathleten immer Spaß macht? Ich bin mir ganz sicher: Nein.

"Ohne Fleiß kein Preis", nirgendwo trifft diese Weisheit besser zu als im Sport. Und hinter Fleiß steckt nicht nur Eifer, sondern immer auch Disziplin, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit. Eigenschaften, die jedem Menschen gut stehen, und das nicht nur im Sport.

Sport prägt den Menschen. Wer im Vertrieb sein Glück sucht, muss dafür dutzende Male Menschen anrufen, an Türen klingeln oder Angebote schreiben. Wer sich in der Fertigung sieht, der muss Handgriffe tausende Male wiederholen. Wer kreative Arbeit bevorzugt, muss zahlreiche Entwürfe wieder verwerfen, bis endlich der wirklich große Wurf dabei ist.

Zu oft halten Menschen dies nicht aus, geben auf, sind zermürbt von manchmal auch monotonen Arbeiten, wenn man die Erfolge nicht sofort ernten kann, sondern erst nach Wochen oder Monaten. Sportler kennen das und profitieren von dieser Erfahrung auch im Berufsleben. Sie wissen: Talent macht keine Meister, es ist der Fleiß.

Sportler wissen, wann man ein Team braucht

Handballtrainer Dagur Sigurdsson hat es drauf: Seine "Bad Boys" wurden Europameister

Handballtrainer Dagur Sigurdsson hat es drauf: Seine "Bad Boys" wurden Europameister

Foto: Maja Hitij/ Bongarts/Getty Images

Der Rückraumspieler hat nur dann freien Weg zum Tor, wenn der Kreisläufer eine Lücke reißt. Der gefeierte Held ist aber stets der Torschütze. Doch dieser weiß, wem er zu danken hat.

Die "Bad Boys" waren bei der Handball-Europameisterschaft 2016 eine der großen Entdeckungen. Nationaltrainer Dagur Sigurðsson gelang es eine Gemeinschaft zu bilden, die sich ihr Image selber gab, als Ausdruck fest vorgenommener Zweikampfhärte. Bad Boys wurde zur Marke und eine deutsche Handball-Mannschaft ohne Stars Europameister. Zweikampfhärte, Spielwitz und vor allem Teamgeist machten sie stark und ganz Deutschland zu Handball-Fans.

Teamgeist kann man aber nicht nur im Leistungssport oder bei Mannschaftssportarten erleben. Immer mehr Unternehmen engagieren Firmenlauftrainer und lassen ihre Mitarbeiter bei sogenannten Businessruns teilnehmen. Hier zählt weniger das Siegen, vor allem das Mitmachen im Team wird honoriert. Und mitmachen kann jeder, der laufen oder zügig walken kann. Die gelaufenen Zeiten treten hier in den Hintergrund, das Teamerlebnis steht im Vordergrund, denn nur Teams kommen in die Wertung. Und weil in Shirts und Laufhosen alle gleich aussehen, auch deshalb verbindet der Sport hierarchieübergreifend. Und das Bier zum Abschluss schmeckt dem Vorstand genau so gut wie dem Azubi.

Vom Teamsport lernen heißt miteinander lernen. Der Vollstrecker ist nur so gut wie der Vorbereiter es ermöglicht, der Außendienst nur so erfolgreich, wie der Innendienst diesen unterstützt. Glasklar, warum viele Unternehmen gerne Teamplayer einstellen.

Sportler lernen Souveränität und Gelassenheit

Foto: picture alliance / dpa

Wie oft verfluche ich diese Fernsehreporter, die kurz nach dem Spiel die Fußballer live nach ihren größten Fauxpas befragen. "Wie konnte es sein, dass Sie in der letzten Minute der Nachspielzeit den möglichen Sieg so kläglich vergeben haben, weil Sie - obgleich von ihrem Nebenspieler perfekt bedient - zwei Meter vor dem leeren Tor den Ball noch über die Latte geschossen haben?" Zwei Minuten nach dieser unglücklichen Situation und noch voller Adrenalin, diesem fiesen Reporter nicht an die Gurgel zu gehen, sondern gefasst und sachlich Rede und Antwort zu stehen: Wem dies gelingt, vor dem habe ich riesigen Respekt.

Nicht jeder fragt so höflich wie ZDF-Interviewer Norbert König. Und dennoch, auch in der Leichtathletik gilt es bei Meisterschaften in schwierigen Situationen Rede und Antwort zu stehen, bei Niederlagen genauso wie nach großen Siegen. Die weinende Sabrina Mockenhaupt nach ihrem 17. Platz beim 10.000-Meter-Lauf in Helsinki 2005 ist heute noch ein YouTube-Hit und der unflätige Christoph Harting nach seinem Diskus-Olympiasieg in Rio 2016 allen Sportinteressierten im Gedächtnis.

Beide haben viel Prügel und Häme für ihr Verhalten einstecken müssen und haben daraus ihre Lehren gezogen. "Mocki" ist weiterhin ein sehr erfolgreicher Liebling der Medien und Laufszene und der junge Harting wird inzwischen sogar wieder in TV Talk- und Spielshows eingeladen und präsentiert sich dort höchst professionell.

Wer mit dem Druck der Öffentlichkeit umzugehen lernt, wer die Erfahrungen macht mal hochgejubelt und wenig später runtermacht zu werden, der wird auch in beruflichen Stresssituationen von der zunehmenden Stressresistenz und Coolness profitieren. Ideal für einen Job in der Öffentlichkeitsarbeit.

Und auch wenn Sie kein Spitzenathlet sind: Erfahrungen wie die, dass man einen Wettkampf einmal abbrechen muss, weil es an dem Tag eben doch nicht für den Marathon gereicht hat, prägen genauso wie der Entschluss, es beim nächsten Mal wieder zu versuchen, ohne die Umwelt unter der eigenen Enttäuschung leiden zu lassen.

Sportler lernen Ausdauer und Durchsetzungsvermögen

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Durchsetzungsvermögen, wo kann man das spielerischer lernen als im Sport? Mein Nasenbein wurde im Spiel gegen Bayer Leverkusen gebrochen und einen Schneidezahn verlor ich im Spiel gegen die Handballer aus Inden. Doch was für mich zählte war, dass wir beide Male knapp gewonnen hatten.

Nun, mein jugendliches Handballspiel hatte mit Spitzensport wenig zu tun, doch die hier erlernte Kämpfermentalität, die hat mir auch bei meinen über 130 Marathons und Ultraläufen geholfen. Und die Ausdauer, die ich mir in meinem Sportlerleben angeeignet habe, die hilft mir auch im Unternehmen. Ausdauer und Durchsetzungsvermögen - beides habe ich ursprünglich gelernt im Spiel gegen die Handballer von Inden und Bayer Leverkusen.

Sportler wissen, wie man wieder aufsteht

Stehaufmännchen: Fußballer Arjen Robben

Stehaufmännchen: Fußballer Arjen Robben

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Warum eigentlich kämpft sich dieser Arjen Robben, der begnadete niederländische Fußballspieler, immer wieder zurück? Die unglaubliche Zahl von 127 Spielen hat der Fußballer seit seinem Start für Bayern München in der Saison 2009/10 verletzungsbeding verpasst. Gleich in seiner zweiten Saison hatte er einen Muskelriss, der zu einer Verletzungspause von über 150 Tagen führte. Und das ging Jahr für Jahr so weiter, mehr als 160 Tage Verletzungspause waren es auch in der letzten Spielsaison 2015/16 (alle Zahlen aus Transfermarkt.de).

Und was vermelden Spieler und Verein im Januar 2017? Der 32-jährige Robben hat seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert und alle Beteiligten, Spieler, Verein und Fans sind überglücklich. Warum macht der das? Warum machen die das? Man sollte doch meinen, dass Arjen schon 2009 genug verdient haben müsste, als er vom einen Topverein Real Madrid zum anderen, zu den Bayern nach München gewechselt ist. Seitdem sind sieben Jahre vergangen und viele Millionen Euro auf dem Konto hinzugekommen.

Es muss ein Sportlergen geben, das diese Menschen antreibt. Aufgeben ist für sie keine Alternative. Wer hinfällt, der muss wieder aufstehen, sich den Schmutz abklopfen und weitermachen. Ganz egal ob er Topverdiener beim Fußball ist oder bei den alten Herren des örtlichen Hockeyvereins mitmacht. Wer Rückschläge wegsteckt, seien es Verletzungen oder bittere Niederlagen, wer wiederkommt und angriffslustig nach vorne guckt, so jemanden sollte man im Team haben.

Warum auch Leistungssportler gut für Unternehmen sind

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Keine Frage also, wer in seiner Freizeit Sport treibt, ist für sein Unternehmen doppelt wertvoll - weil die Erfahrungen aus dem Sport in jedem Fall auf die Leistung im Job einzahlen.

Aber wie sieht es mit Leistungssportlern aus, die eine Firma sich ja tatsächlich leisten können muss? Denn das ist Sport-Sponsoring in seiner reinsten Form: Einem jungen Athleten, der neben seiner sportlichen Karriere nur wenige Stunden pro Woche ins Büro kommt, einen Arbeitsplatz zu stellen und damit etwas finanzielle Ruhe und berufliche Perspektiven zu bieten. (Siehe zum Beispiel die duale Karriere der Sportstiftung NRW. )

Es mag Jahre dauern, bis sich diese Investition für das Unternehmen rechnet. Die Arbeitskraft eines Sportlers, der deutlich weniger Zeit im Unternehmen verbringt und dessen fachliche Ausbildung daher viel länger dauert, rechnet sich noch viel später. Aber wenn dieser Athlet eine Medaille mit in den Betrieb bringt, eine bronzene, silberne oder goldene, dann wird das Vertrauen zurückgezahlt.

Als Niko Rosberg Formel 1-Weltmeister wurde, da hat sich nicht nur der Rennstall gefreut, sondern weltweit alle Mercedes-Betriebe und deren Mitarbeiter bis zum letzten Schrauber in der Werkstatt. Solche Momente sind gute Augenblicke auch mal inne zu halten. Einer der ihren - zugegeben ein Topverdiener - hat etwas zurückgezahlt, was jetzt auf das komplette Unternehmen und damit jeden Mitarbeiter ausstrahlt.

Und auch Siegertypen im Rudern, Fechten oder Stabhochsprung, auch diese und ihre Arbeitgeber gehören ordentlich gefeiert, in den Betriebskantinen, Firmenhöfen und in den lokalen Medien. Der unternehmerische Mut wurde mit einer Medaille belohnt, einer aus dem Kreis der Belegschaft hat etwas Herausragendes geleistet und die Zeit ist gekommen, sich gemeinsam zu freuen und den Stolz zu teilen.

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