Strecke machen statt Urlaubsstädte besuchen: 20 Kilometer pro Etappe schaffen Sie als Läufer problemlos, selbst im Wanderschritt. Sogar 30 Kilometer sind machbar
Strecke machen statt Urlaubsstädte besuchen: 20 Kilometer pro Etappe schaffen Sie als Läufer problemlos, selbst im Wanderschritt. Sogar 30 Kilometer sind machbar
Foto: Steve Ogle / imago/All Canada Photos

Lauftipp des Monats Ab in den Urlaub – auf zwei Beinen zur Erholung!

Der Westweg im Schwarzwald von Pforzheim nach Basel bietet Wanderern und Läufern hervorragende Möglichkeiten. In zwei Wochen ist der komplette Weg mit seinen 288 Kilometern und 8000 Höhenmetern zu schaffen - und Sie sind erholt und fit wie lange nicht mehr.
Von Sonja von Opel

Sommer, Sonne, Urlaubszeit. Aber nicht jeder wagt sich aktuell in ferne Länder. Sie haben jetzt gute zwei Wochen frei und müssen raus. Kopf freibekommen. Kraft tanken vor dem Herbst. Dann ab in die Lauf- oder von mir aus in die Wanderschuhe. Nein, ziehen Sie Laufschuhe an! Behalten Sie sich auf ihrem Weg die Option vor, auch mal in den lockeren Trab zu verfallen, die Landschaft, die Kilometer ein wenig zügiger an Ihnen vorbeifliegen zu lassen, wenn es grad rollt.

Machen Sie Strecke! Am besten auf einem ausgezeichneten Wanderweg wie dem Westweg im Schwarzwald von Pforzheim nach Basel. Dieser traditionsreiche Weg ist deshalb so perfekt geeignet, weil sich der Track auf wunderschönen Trails mitten durch den Wald vom Nord- über den Hoch- bis zum Südschwarzwald zieht, dabei kaum Autostraßen oder Ortschaften kreuzt und doch stets eine sehr nahe Anbindung an die zivilisatorische Infrastruktur hat. Ob über die B500 oder die Eisenbahn, man kommt fast überall problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Weg ran oder wieder von ihm weg.

Sonja von Opel
Sonja von Opel

Sonja von Opel ist Laufexpertin und Lebensläuferin. Mit einer Marathonbestzeit von 2:52h und als erfolgreiche Ultraläuferin gibt sie ihr Wissen und ihre Liebe zum Laufen in Laufcamps, Vorträgen, Büchern und vor allem als Online-Coach von über 100 Athleten pro Saison mit großer Begeisterung weiter. Als Geschäftsführerin der "Sonja von Opel Sports GmbH" bewegt sie nicht nur ihre Athleten vom Schreibtisch aus, sondern veranstaltet das ganze Jahr hindurch Laufreisen, Trainingscamps und Sportevents: www.sonjavonopel.com 

Also los: Suchen Sie sich einen Einstiegs- und einen Ausstiegspunkt aus und teilen Sie die Strecke dazwischen durch die Tage, die Sie Zeit haben. 20 Kilometer pro Etappe schaffen Sie als Läufer problemlos, selbst im Wanderschritt. Sogar 30 Kilometer sind machbar, aber dann sind Sie gehend eventuell um die acht Stunden auf den Beinen. Das muss Ihnen klar sein. Vielleicht sind Sie gewohnt am Wochenende drei Stunden Dauerlauf zu machen, bei dem Sie 30 Kilometer zurücklegen, aber acht Stunden in Bewegung, wenn auch im langsamen Tempo, das ist eine ganz andere Belastung und sollte nicht unterschätzt werden.

Die richtige Vorbereitung

Packen Sie daher gute Schuhe ein. Bequeme Schuhe. Lieblingsschuhe, in denen Sie gern den ganzen Tag marschieren, wandern, traben, laufen. Außerdem zwei Sportgarnituren. Eine, die Sie am Leib tragen und eine zum Wechseln. Plus eine Garnitur warme und bequeme Kleidung für die Nachmittage und Abende in Ihrer Unterkunft. Die Unterkunft sollten Sie unbedingt im Vorfeld buchen. Legen Sie vor dem Loslaufen genau fest, wo Sie jede Nacht verbringen, buchen Sie das Zimmer mit Frühstück und Abendessen und legen Sie sich Ihren Track von Hotel zu Hotel an. Je mehr Erholungsbedarf Sie aktuell haben, je kürzer sollten die Etappen sein. Sie wollen beißen? Dann planen Sie ruhig 30 bis 40 Kilometer am Tag, aber dann wird es sportlich!

Außer Ihrer Kleidung gehört ins Gepäck das Ladekabel für Ihr Handy, für die GPS -Uhr und eine Power-Bank, damit die Navigation nicht am Akku scheitert. Außerdem ist Sonnen- und Kälteschutz einzupacken: Brille, Creme, Mütze, Handschuh. Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Aber packen Sie spartanisch. Verpflegung brauchen Sie nicht. Nur Wasser. Das Fassungsvermögen Ihrer Trinkblase oder Flasche sollte ruhig einen Liter betragen und an jeder Quelle, die im Schwarzwald bestes Trinkwasser bietet, ist unbedingt Wasser zu fassen und zu trinken. Den Snack für die Mittagspause bekommen Sie meist in Form von selbstgemachten Kuchen in einem der zahlreichen Gasthäuser, die seit Jahrzehnten die Westweg-Nomaden mit Köstlichkeiten versorgen. So sparen Sie das Mitschleppen von Bananen, Gels & Co.

Vielleicht brauchen Sie noch ein gutes Buch, damit Sie sich abends in den Schlaf lesen können, aber ansonsten werden Sie in Ihrem Urlaub ausreichend beschäftigt sein: Schlafen, frühstücken, loslaufen, Strecke finden, Wald genießen, stehenbleiben, Blick schweifen lassen, Strecke machen, Kuchen essen, weiterlaufen, Unterkunft finden, Zimmer beziehen, duschen, kurz aufs Bett legen, einnicken, schon wieder aufstehen, Gymnastik machen, reichlich zu Abend essen, müde ins Bett fallen, schlafen, aufstehen, frühstücken loslaufen…

Gut, die ersten ein, zwei Nächte mag das mit dem Schlafen erst mal gar nicht gut und dann aber hervorragend klappen. Wenn Sie den Mut haben, die Sache ganze zwei Wochen durchzuziehen, dann schaffen Sie nicht nur den kompletten Westweg mit seinen 288 Kilometern und 8000 Höhenmetern, dann sind Sie danach auch so erholt wie noch nie nach einem Sommerurlaub. Und gesund. Und gestärkt. Und fit. Und gut gelaunt. Und rank und schlank… je nach Anzahl der Kuchenpausen.

Machen Sie es einfach! Es sind noch Zimmer frei und derzeit ist die Gastronomie und Hotellerie in Baden-Württemberg unter Einhaltung der Hygienevorschriften für alle zugänglich. Das wird der beste Sommerurlaub aller Zeiten! Gute Erholung.

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