Montag, 1. Juni 2020

Sportliche Soforthilfe Jetzt fängt Ihr Läuferleben an!

Neue Bedingungen: In Dänemark gibt es seit neuestem eine vorgeschriebene Laufrichtung für die Runde um Seen - aus Infektionsschutzgründen

Andreas Butz
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    Andreas Butz ist einer der gefragtesten Laufexperten in Deutschland. Der gelernte Banker, über 140-fache Marathonläufer und Gründer der Laufcampus Akademie trainiert und motiviert mit seinem Trainerteam Menschen und Unternehmen. Sein Credo: "Laufen ist der kürzeste Weg zu allem, was Menschen erfolgreich macht¿. Er hat zahlreiche Laufbücher geschrieben. 2015 erschien "Schwitzen für Erfolg - In Laufschuhen Karriere machen". Auf seiner Facebook-Seite gibt Andreas Butz regelmäßig Live-Coachings..
    www.andreasbutz.com
    www.laufcampus.com

Selten wurden wir mehr regiert als vorher. Zumindest waren Regierung und Macht für mich nie spürbarer als jetzt. Es gibt Verhaltensregeln und Reisebestimmungen, die jeden einzelnen betreffen, Entscheidungen über Betriebsschließungen und Förderprogramme für die Wirtschaft. Doch Macht auf der einen Seite heißt nicht automatisch Ohnmacht auf der anderen Seite. Jede und jeder von uns kann Entscheidendes dafür tun, das wir unser altes - und vielleicht sogar ein noch besseres - Leben zurückbekommen. Wir können laufen. Hier sind ganz konkrete Tipps für die Umsetzung, egal ob Sie noch Anfänger sind oder schon leidenschaftlicher Hobbyläufer.

Unsere Arbeit besteht zunehmend aus Kopfarbeit und unsere Freizeitgestaltung überwiegend auch. Doch wir Menschen sind seit Millionen Jahren auf Bewegung getrimmt. Laufen steckt in unseren Genen. Und daher reagieren wir auch unmittelbar positiv darauf, selbst wenn wir uns nur ganz gemächlichen Laufschrittes fortbewegen. Doch wie wirkt Laufen ganz genau - auf die Seele, den Organismus und sogar die komplette Arbeitswelt?.

Gerade in Zeiten von Quarantäne und Homeoffice wirkt Bewegung an der frischen Luft wie eine Frischzellenkur. Kein digitales Sportprogramm im Wohnzimmer kann diesen Effekt ersetzen. Bewegung draußen wird immer mehr zum Highlight des Tages. Auch viele Studiosportler haben dies inzwischen erkannt. Man sieht sie vermehrt auf den Laufstrecken, gut zu erkennen durch die etwas andere, für Studiogänger typische Sportmode. Schön zu sehen, wie ich finde. Und ist man erstmal unterwegs, spürt man sofort, wie Laufen auf die Stimmung wirkt. Zunächst ist da Stolz, überhaupt aktiv zu sein und später, zu Hause, über das Geleistete. Glückshormone werden durch langsames Joggingtempo vermehrt ausgeschüttet und Stresshormone abgebaut. Diese guten Gefühle verstärken sich, durch das Bewusstsein, nicht nur fremdbestimmt zu werden, sondern selbst etwas tun zu können. So werden wir gelassener.

Vier Gründe, warum Sie jetzt mit dem Laufen anfangen sollten

  • Laufen ist Ganzkörpertuning. Der komplette Bewegungsapparat wird mobilisiert und gekräftigt. Sollten Sie nach dem Lesen das Laufen beginnen wollen, dann werden Sie diesen Effekt durch Muskelkater auch zu spüren bekommen. Freuen Sie sich darüber, denn diese Symptome signalisieren, Muskeln bewegt zu haben, die Sie früher vernachlässigt haben. Und der Schmerz vergeht, der Stolz aber wird bleiben.
  • Neben Muskeln, Gelenken und Bändern wird auch das Herzkreislaufsystem gestärkt. Nichts macht Sie im Alltag und Beruf belastbarer, als ein abwechslungsreiches Lauftraining. Auch der Ruhepuls, der Belastungspuls in Ruhe - auch bei geschäftlichen Meetings -, wird künftig niedriger sein. Werden Sie ruhiger, gehen Sie laufen.
  • Ihr Stoffwechsel profitiert, damit sind die Erneuerungsprozesse in Ihrem Körper gemeint, wenn Zellen neu aufgebaut werden. Bewegung verstärkt die Regeneration des gesamten Organismus, unterstützt die Selbstheilungskräfte. Jeder Arzt wird Ihnen das bestätigen. Man muss es nur tun.
  • Und gerade zu Coronazeiten ganz wichtig zu erwähnen: die Abwehrkräfte werden gestärkt. Stress schwächt die Immunabwehr, Dauerlaufen macht sie stärker. Auch im Kampf mit Infekten.

Viele Unternehmen wissen um die positiven Effekte des Laufens. Je mehr Mitarbeiter sich sportlich betätigen, umso geringer sind die Ausfallzeiten und stärker die Gesundheit jedes einzelnen. Die effektivste betriebliche Gesundheitsmaßnahme ist daher, Mitarbeitern den Zugang zum Laufen zu erleichtern. Immer mehr fördern daher den Firmenlaufsport, durch Firmenlauftreffs, geführte Laufkurse und Trainingsplan-Apps zur Eigenmotivation der Mitarbeiter. Und der Staat unterstützt dies auch. Mitgliedschaften bei professionellen Laufkursen können im Rahmen sachgebundener Arbeitgeberleistungen mit monatlich bis zu 44 Euro steuerfrei unterstützt werden. Solche Leistungen wirken auch bei der viel besprochenen Generation Y oft stärker als eine Gehaltserhöhung. Mehr Gesundheit, ein niedrigerer Krankenstand, zufriedenere Mitarbeiter und eine höhere Produktivität - nur Vorteile. Allerdings: Laufen müssen Sie immer noch selbst.

So gelingt der Start ins Läuferleben

  • Fangen Sie sofort an
    Nicht lange überlegen. Machen. Mein Lieblingsratschlag für zaudernde Läufer: Überlege dir, wie oft du dich nach dem Laufen besser gefühlt hast als vorher? Ihnen wird es ebenso gehen.
  • Erst anfangen, dann einkaufen
    Es reichen einfache Sportschuhe. Sie brauchen keine hochspezialisierten Roadrunner-Exemplare. Die vorhandenen Turnschuhe an und loslegen. Wenn Sie ambitioniert dranbleiben wollen, dann können Sie immer noch meinen Artikel lesen "Nie mehr verletzt - Über das Zusammenspiel von Laufschuhen und Lauftechnik".
  • Regelmäßigkeit ist wichtiger als Leistung
    Wöchentlich dreimal 40 Minuten Bewegung im Walking- oder Laufschritt, das reicht. Wenn Sie so langsam unterwegs sind, dass Sie anschließend das Gefühl haben, Sie hätten weiterlaufen können, dann haben Sie alles richtig gemacht. Einmal mit hochrotem Kopf nach Hause kommen ist erlaubt, zweimal jedoch bitte nur leicht verschwitzt.
  • Setzen Sie sich eigene Ziele
    Der Wettkampfkalender hat sich zunächst ins Nichts aufgelöst. Doch wofür benötigen wir Wettkämpfe, wenn wir uns auch eigene Ziele setzen können? Neue Kilometer-Wochenziele, neue Monatsziele, neue Ausdauerziele? Was macht Sie an?
  • Setzen Sie immer wieder neue Reize
    An meinem Beispiel: Im Mai werde ich als wöchentliche Temporeize Hügelfahrtspiele und HIT-Training machen. Im Juni werde ich Zügige Dauerläufe und Hügelfahrtspiele machen. Und im Juli nur Hügelfahrtspiel, dafür die langen Läufe mit Endbeschleunigung. Das sind die sogenannten OLALAs, die optimalen langen Läufe. Dies mache ich auch in der Hoffnung, dass ich Mitte August beim 44. Monschau Marathon starten kann. Und falls nicht, dann hat mich mein Training dennoch stärker gemacht.
  • Umfang ist wichtiger als Qualität
    Eliteläufer trainieren oft in Blöcken. Sie machen zum Beispiel in der Marathonvorbereitung erst einige Wochen lang einen Ausdauerblock, dann einen Block mit vermehrtem Intervalltraining, dann eine mehrwöchige Taperingphase. Dann folgt der Sieg beim Wettkampf. Wenn Sie zweifeln, was bei Ihnen jetzt anstehen könnte, dann gilt Ausdauer vor Tempo, Umfang ist immer wichtiger als Qualität.
  • Verabreden Sie sich virtuell
    Gemeinsam zu laufen geht auch alleine. Verabreden Sie sich virtuell und teilen Sie anschließend Ihre Lauferlebnisse telefonisch oder in den sozialen Medien. Eine Verabredung zum Laufen zu haben wirkt auf die Motivation auch auf Distanz.
  • Trainieren Sie mit Trainingsplan
    Trainingspläne sorgen nicht nur dafür, dass Sie strukturiert trainieren und Woche für Woche besser werden. Trainingspläne sind auch wunderbare Führungsinstrumente für den Alltag. Wenn geschrieben steht, das Laufen auf dem Tagesprogramm steht, dann hat der Schweinehund fast keine Chance.
  • Kündigen Sie Ihre Taten an
    Die Ankündigung eigener Taten bewirkt viel: Etwa, indem Sie sich einen Spendenlauf vornehmen, bei dem Sie für jeden gelaufenen Kilometer an eine gemeinnützige Organisation Ihrer Wahl eine bestimmte Summe spenden, und diesen Entschluss auch über Ihre sozialen Netzwerke verbreiten.

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