Andreas Butz

Lauftipps und Beweg-Gründe Warum wir laufen

Andreas Butz
Von Andreas Butz
Laufen ist gesund, schon klar. Aber warum laufen wir wirklich? mm-Laufcoach Andreas Butz hat nachgefragt.
Laufen kann man jederzeit und überall, allein oder in der Gruppe. Die Motivation dafür ist so vielseitig wie die Läuferszene selbst.

Laufen kann man jederzeit und überall, allein oder in der Gruppe. Die Motivation dafür ist so vielseitig wie die Läuferszene selbst.

Foto: Bernd Thissen/ picture alliance/dpa

Nun auch Berlin im September, Köln im Oktober und New York im November. Nach wie vor hagelt es Absagen von Laufveranstaltungen, in den genannten Fällen von einigen der bedeutendsten Marathonläufe der Welt, doch es wird so viel gelaufen wie selten zuvor. Immer deutlicher wird: Laufen ist viel mehr als nur das Rennen um Medaillen und Bestzeiten.

"Nach dem Suizid meines Mannes habe ich das Laufen für mich entdeckt", schreibt mir Andrea. Und Karen ergänzt, sie laufe, seit sie nach einer Tumorerkrankung vor 25 Jahren keinen Magen mehr hat. Sie ist sich sicher: "Laufen ist für mich lebenserhaltend" und fragt sich sogar: "Wäre ich sonst schon nicht mehr unter den Lebenden?" Patrick hingegen hat vor allem sportliche Motive. Auf meine Frage an meine Facebook-Freunde, was diese zum Laufen antreibt, nennt er als erstes Motiv "an die persönlichen Grenzen zu gehen, sich mit anderen Läufern zu duellieren".

Sieben Topgründe für das Laufen

Wenn man das Laufen liebt - so wie ich das tue – und seit fast 20 Jahren als Lauftrainer aktiv ist, ist man natürlich überzeugt, dass Laufen das Tollste auf der Welt ist. Und daher möchte ich am liebsten jeden ans Laufen heranführen. Doch als ich die vielen Kommentare las, war ich überrascht. Laufen kann so viel mehr, als mir vorher bewusst war. Und wenn auch die "Beweg-Gründe" meiner Facebook-Freunde teils fließend miteinander verwoben sind, habe ich dennoch sieben große Themenfelder ausgemacht, die ganz unterschiedliche Aspekte des Laufens beleuchten.

 Einfachheit als Luxus

"Laufen bedeutet für mich das Gefühl von purem Luxus! Der Luxus, mit nichts als den eigenen Füßen, 20, 30 Kilometer weit Wälder und Wiesen zu durchstreifen, die Natur hautnah zu erleben, unterwegs sein", beschreibt Andrea stellvertretend für viele Läuferinnen und Läufer, die vor allem die Einfachheit des Laufens schätzen. Laufen geht immer und überall, mit Freunden oder auch allein, ein Paar Laufschuhe und etwas Zeit reichen. Mehr braucht es nicht. Keine Technik, keinen Partner, keine Sportstätte. Einfach immer laufen zu können, ein unbezahlbarer Luxus.

Laufen als Kurzurlaub

Wenn Angelika sich und die Natur spürt, dann erlebt sie "Laufen als Kurzurlaub". Natur und Heimat spüren. Wälder, Wiesen, Berge, Seen und Meere. Die Jahreszeiten auf der Haut. Sonne und Sommerregen. Bei Schietwetter trotzdem raus. All dies macht mit uns Läufern so viel, das kann man fast nicht beschreiben. Man muss es erleben. Und wer bereit ist zu spüren, was Laufen mit uns anstellt, der will davon immer mehr. Aus meiner Sicht braucht man dafür aber etwas Zeit, man benötigt Kondition. Für Anfänger öffnen sich diese intensiven Gefühle oft erst nach einigen Monaten, wenn Laufen auch mit niedrigem Puls möglich ist, die anfängliche Anstrengung der antrainierten Ausdauer gewichen ist. 

Gesunder Lebensstil

Der Zivilisation ein Schnäppchen zu schlagen, Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck, Kurzatmigkeit, mangelnde Beweglichkeit einfach wegzulaufen, auch das ist für viele Menschen ein wesentlicher Antrieb. "Den Kampf gegen den eigenen Couch-Potato" nennt dies Thomas. Diese Läufer wissen, dass eine Vorsorgeuntersuchung keine wirkliche Vorsorge ist. Wer aber sportlich aktiv ist und auch sonst auf sich aufpasst, idealerweise gesund isst, nicht raucht und Alkohol meidet, der beugt den üblichen Wehwehchen aktiv vor. Dabei ist Laufen ein perfekter Start in einen gesunden Lebensstil, denn Laufen schafft Erfolge und Erfolge machen selbstbewusst. Und erfolgreichen Menschen gelingt es leichter, selbstkritisch über persönliche Schwächen zu reflektieren und im zweiten Schritt auch die Ernährung zu überprüfen.  

Aktivierung der Selbstheilungskräfte

"Nach Krebs und Hüftprothese ist Laufen für mich Hoffnung, Freiheit, Beweglichkeit, Gesundheit, LEBEN!!!" schreibt Isa wahrscheinlich auch stellvertretend für viele, die durch eine Krankheit zum Laufen gekommen sind. Laufen kann die Selbstheilungskräfte unterstützen, das wissen die meisten Mediziner, nicht nur Onkologen, die sich um die Nachsorge von Tumorerkrankungen kümmern. Dennoch ist es eindrucksvoll zu beobachten, wie viele Menschen gerade zur Begleitung einer Krebstherapie den Weg zum Laufsport finden und damit aktiv dazu beitragen, im besten Fall die Krankheit zu besiegen.

Fitness, die stolz macht

Wer gesund ist, der strebt oft nach mehr. Sören "macht es immer wieder stolz andere zu inspirieren und Bewunderung zu bekommen" und auch Janine schreibt, dass ein "athletischer Körper für die Optik" wichtig für sie sei. Wegen ihrer Figur, des Teints und ihrer selbstbewussten Ausstrahlung werden Läuferinnen und Läufer oft als attraktiv empfunden. Auch ein sehr menschliches Motiv, sich immer wieder die Laufschuhe anzuziehen und den Schweinehund zu besiegen. Tom liebt einfach den "Thrill", seit er das Trailrunning für sich entdeckt hat.

Einfach mal Abschalten

"Ich brauche das Laufen um Abschalten zu können, vom Alltag, von der Arbeit und auch manchmal von Kummer und Sorgen" beschreibt Kathrin, was gerade viele berufstätige Läufer kennen. Für viele ist Bewegung nicht nur körperlicher Ausgleich zum Sitzen, sondern auch mentale Regeneration. Runterkommen, gelassen werden, Stress und Ängste im Wald lassen. Sophie nennt Laufen ihren Anker und für Cornelia sind Lauftermine wichtige Termine, Zeit, die sie sich nur für sich selbst nimmt. Der Begriff "Quality time" hat sich für solche Zeitfenster etabliert und drückt aus, wie wichtig Auszeiten vom Alltag sind.

Laufen verbindet

Charlotte läuft auch gern mal allein, doch liebt sie auch die langen Läufe mit ihren "Marathon-Girls", bei denen auch viel Privates ausgetauscht wird. Laufen verbindet, wie Sabine es auf den Punkt bringt: "ob arm oder reich, ob Banker oder Putze, auch die Nationalität spielt keine Rolle - es verbindet die Menschen miteinander!"

 Was auch immer Sie ganz persönlich, lieber Leser, liebe Leserin, im Leben antreibt, ich bin der festen Überzeugung: Laufen kann Sie dabei unterstützen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ganz viele wunderbare Kilometer in Laufschuhen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.