Montag, 21. Oktober 2019

Running Queen, Trainingsweltmeister, Freak oder Businessläuferin Welcher Läufertyp sind Sie?

Bunte Vielfalt: Läufer laufen aus den unterschiedlichsten Gründen - und auf verschiedenste Arten

5. Teil: Mrs. Undercover

Hauptsache nicht auffallen: Manche Läufer stehen einfach nicht so gerne im Mittelpunkt

Diese neue Mode gefällt ihr gar nicht. Alles so bunt und grell. Sie trägt am liebsten Schwarz. Im Winter achtet sie zwar darauf, dass ein paar Reflektor-Streifen auf der Kleidung sind, damit sie im Verkehr gesehen wird, aber ansonsten ist es ihr eigentlich ganz recht, wenn man sie nicht so auffallend sieht.

Ursprünglich fing sie mit dem Laufen an, um abzunehmen, aber heute braucht sie das Laufen vor allem, um abzuschalten. Sie denkt dann gar nichts und ist sich selbst besonders nah. Sie hört einfach ihrem Atem zu und spürt ihren Körper und kann dabei herrlich entspannen und runterkommen.

Vor ein paar Jahren, als sie mit 20 Kilogramm mehr auf den Rippen anfing, musste sie noch viele Gehpausen einlegen, aber jetzt läuft sie fast jeden Tag immer so um die 60 Minuten im flotten Tempo. Sie läuft sehr gerne alleine, aber hin und wieder schleppt sie ihre Nachbarin mit zum Lauftreff der Volkshochschule. Die Nachbarin ist der Meinung, ein Lauftalent wie sie gehört unter Menschen, um sich mal zu messen und ins rechte Licht zu rücken, aber das ist ihr eher peinlich.

Mrs. Undercover läuft dann immer im hinteren Drittel der Gruppe mit und bis heute weiß der Lauftreffleiter noch nicht, wie sie heißt. Nur bei den Steigerungsläufen, die er hin und wieder mit der Gruppe macht, fällt sie ihm dann auf, weil sie einen sehr kraftvollen, schönen und verdammt schnellen Laufschritt hat.

Die Nachbarin hat sie gegen ihren Willen beim "Womens Run" angemeldet und möchte mit ihr über die 8-Kilometer-Distanz starten. Es gibt nicht nur rosa Laufshirts für alle, es wird auch noch gequasselt und gelacht, was das Zeug hält. Genervt von dem Rummel startet Mrs. Undercover aus der ersten Reihe und gewinnt prompt den "Womens Run" vor allen anderen Laufheldinnen. Wie peinlich!

Aber irgendwie auch schön. Sie wird von einem Herrn angesprochen, der sie nach ihrem Verein fragt, aber sie läuft gar nicht im Verein. Der Herr ist Trainer und gibt ihr seine Kontaktdaten, damit sie sich mal bei ihm meldet. Bis heute hat sie sich noch nicht beim ihm gemeldet, weil sie sich nicht sicher ist, ob er nur ein Opfer sucht, gegen das seine Schützlinge im Verein rennen können.

Als sie die Trainingsgruppe dann eines Tages auf dem Sportplatz trainieren sieht, fasst sie Mut. Denn bei deren Anblick traut sie sich plötzlich zu, da ebenbürtig mitzulaufen und sie ruft den Trainer an. Ein Jahr später gewinnt sie ihren ersten Halbmarathon, aber drückt sich vor der Siegerehrung. Es gibt nichts Schlimmeres, als auf dieses Podest zu klettern und alle schauen einen von unten an und klatschen und machen Fotos. Wenn gewinnen nicht so unangenehm wäre, würde sie es glatt öfter machen…

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