Samstag, 19. Oktober 2019

Running Queen, Trainingsweltmeister, Freak oder Businessläuferin Welcher Läufertyp sind Sie?

Bunte Vielfalt: Läufer laufen aus den unterschiedlichsten Gründen - und auf verschiedenste Arten

4. Teil: Der Trainingsweltmeister

Training super, Wettkampf schwierig: Das ist das Problem des Trainingsweltmeisters
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Training super, Wettkampf schwierig: Das ist das Problem des Trainingsweltmeisters

Er ist der Albtraum eines jeden Trainers. Körperlich stark wie ein Stier, aber mental hat er das Gerüst eines Kartenhauses. Der Trainingsweltmeister liebt seinen Trainingsplan und er nimmt ihn so ernst wie das Grundgesetzbuch. Jede Einheit wird auf den Meter genau abgespult. Wenn im Plan 16 Kilometer lockerer Dauerlauf stehen und am Ende seiner Runde zeigt die GPS-Uhr 15,89 Kilometer, dann verlängert er selbstverständlich den Lauf um die fehlenden 110 Meter, in dem er vor der Gartentür noch einmal hin und her läuft. Das sieht für die Nachbarn vielleicht bescheuert aus, aber so steht es nun mal im Plan.

Tempoläufe macht der Trainingsweltmeister immer nur auf der Bahn. Und manchmal macht er sogar die Tempodauerläufe auf der Bahn, denn auf die GPS-Uhren kann man sich ja nie so genau verlassen und hier weiß er wenigstens, dass 400 Meter auch wirklich 400 Meter sind, egal, was die Uhr anzeigt.

Kleine Anekdote vom Trainingsweltmeister: Einmal im Februar, als er mitten in seiner Marathonvorbereitung war, stand ein langer Lauf mit Endbeschleunigung an. Er sollte laut Trainingsplan 34 Kilometer laufen und die letzten 14 Kilometer im Marathon-Renntempo. Sein Problem war, dass in der Nacht frischer Schnee gefallen war und er sich nicht in der Lage sah, den anspruchsvollen Trainingslauf in freier Wildbahn erfolgreich zu absolvieren. Also nahm er kurzerhand die Schneeschippe und lief (!!!) damit knapp zwei Kilometer weit zur seiner Laufbahn.

Dort schippte er die komplette Innenbahn frei, was eine gute Stunde dauerte, denn es war ganz schön viel und vor allem nasser Schnee gefallen. Anschließend lief er auf seiner freigeschaufelten Bahn 1 die kompletten 34 Kilometer und davon die letzten 14 Kilometer wie ein Uhrwerk exakt im Marathon-Renntempo. 85 Runden insgesamt! Nein, die zwei Kilometer mit Schippe zählten nicht. Allerdings schaffte er den Rückweg dann nur noch gehend.

Tja, und im darauffolgenden Marathon stieg er bei Kilometer 33 aufgrund einer Stressfraktur im Mittelfuß aus. Das passiert dem Trainingsweltmeister öfters. Obwohl er im Training alle Zeiten unterbietet und härter trainiert, als je zuvor, im Wettkampf kommt immer irgendwas dazwischen und er versteht einfach nicht, was es ist.

Mal ist es der Magen, manchmal spielt das Wetter verrückt, dann hat ihn ein anderer Läufer angerempelt und ihn dadurch völlig aus dem Konzept gebracht und einmal ist er auch schon falsch abgebogen und hat es erst nach 300 Metern gemerkt. Aber er lässt sich nicht unterkriegen, der Trainingsweltmeister. Eines Tages zahlt sich sein Fleiß aus und dann wird auch er mal ein Rennen gewinnen. Wenn die Knochen mitmachen…

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