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Neue Laufbänder: Es wird kurvig

Foto: Sarah Tschernigow

Neue Laufband-Innovationen Auf der Stelle fit

Laufbänder sind für viele Sportler eher Pflichtprogramm als Lieblingsgeräte: Ausdauertraining muss sein, aber auf der Stelle laufen macht nicht viel Spaß. Oder doch? Sarah J. Tschernigow hat drei Neuheiten getestet.
Von Sarah Tschernigow

Berlin - Viele Sportler hassen Laufbänder. Vor allem Kraftsportler. Ich mache da keine Ausnahme: Cardiotraining ist nicht mein Ding. Ich nutze Laufbänder höchstens für ein knackiges 10-Minuten-Intervalltraining nach dem Pumpen. Ich finde es furchtbar langweilig, auf der Stelle zu rennen, auch wenn ich dabei fernsehen kann. Dazu diese monotonen Geräusche.

Aber Laufen ist nun mal eine der besten und unaufwendigsten Disziplinen, wenn es um Ausdauertraining geht. Und die Fitnessindustrie lässt sich einiges einfallen, um Laufmuffel wie mich doch noch aufs Band zu bekommen. Hier sind drei Neuheiten, die versuchen, das Laufen auf der Stelle deutlich attraktiver zu machen.

Das Curve von Woodway

Die Lauffläche des Curve von Woodway ist nach innen gebogen. Das gibt Pluspunkte für originelles Design - und macht gleich neugierig. Der Clou des Gerätes ist aber ein anderer. Stefan Kauschinger, Vertríebsleiter Inland, fasst zusammen: "Die Lauffläche besteht aus einzelnen Lamellen. Die haben ein Aluminiumprofil mit einem aufvulkanisierten Kautschuk-Belag, der bis zu 90 Prozent der Aufprallenergie absorbiert."

Ich übersetze: der Boden ist nicht glatt und eben, sondern hat Rillen, wie eine Rolltreppe. Das Kautschuk soll den Lauf perfekt abfedern, die Kniegelenke schonen und das Joggen in der Natur simulieren. Gut, an der Stelle frage ich einfach mal nicht nach, warum man dann nicht gleich draußen laufen kann. Die Antwort kommt auch so prompt: "Bei schlechtem Wetter macht so ein Laufband Sinn, und dank Display habe ich alle wichtigen Daten, wie Herzfrequenz und Distanz verfügbar."

Ich steige gespannt, aber unsicher auf das Curve und suche den Start-Knopf. Aber es gibt keinen. Überhaupt hat das Gerät fast keine Knöpfe. Alles sehr minimalistisch. Der Vertriebsleiter erklärt: "Das Curve hat keinen Motor und wird komplett durch den eigenen Körper angetrieben." Daher auch die gebogene Lauffläche. Denn wie im Hamsterrad kommt die Maschine ins Rollen, wenn ich auch nur einen kleinen Schritt nach vorne mache, beziehungsweise: Bergauf. Das ist völlig fremd und wackelig. Wie gut, dass es links und rechts Griffe gibt.

Die Körpererfahrung ist durchaus interessant: je nach Verlagerung des Gewichts verändern sich Geschwindigkeit und Laufgefühl. Laufe ich nur wenige Zentimeter weiter vorne, am "Berg", wird das Curve sehr schnell. Laufe ich weiter hinten, bremst es. Spielereien wie Intervalltraining, Hügel oder Tempoeinstellungen sucht man vergebens. Nach kurzer Zeit habe ich den Dreh raus und trabe locker los, ohne mich festzuhalten.

11.000 Euro für eine Maschine ohne Motor

Das Laufgefühl ist angenehm weich und doch stabil. Es macht mir tatsächlich Spaß, aber ich erahne nach kurzer Zeit, dass dies kein Gerät für wahre Ausdauersportler sein kann - denn es ist wirklich anstrengend, permanent die Kraft aus dem eigenen Körper zu holen.

Stefan Kauschinger bestätigt das: "Nach einer halben Stunde ist man platt. Man verbrennt hier nachweislich bis zu 30 Prozent mehr Kalorien als auf einem herkömmlichen Laufband. Es ist nicht unbedingt für Anfänger geeignet." Und meiner Einschätzung nach auch nicht für diejenigen, die ernsthaft für einen Marathon trainieren.

Angeblich liebt aber genau diese Klientel das Gerät, wegen des natürlichen Laufgefühls. Die Masse im Fitnessstudio, die sich gerne mit einer Zeitschrift zwei Stunden raufstellt, konnte bisher noch nicht überzeugt werden. Dafür angeblich umso mehr Fußballspieler! "Wir haben Geräte an Bayern München, Borussia Dortmund und Manchester United verkauft", erzählt Kauschinger. "Manche Spieler haben sogar privat ein Curve für Zuhause angeschafft, um dort ihre Sprints zu trainieren."

Die haben auch das nötige Kleingeld. Die kleine Version des Curve geht bei 7000 Euro los, die mit größerer Lauffläche bei 11.000 Euro. Für eine Maschine ohne Motor, Hightech und sonstigem Firlefanz ein stolzer Preis. Immerhin kann der Kunde bei der Anschaffung neuer Schuhe sparen, denn laut Hersteller ist das Laufband auch hervorragend für einen Barfuß-Run geeignet.

Der Treadclimber von Star Trec

Wer kennt sie nicht, die Menschen, die sich im Fitnessstudio stundenlang auf ein Laufband stellen und darauf spazieren gehen. Ich sehe überwiegend Frauen, die das tun. Sie stellen die Steigung dabei manchmal so hoch ein, dass sie die vordere Ablage des Laufbands mit ganzer Kraft umarmen müssen, um nicht hinten über zu fallen.

Genau für diese Zielgruppe bringt der Gerätehersteller Star Trec eine neue Maschine auf den Markt: den Treadclimber, einer Mischung aus Laufband und Stepper. Eine Maschine zum Walken mit zweigeteilter Lauffläche. Man steht wie auf breiten Skiern und simuliert eine Wanderbewegung bergauf.

Es fühlt sich an, als würde man durch eine Sanddüne hochlaufen oder durch einen Sumpf waten. Mario Lewald von Mercor Fitnesskonzepte, der mit dem Hersteller kooperiert, erzählt: "Wir haben untersucht, warum vor allem Frauen lieber walken. Dabei kam etwas Interessantes heraus: Die Klatschgeräusche beim Laufen bringen eine akustische Aufmerksamkeit mit sich. Frauen haben das Gefühl im Mittelpunkt zu stehen und beobachtet zu werden. Da ist ihnen oft unangenehm." Er fügt hinzu, dass Frauen aber wüssten, dass nur spazieren gehen nicht sehr effektiv ist und deshalb die Steigung manchmal auf Maximum stellen.

Definitiv ein neuer Trainingsreiz

Permanent bergauf gehen - das probiere ich aus und fühle mich zunächst ziemlich unbeholfen. Ich stehe schief auf dem Gerät, mein rechtes Bein drückt stärker nach unten als links, ich walke... irgendwie, aber es sieht mehr aus, als würde ich hinken. Es dauert, bis ich das Gleichgewicht finde und beide Seiten gleichmäßig belaste. Ich merke skeptisch an, dass ich den Bewegungsablauf sehr unnatürlich finde.

Aber gerade in der Möglichkeit links anders als rechts zu belasten, sieht Mario Lewald einen Vorteil: "Das Gerät wird in Reha-Kliniken eingesetzt. Wer Hüft- und Knieprobleme hat und womöglich im Alltag schon gar nicht mehr schmerzfrei laufen kann, kann die Dysbalancen mit dem TreadClimber ausgleichen. Außerdem kann ein Trainer mein Gangbild analysieren."

Womit der Fitnessexperte auf eine andere, immer größer werdende Zielgruppe anspielt: Die über 50-Jährigen. Er nennt sie Best Ager. Die wollen womöglich eh nicht mehr rennen. Mit dem TreadClimber könnten sie es auch nicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 6 Kilometern pro Stunde, hinzu kommt ein einstellbarer Widerstand zwischen 1 und 5.

Wem das nicht reicht, sagt Lewald, der soll eben doch aufs Laufband gehen. "Es geht hier nicht darum, anderes Training zu ersetzen, oder eine Stunde Marathon zu laufen, sondern darum, sich zwanzig Minuten anzustrengen." Ich merke nach zehn Minuten, dass die Bewegung stärker den Po beansprucht als klassisches Laufen. Es ist definitiv ein neuer Reiz für den Körper, und auf hoher Stufe ist das Walken auch für Sportliche anstrengend. Ich bezweifle trotzdem, dass der TreadClimber das Rennen in den Fitnessstudios macht. Zu sehr lieben die Walker ihre Stepper und das Festkrallen am Laufband. Mit 7000 bis 8000 Euro liegt das Gerät in derselben Preisklasse.

Laufen durch virtuelle Landschaften: Athene aus Finnland

Ein Laufsystem, mit dem man nicht nur geradeaus, sondern in alle Richtungen laufen kann - damit wirbt das finnische Unternehmen Athene. Es hat mit seiner Athene Exergaming-Linie, so viel sei vorweg genommen, immerhin den zweiten Platz beim Innovationspreis der Fitnessmesse FIBO 2014 belegt (den ersten bekam die Wippschale Slack Nut, die das Balancieren auf Bändern in verschiedenen Positionen ermöglicht).

Das Prinzip ist schnell erklärt: der Kunde steht auf einem einfachen Laufband vor einer virtuellen Wand, und damit joggt er wie im Computerspiel in einer virtuellen Welt. Zur Auswahl stehen unter anderem eine Insel und die finnische Stadt Kajaani, aus der die jungen Macher Veli-Matti Nurkkala und Jonna Kalermo kommen. "Man kann sich durch die Innenstadt von Kajaani laufen", erklären sie. "Sogar die Verkehrsschilder sind eins zu eins nachgemacht."

So weit so gut. Aber wie kann ich mich durch eine 3D-Welt bewegen, wenn das Laufband nur eine Richtung kennt? Ganz einfach: mit Arm- und Kopfbewegungen sowie Rumpfneigungen. Wer links abbiegen will, muss seinen Körper in eine leichte Schieflage bringen. "Wir verbinden Training mit Spielen", sagt Nurkkala. "Es gibt auch Challanges, wo du Kisten und Symbole einsammeln musst. Das funktioniert mit den Händen. Du musst einfach danach greifen, oder in die Luft wischen."

Man vergisst, dass man sich bewegt

Ich bekomme einen Sensor umgeschnallt, etwas größer als eine herkömmliche Pulsuhr. Über ein Programm werde ich mit dem Spiel verbunden und schon geht es los. Es funktioniert tatsächlich kinderleicht und genauso fühle ich mich auch: wie ein Kind. Begeistert schnappe ich nach goldenen Kisten und renne gegen Häuserwände, ohne mir wehzutun. Ich lache und feixe.

Keine Frage: diese Form der Bewegung, man kennt es von anderen Computerspielkonzepten, spricht eine sonst bewegungsfaule Klientel an. Denn man vergisst, dass man sich bewegt. Darin liegt aber auch genau das Problem: Ich bin von der virtuellen Welt um mich herum so abgelenkt, dass ich zwischendurch vergesse auf einem Laufband zu stehen und einmal fast herunterfalle, weil meine Rechtskurve etwas zu ambitioniert war.

Ich kann mir nicht vorstellen, länger als zehn bis 15 Minuten den Athene zu nutzen, denn das abrupte Kopfneigen und eine Straße entlang heizen macht etwas weich und schummerig im Kopf - ein ernst zu nehmendes Trainingssystem ist das nicht. Aber es ist sportliches Entertainment.

Was noch für das Konzept spricht: vor die virtuelle Wand kann man alle möglichen Geräte stellen, auch Cycling-Räder. Sie müssen nur technisch kompatibel sein. Zur Zeit gibt es das System aber noch nicht auf dem Markt. Die finnischen Erfinder suchen Investoren.

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