Montag, 9. Dezember 2019

Klettern Der Reiz der Felsen

Klettern: Ganz dicht am Felsen
REUTERS

2. Teil: Klettern an den Steilhängen am Rhein

Im Morgenbachtal, einem Seitental des Rheins zwischen Bingen und Trechtingshausen, sieht das beispielsweise anders aus. An manchem Sonntagnachmittag wird kaum eine Route in dem grauen Quarzit nicht von Kletterern in bunten Outdoor-Klamotten bevölkert. Die Felsen liegen am Waldhang verstreut, der Blick reicht weit über den Rhein.

In dem Naturschutzgebiet gebe es rund zwölf Sektoren mit etwa 120 bis 150 leichten und mittelschweren Routen, sagt der Autor des Kletterführers Rhein-Main-Gebiet, Christoph Deinet. Überwiegend sei der Fels gut abgesichert. Das Morgenbachtal biete so einen Übergang zwischen Indoor- und Outdoorklettern, sagt die Vorsitzende der IG Klettern und Naturschutz in Rhein-Main, Brigitte Hißnauer.

Denn grundsätzlich ist das Klettern am Fels laut DAV-Sprecher Winter schwieriger. Draußen herrsche "Einheitsgrau" - keine bunten Griffe zeigen den Weg, das Gestein liegt nicht immer gut in der Hand und sorgt manchmal für Verletzungen. "Es gibt mehr objektive Gefahren wie Steinschlag und weite Hakenabstände", sagt der Experte. Und man klettere meist auf eigene Verantwortung.

Nach DAV-Einschätzung hat sich das Risiko am Fels zwar nicht verändert - parallel zur Anzahl der Kletterer seien in den vergangenen Jahren aber auch die Unfallzahlen gestiegen. In der Pfalz verunglücken laut Schaub die meisten Sportler in mittelschweren Wegen und damit in den meist begangenen. Im Jahr 2013 habe es drei schwere Unglücke und einen tödlichen Unfall gegeben.

Selbstüberschätzung macht Felsen gefährlich, mit Erfahrung aber ist die Pfalz laut Westphal eines der schönsten Klettergebiete Deutschlands. Für ihn ist Klettern Teil seines Lebens, die Gemeinschaft wichtig - auch wenn der Boom die Szene verändere, Geselligkeit immer öfter von Leistungsdenken abgelöst werde. Früher hätten Kletterer als Aussteiger gegolten, sagt er. Damit sei es heute vorbei.

Susanne Popp, dpa

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