Montag, 22. Juli 2019

Gespräch mit IOC-Präsident Bach "Hamburg hat ein starkes Konzept"

IOC-Präsident Bach: "Der Vertrag mit Toyota ist ein Meilenstein"

Thomas Bach hat eine Revolution ausgelöst: Der neue Präsident des Internationalen Olympischen Komitees sorgte mit seiner Agenda 2020 für Aufsehen. Im SPONSORs-Interview, das vor Bekanntwerden des FIFA-Korruptionsskandals geführt wurde, spricht der 61-Jährige über seine Reform und Hamburgs Chancen auf Olympische Spiele.

SPONSORs: Herr Bach, Mitte März hat das IOC den wohl größten Sponsorenvertrag in der Geschichte des Sportbusiness abgeschlossen. Für den Zeitraum von 2017 bis 2024 zahlt Toyota als Automobilpartner auf der höchsten Ebene des IOC, dem TOP-Sponsoringprogramm, rund eine Milliarde US-Dollar. Was sagt diese Schallmauer über die Vermarktung des IOC aus?

Bach: Ich kann den von Ihnen genannten Betrag nicht bestätigen, aber von einer Schallmauer zu sprechen ist durchaus angebracht. Der Vertrag mit Toyota ist ein Meilenstein für das IOC - und das nicht nur wegen einer gewissen monetären Größenordnung.

SPONSORs: Sondern?

Bach: Toyota ist sicherlich ein Paradebeispiel dafür, wie ganzheitlich wir beim IOC Sponsoringpartnerschaften verstehen und leben. Es geht hier nicht um das Verkaufen von Standardpaketen, sondern um die Schaffung von individuellen Mehrwerten. Beim Autohersteller Toyota, den man sicherlich als Weltmarktführer bei alternativen und hybriden Antrieben bezeichnen darf, ist das beispielsweise der Einsatz von Elektroautos bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Das deckt sich mit unseren Zielen, nachhaltige Olympische Spiele auszurichten.

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    Thomas Bach (61) ist seit dem 10. September 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die sportpolitische Laufbahn des Olympiasiegers von 1976 (Florett/Mannschaft) begann als Athletensprecher seiner Kollegen beim olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden. Seit 1991 ist Bach Mitglied des IOC. Fünf Jahre später wurde er in das Exekutivkomitee des IOC berufen, im Jahr 2000 zum Vizepräsidenten. Abseits des Sports promovierte der gebürtige Würzburger als Jurist und war von 1985 bis 1987 Direktor für Promotion bei Adidas. Anschließend wurde Bach Mitglied des Beraterkreises des Bundeswirtschaftsministeriums und Berater von Siemens. Seit 1998 ist Bach Aufsichtsratsvorsitzender der Michael Weinig AG in Tauberbischofsheim. Im Jahr 2006 wurde er zum Präsidenten der Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry gewählt.
SPONSORs: Der Toyota-Deal dürfte der größte Sponsoring vertrag sein, der je abgeschlossen worden ist. Inklusive Sachleistungen zahlt Toyota fast fünfmal so viel für einen Achtjahresvertrag als bisherige Partner im TOP-Sponsoringprogramm. Wann werden die anderen TOP-Sponsoren über die Milliardenhürde gehievt?

Bach: Noch einmal: Ich kommentiere diese Summe nicht. Aber allgemein orientiert sich die Preisgestaltung der Verträge auch an den jeweiligen Produktkategorien. Und nicht jede Kategorie hat die gleiche Marktgröße und Relevanz wie das Thema Automobilität. Insofern werden die TOP-Sponsoren auch künftig unterschiedliche Summen zahlen.

SPONSORs: Inklusive Toyota zählt das IOC im Vermarktungszeitraum von 2017 bis 2020 zwölf Partner auf der höchsten Partner-Ebene. Ist die Sponsorenvermarktung damit für den genannten Zeitraum abgeschlossen?

Bach: Nur aus formellen Gründen will ich weder hier noch bei anderen Themen einfach eine feste Grenze ziehen. Die Zahl Zwölf ist ein Richtwert über einen längeren Zeitraum. Es könnten auch zehn oder 14 TOP-Partner sein.

SPONSORs: Neben den gestiegenen Sponsoringeinnahmen auf aktuell 1,838 Milliarden US-Dollar im Vermarktungszyklus von 2009 bis 2012, die Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit verkündet haben, haben Sie die Einführung eines olympischen TV-Kanal als Teil der "Agenda 2020" bekannt gegeben. Was wollen Sie damit bezwecken?

Bach: Der Olympic Channel wird die Aufmerksamkeit für die Olympischen Spiele und die olympische Bewegung erhöhen. Dafür investieren wir innerhalb der nächsten sieben Jahre 500 Millionen US-Dollar in das Projekt.

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