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Neues für Wintersportler von der Ispo: Skier, Helme, Brillen

Foto: Marmot/ Christian Weiermann/ TMN

Von Freeride bis Backcountry Die neuen Ski-Trends

Man fährt nicht mehr Ski, sondern macht Freeride, Backcountry, Freeride Touring, Mountaineering oder Skitouring. Das verändert die ganze Branche - und gibt den Ausrüstern Gelegenheit, neue Produkte an den Markt zu bringen. Eine Übersicht.

Vom Lift hochkutschieren lassen und präparierte Pisten wieder hinabgleiten, das reicht vielen Wintersportlern nicht. Sie wollen mehr Fitness - und den Berg vor der Abfahrt selbst erklimmen. Und bei der Abfahrt abseits der Piste das Gefühl von Freiheit genießen.

Die Bezeichnungen dafür sind vielfältig: Freeride, Backcountry, Freeride Touring, Mountaineering, Skitouring. Doch welche Kombination von Aufstieg und Abfahrt auf der Piste oder eben abseits der Piste die Wintersportler wählen, letztendlich ist ihnen eines gemein: Sie haben einen erheblichen Einfluss auf die gesamte Ski-Branche. Denn die Ansprüche an die Ausrüstung sind andere als bei der klassischen Pistenabfahrt mit Liftauffahrt. Gleichzeitig aber profitieren die Pistenabfahrer von den Entwicklungen. Einen Überblick über diese bot jetzt die Sportmesse Ispo in München.

Freeride und Touring seien starke Wachstumsmärkte, erklärt Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV). Denn es braucht Equipment, das nicht zu schwer zum Tragen ist. Kleidung, die den Schweiß gut abtransportieren kann, bei der Abfahrt aber warm genug ist und Wind und Wasser abhält. "Dazu brauche ich einen Schuh, mit dem ich mal über den Felsen steigen kann", sagt König. Und abseits der Piste spielt das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle.

Freiheit und Fitness

Die Motivation hinter den neuen Trends beschreibt Christoph Ebert vom Kompetenzzentrum Sport, Gesundheit und Technologie so: "Beim Freeride geht es um Freiheit" - beim Hochgehen eher um die Fitness. Beides lässt sich gut kombinieren: Hochgehen, um an unberührte Hänge zu gelangen, und durch den Pulverschnee wieder hinabfahren.

Alexander Dillig vom Deutschen Skilehrerverband (DSLV) vergleicht den Einfluss von Freeride und Touring auf die Branche mit demjenigen, den das Snowboardfahren einst hatte. "Snowboard war Protestbewegung", sagt er. Snowboarder wollten anders sein. "Für die Entwicklung in der Skiindustrie war das hervorragend." Heute habe sich der Snowboard-Markt konsolidiert. Entwicklungen gehen nun vom Freeriding und Touring aus. Und: "Durch diese Trends kommen verstärkt ehemalige Snowboarder auch mal wieder zum Skifahren zurück."

Für die Industrie sei diese Zielgruppe bedeutend. Denn Hersteller müssten sich überlegen: Wie involviert sind die Leute - involviert genug, um sich das teure Equipment selbst zuzulegen, statt es zu leihen? "Der Freerider ist in der Regel viel stärker involviert", fasst Ebert zusammen. Und so springe nun auch jeder Hersteller auf den Zug auf.

Reine Kopfsache: Neuheiten bei Helmen und Brillen

Sie sind schützende Begleiter - doch in Zukunft sollen sie noch viel mehr können als das. Helme und Brillen werden Hightech-Geräte für die Piste. "Es geht darum, diese Spielwiese Wintersport auf allen Ebenen weiterzuentwickeln", erklärt Christoph Ebert vom Kompetenzzentrum Sport, Gesundheit und Technologie anlässlich der Sportmesse Ispo, die gestern zu Ende ging. Was ist damit gemeint?

Künftig könnten Helm und Brille etwa mit dem Smartphone verknüpft sein. Auf der Brille erscheint dann ein Hinweis: Jemand ruft an. Aber nicht nur das: Auch Service-Hinweise könnten auf der Brille auftauchen, nach dem Motto: "In der nächsten Skihütte gibt es heute Schinkennudeln für zwei Euro", gibt Ebert ein Beispiel. "Das vernetzte Skigebiet, das kommt." Neben solchen Informationen spielen natürlich auch sicherheitsrelevante Informationen eine Rolle.

Doch noch gibt es solche Produkte nicht auf dem Markt. Denn eine Brille mit diesen Möglichkeiten herzustellen, die im Schnee, mit den auf sie wirkenden Kräften und mit Stürzen klarkommt, sei eine Herausforderung, sagt Ebert. Außerdem bleibe abzuwarten, wie Skifahrer mit solchen Produkten zurechtkommen. "Die Anforderung an den Menschen wird höher", schätzt der Experte: Der Skifahrer müsste nicht nur die Abfahrt meistern, sondern gleichzeitig die eingehenden Informationen verarbeiten.

Schlankere Rahmen, weiteres Sichtfeld

Momentan gehen die Entwicklungen bei den Brillen noch in eine andere Richtung: Die Hersteller wollen die Sichtbarkeit verbessern. Die Rahmen werden schlanker, das Sichtfeld weiter: "Weniger Kunststoff, mehr Glas", fasst Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV) die Entwicklung zusammen. Marker etwa präsentiert auf der Ispo mit der neuen 16:10+ Otis Goggle eine Brille mit minimalistischem Rahmen für ein größeres Sichtfeld. Die Zeiten dicker Rahmen sei vorbei, sagt König.

Die Gläser dürfen nicht beschlagen und müssen sich den Lichtverhältnissen anpassen können. So wechseln die Uvex Big 40 VFM oder die Uvex Downhill 2000 VP X je nach Lichtintensität automatisch die Tönung zwischen den Schutzstufen S1, einer leichten Tönung, und S3, einer dunklen Tönung. Bei Uvex sitzt man nun an der Entwicklung des nächsten Produkts: Gläser mit stufenloser Tönung.

Bei der Scene T und der Source T von K2 passen sich die Linsen dem UV-Licht entsprechend schon in mehreren Stufen an. Früher habe man dafür austauschbare Gläser angeboten, erzählt König. Manche Hersteller bieten das heute noch: Atomic etwa hat mit der Revent Q eine neue Skibrille, bei der man die Scheibe bei ändernden Lichtverhältnissen aus- und eine andere einklicken kann.

Trend: Der Universalhelm für alle Sportarten

Bei den Helmen wird der Komfort ganz groß geschrieben. "Gewicht, Gewicht, Gewicht", fasst Alexander Dillig vom Deutschen Skilehrerverband (DSLV) das große Thema zusammen: Helme werden insgesamt leichter. Gleichzeitig sollen sie maximalen Schutz bieten. Dafür werde etwa die In-Mold-Technologie genutzt, bei der die Innenschale unter Druck fest mit der Außenschale verbunden wird - so sind In-Mold-Helme leichter als Hartschalen-Varianten.

Neben dem Gewicht spielen die Passform und der Klimakomfort eine wichtige Rolle, sagt Ebert. Die Hersteller versuchen auf unterschiedliche Weise, den Helm an die individuelle Kopfform anzupassen - und mit Belüftungssystemen dafür zu sorgen, dass es unter dem Helm nicht zu heiß wird. Beim Atomic Automatic füllen Pads den gesamten Helm aus - sie sollen sich der Kopfform direkt anpassen. Belüftungskanäle gehen außerdem durch jede Schicht des Helms.

Auch der Phoenix Otis Carbon von Marker ist mit Pads ausgestattet. Die äußere Schale besteht aus leichtem Carbon. Der Ranger 2 von Salomon kommt mit einem Innenfutter daher, das die Feuchtigkeit und Temperatur regulieren soll. Und Uvex hat sein Octo+-System nun auf weitere Modelle ausgeweitet: Nun verfügt etwa auch der Jimm Octo+ über elastische Lamellen, die den Kopf von allen Seiten umschließen und sich nach dem Aufsetzen automatisch zusammenziehen.

Gimmick: Halterungen für Stirnlampe und Brille

Der Attelas und Attelas Visor von Alpina sind mit der sogenannten Ergo3-Technologie ausgestattet - der Helm soll sich dadurch besser an den Kopf anpassen. Die Schale besteht aus zwei Modulen: Durch Druck auf das innere Element bewegt sich dieses über einen Rastermechanismus nach innen - so erhalte man eine dreidimensionale Volumenanpassung, erklärt Steffen Kern von Alpina.

Einen anderen Fokus legt der Uvex p.8000 Tour: Er ist ein hybrider Helm. Und passt auch damit zu einem Trend - nämlich dem, dass ein Produkt möglichst viele Einsatzfelder abdecken kann. Der Uvex p.8000 Tour ist gleichzeitig Ski-, Kletter- und Radhelm. Er erfüllt die jeweiligen Normen in den Bereichen. Dabei unterscheiden diese sich sehr stark, sagt Ebert. "Diese Normen haben sie in diesem Helm vereint." Zusätzliche Gimmicks sind etwa eine Vorrichtung zum Befestigen einer Stirnlampe und eine Brillenhalterung.

Ausrüstung zum Schutz und für den Notfall

Zur Sicherheit auf und neben den Pisten ist die passende Schutzausrüstung unerlässlich. Dazu gehören in erster Linie Helm und Brille, erklärt Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV) anlässlich der Sportmesse Ispo in München (noch bis 27. Januar). Die Brille soll vor allem Unfälle aufgrund von Wahrnehmungsfehlern verhindern.

Außerdem gehören zu der Schutzausrüstung auch Protektoren. Wer sollte diese tragen? "Raten würde ich es im Prinzip jedem", sagt der Fachmann. Insbesondere Kinder sollten nicht ohne Protektor fahren: Denn weil sie kleiner sind, werden etwa die Skier von anderen Fahrern schneller zur Gefahr. Und auch wer abseits der Piste fährt, tut das besser mit Protektoren.

Letztere brauchen aber noch ein wenig mehr an sicherndem Equipment: nämlich die Notfallausrüstung. Dazu gehört ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), die Lawinensonde und die -schaufel. Auch Handy und Erste-Hilfe-Set führen Freerider besser mit. Außerdem rät der Deutsche Skilehrerverband (DSLV) zur Verwendung eines Lawinenairbags. Wichtig ist, das Verhalten im Notfall zu trainieren: Auch der beste Lawinenrucksack nutze nichts, wenn man nicht weiß, wie man ihn bedient, sagt König.

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