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Edelbike für den Winter: Focus Mares CX Ultegra im Test

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Carbon-Crosser Focus Mares CX im Test Geh draußen spielen!

Von Arne Gottschalck

Regen und 5 Grad plus sind nicht gerade das, was Radler unter idealem Wetter verstehen. Doch bei diesem Rad, dem Focus Mares CX Disc Ultegra, gehören Schlamm und Dreck nun einmal dazu wie Dreck zu einem Rally-Fahrzeug. Es hilft also nichts - raus damit aus dem Gartenschuppen, rein in den norddeutschen Januar. Und der bietet alles, was Cyclocross ausmacht.

Regen, zum Beispiel - es perlt, es prasselt. So sehr, dass die Grenzen des Alsterwanderwegs in Hamburgs Norden nur mehr zu erahnen sind. Wo endet der Sand, wo beginnt das Gras? Die Frage verliert sich in Pfützen und Schlamm. Eben Cyclocross oder etwas altmodischer: Querfeldein.

Anfangs nur langsam, gewissermaßen herantasten. Dann zügiger. Unter anderem, weil das Strampeln warm hält. Schnell nach links über eine hölzerne Brücke, dann rechts weiter auf dem Weg. Entspannt schlängelt sich der Weg entlang der Alster. Eigentlich eine entspannte Tour - an einem warmen Sommerabend. Immerhin, dafür ist niemand zu sehen, kein Spaziergänger, kein Jogger. Freie Bahn also.

Früher waren es vor allem ausrangierte Straßenrenner, die auf Feldwegen ihr Gnadenbrot erhielten. Heute sind Cyclocrosser eigens konstruierte Räder. Räder, denen Beweglichkeit und Schnelligkeit ins Stammbuch geschrieben wurden.

Aus dem Sattel gehen. Das Rad beschleunigt willigst. Unter anderem, weil es mit 8,6 Kilo leicht ist - eine wichtige Vorgabe. Zum einen, weil es sich damit leichter fährt. Zum anderen aber auch wegen einer Besonderheit des Querfeldeinsports. Denn die Rennkurse enthalten auch Passagen, die so steil sind oder so rutschig, dass der Fahrer absteigen und das Rad über der Schulter bergan tragen muss. Deswegen ist beim Focus wie bei vielen Konkurrenten die Zugführung auch nicht am Oberrohr verlegt - denn dort würden sie beim Tragegriff stören. Abgeflacht ist es auch. Dank Carbon lässt sich das Querschnittprofil des Rahmens problemlos gestalten. Im Rahmen der Gesetze der Physik, versteht sich.

Kalt, klamm, Kult

Der Weg wird nun hügeliger, es geht sanft aufwärts. Und nach einer scharfen Rechtskurve deutlich himmelwärts. Nasses Laub schmatzt unter den Rädern und verbirgt Bodenrinnen, die die Fahrtrichtung queren. Und trotzdem und trotz seiner schmächtigen 33-Reifen hält das Rad die Spur. Reifen-Prüfung bestanden, wenn man so will. Auch wenn es um schnelle Ausweichmanöver geht, zum Beispiel um nicht über armdicke Äste zu fahren, die der Sturm auf den Weg geworfen hat.

Der Carbon-Rahmen gibt ein leichtes Prasseln von sich, als der Schlamm tiefer wird und Rad und Reiter nassgrau färbt. Sand knirscht zwischen den Zähnen. Links die Zäune großer Grundstücke, rechts der Abhang. Mit zehn Metern nicht tief, aber zu tief für einen unkontrollierten Abstieg. Doch es läuft, fräst durchs Schlammgrau. Auch die Schaltung zieht mit, wiewohl vom gleichen Grus beschossen wie der Fahrer.

Kein Wunder, schießt es mir durch den Kopf, dass Cyclocross-Rennen oft nur eine Stunde dauern. Zu kalt, zu nass. Immerhin regnet es nicht mehr.

Dann naht eine enge Abfahrt, von Kindern im Winter zum Rodeln benutzt. Auf halber Höhe zweigt sie deutlich nach links. Ein kurzes Luftholen - und abwärts geht es. Immer schneller. Keine Überschlagsängste, keine Probleme. Vielleicht weil das Rad trotz sportlicher Auslegung immer ausreichend Sicherheit vermittelt. Aber vielleicht auch nur, weil der Fahrer inzwischen durchnässt ist und nichts zwischen ihn und den Kaffee kommen soll. Nicht einmal ein steiler Abhang.

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