Samstag, 14. Dezember 2019

Fitnesstrend funktionelles Training Spielplatz für Erwachsene

Funktionelles Training: Die Neuheiten der Fitnessmesse Fibo
Sarah Tschernigow

Seile schwingen, sich an Stangen hochhangeln und bunte Bälle von A nach B tragen. Immer mehr Fitnessstudios setzen auf funktionelles Training. Die Kraftmaschinen weichen einem Spielplatz zum Ganzkörperaustoben. mm-Autorin Sarah J. Tschernigow hat die Neuheiten ausprobiert.

Köln - Das ist doch mal innovativ: Den Boden wischen, sich dabei nicht einmal hinhocken müssen und praktisch nebenbei die Beinmuskulatur kräftigen. Das soll mit dem Konzept Flowin aus Holland gehen. Wie flache Schrubber werden schmale Platten unter die Füße geschnallt, um dann auf glatter Fläche durch die Gegend zu rutschen. Idealerweise in hockender Position.

Klar, um Oberschenkel und Po zu stärken, würde es auch eine klassische Kniebeuge tun, aber das hier macht mehr Spaß. Funktionelles Training nennen sich die Übungen, die durch rotierende und flexible Bewegungsabläufe den Körper ganzheitlich trainieren, anstatt einzelne Muskelgruppen isoliert zu aktivieren.

Immer mehr Fitnessstudios setzen auf dieses Konzept. Namhafte Ketten haben längst Platz geschaffen für einen Spielplatz für Erwachsene. Sie montieren starre Butterfly-Maschinen ab, um sie gegen bunte Bälle, Kletterstangen und Seile einzutauschen. Gegen Medizinbälle, Sprossenwände und kleine Hütchen zum Zickzacklaufen. Auch auf der weltgrößten Fitnessmesse Fibo in Köln, die am Wochenende zu Ende ging, ist der Bereich für Functional Training gewachsen; er war nie größer als dieses Jahr. Eine ganze Halle ist den Spielereien gewidmet.

Mitten drin die Londoner Firma Torq-King, die eine 360-Grad-Hantel auf den deutschen Fitnessmarkt bringen will. Die Gewichte sehen auf den ersten Blick aus wie die üblichen Freihanteln in ihrer typischen Garnrollenform: innen Griff, außen Knubbel. Managing Director Simon Prest führt damit Liegestütz der besonderen Art vor: er positioniert seine Hände nicht auf dem Boden, sondern auf den Hanteln selbst, die auf dem Untergrund wie ein Räderwerk in alle Richtungen wegdriften können.

Warum einfach, wenn es kompliziert doch mehr Spaß macht?

"Es gibt damit unendlich viele Griffpositionen. Ich kann während des Liegestütz rotieren und viel mehr Muskeln aktivieren, als beim klassischen Liegestütz", sagt er und berichtet begeistert, dass Profi-Fußballer Wayne Rooney von Manchester United überzeugter Kunde ist. Ob der sich dabei nicht schon einmal die Schulter ausgekugelt hätte?

Das verneint Simon Prest lachend und erklärt, dass Anfänger natürlich nicht gleich mit dem Rotations-Liegestütz anfangen, aber Wayne Rooney das ganz klar drauf hätte. Keine Frage, durch das permanente Ausbalancieren wird der Körper stärker beansprucht. Wer im Normalfall 20 Liegestütze schafft, kriegt hier vielleicht sechs hin.

Aber braucht man das wirklich? Warum so kompliziert? "Ich bin auch ein Freund von klassischen, simplen Techniken", sagt Prest. "Aber das ist mal etwas anderes. Und es schult nicht nur den Körper, sondern auch die Koordination."

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