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Bikes aus Holz und Bambus: Räder für die Ewigkeit

Foto: Calfee

Die besten Bikes aus Holz und Bambus Nachwachsende Fahrräder

Fahrräder aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und Bambus werden immer beliebter. Kein Wunder. Die Räder sehen nicht nur gut aus, sie haben auch prima Fahreigenschaften und dämpfen selbst ohne Federgabel erstaunlich gut. Zudem stehen diese Räder für ein kleines Stück Luxus im Alltag. Ein Fahrrad aus Bambus oder Esche ist ein bisschen wie der Maßanzug vom Schneider. Beides sind Unikate. Sie werden perfekt auf ihre Fahrer abgestimmt.

Der Kreis der Experten, die mit den Naturstoffen arbeiten, ist weltweit mit gerade mal rund zwei Dutzend Rahmenbauern recht überschaubar. Jeder Rahmenbauer hat seinen eigenen Stil. Der Pionier und das Vorbild in der Szene ist der Amerikaner Craig Calfee. Seine Räder setzen Maßstäbe.

Dezente Rohrverbindungen: Bamboo Adventure von Craig Calfee

Dezente Rohrverbindungen: Bamboo Adventure von Craig Calfee

Foto: Calfee

Die Verbindungen der Rohre sind bei Calfee-Rädern sehr dezent und elegant. Außerdem sind seine Rahmen stets dunkelbraun. Die Farbe erhalten sie beim Trocknen. Das ist ein heikles Thema. Denn Bambus reißt leicht beim Trocknen. Calfees Trocknungsverfahren ist sein Geheimnis. Das verrät er nicht.

Eleganter geht es kaum

Aber auch in Europa werden feinste Räder aus Holz und Bambus entworfen und gefertigt. Insbesondere in Deutschland wächst der Kreis der Experten seit einigen Jahren stetig. Einer von ihnen ist Stefan Eisen. Der selbstständige Ingenieur aus Karlsruhe hat vor etwa fünf Jahren mit dem Bau der ersten Bambusräder begonnen. Zunächst für sich und seine Familie, dann für Freunde und mittlerweile für Kunden unter dem Namen Bambushelden auch auf Bestellung.

Anfangs hat der Ingenieur die Rohre an den Verbindungsstellen ganz klassisch mit Harz und Fasern umwickelt. Aber die voluminösen Knoten störten den Schöngeist und er entwickelte ein eigenes Verfahren.

Bambushelden: Der Rohstoff für diese Räder wird in Karlsruhe geernet

Bambushelden: Der Rohstoff für diese Räder wird in Karlsruhe geernet

Foto: Stefan Eisen

Inzwischen erzeugt er mit einem 3D-Drucker für die individuellen Muffen eine eigene Form. Diese nutzt er als Negativ und laminiert direkt in die Form hinein das Positiv, also das Bauteil aus Harz und Glasfaser, das er gerade braucht. So entsteht beispielsweise das Steuerrohr. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Auch die Wände der Muffen sind nur zwei Millimeter stärker als die Rohre. Eleganter geht es kaum.

Achteckig statt rund

Fahrräder aus nachhaltigen Rohstoffen sind stets ein Blickfang. Deshalb schiebt Tobias Rudolph sein Ligneus Octo gerne Sonntagmorgens in Berlin über den Flohmarkt. Dort betreibt er Marktforschung. In der ungezwungenen Atmosphäre bekommt er spontanes Feedback zu seinen Rädern. Das ist in der Regel positiv. Denn Rudolphs Geschmack ist extravagant. Die Rohre an seinem Rad sind nicht rund, sondern eckig.

Ligneus Octo: Extravagantes Design für Individualisten

Ligneus Octo: Extravagantes Design für Individualisten

Foto: Ligneus Octo

Dazu leimt der Berliner Pappel- und Eichenfurniere zu einem achteckigen Hohlkörper zusammen. Das macht den Rahmen stabil und leicht. Gerade mal 7,5 Kilogramm wiegt sein Ligneus Octo, obwohl es selbst Männer mit einer Körpergröße über 1,80 Meter trägt. Mit dem Rad ist Rudolph schnell und komfortabel auf dem Ostberliner Kopfsteinpflaster unterwegs.

Perfekte D ä mpfungseigenschaften

Versiegelung mit Bootslack: Chris Connor will seine Räder wettertauglich machen

Versiegelung mit Bootslack: Chris Connor will seine Räder wettertauglich machen

Foto: Chris Connor

"Holz-Bikes haben die wunderbare natürliche Fähigkeit, Stöße und Vibrationen von der Straße oder Piste zu absorbieren", schwärmt auch Chris Connor, amerikanischer Rahmenbauer aus Denver. Connor baut edle Räder aus Esche und Walnuss und fährt mit ihnen durch extremes Gelände. Im vergangenem Jahr war er beim amerikanischen Leadville Trail 100 Mountainbike in Colorado mit am Start. Die Strecke führt 100 Meilen auf unbefestigten Wegen durch die Rocky Mountains. Der höchste Punkt der Tour liegt etwa auf 3800 Metern. Diese Tour gilt als eines der härtesten Mountainbike-Rennen der USA.

Doch lieber Eiche rustikal?

Um das Holz auf diesen Touren vor der Witterung und kleinen Dellen durch hochspringende Steine im Gelände zu schützen, versiegelt Connor den fertigen Rahmen mit Bootslack. Das kommt für Rudolph nicht in Frage. Er behandelt den Rahmen erst mit einem Öl und anschließend mit einem Hartwachsöl. Mit diesem Schutz kann und soll man das Ligneus Octo über den Winter weder vor der Haustür parken noch drei Tage im Regen stehen lassen. Aber das traut Rudolph seinen Kunden auch nicht zu. Seiner Meinung nach ist es mit einem Holzrad wie mit einem antiken Möbel: "Mit dem geht man pfleglich um."

Fahrrad vom Flugzeugbauer: Dieses Rad von Ken Wheeler ist mit Flugzeuglack versiegelt

Fahrrad vom Flugzeugbauer: Dieses Rad von Ken Wheeler ist mit Flugzeuglack versiegelt

Foto: Ken Wheeler

Dem stimmt Ken Wheeler grundsätzlich zu. Dennoch schwört er für seine Renovo Räder aus Eiche, Ahorn oder anderem Hartholz auf Flugzeuglack. Der Rahmenbauer kam über die Luftfahrt zum Fahrradbau.

"Holz ist als Rahmenmaterial Carbon und Metall weit überlegen", sagt Wheeler. Wenn das richtige Holz mit fortschrittlichen Technologien kombiniert werde, verwandle es sich zum Hochleistungsmaterial. Es habe dann bedeutend bessere Dämfpfungseigenschaften und sei nicht so anfällig für Kratzer wie Carbon. Das Material ermüde nicht so schnell wie Stahl oder Aluminium und die Rahmen hielten länger. Wheeler gibt zehn Jahre Garantie auf jeden Rahmen.

Jeder einzelne Rahmen wiegt etwa 1,8 bis 2,3 Kilogramm. "Wir könnten sie leichter zu machen", sagt Wheeler. Aber das Gewicht allein sei nicht entscheidend bei Renovo-Rädern. Für ihn sind es Fahrzeuge, die man weiter gibt. Erbstücke. Im Grunde ist es bei allen Rädern aus nachhaltigen Rohstoffen so: Es sind Luxusprodukte für Liebhaber. Wenn man sie gut behandelt, sind es Räder für die Ewigkeit.

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