Montag, 1. Juni 2020

Rauf aufs Fahrrad - Ansturm auf Radläden Von Gravel- bis Citybike - das sind die Fahrradtypen

Fahrräder stehen derzeit hoch im Kurs, bieten sie doch eine Alternative zu Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch welches Fahrrad eignet sich am besten fürs Pendeln, fürs Reisen oder für Ausflüge in die Natur? Hier ist ein Überblick über alle Typen.

Mehr Rennrad als Mountainbike und dennoch gut auf schroffem Untergrund: Crossbikes sprechen sportliche Offroad-Fahrer an.
Koga.Com/pd-f/dpa-tmn
Mehr Rennrad als Mountainbike und dennoch gut auf schroffem Untergrund: Crossbikes sprechen sportliche Offroad-Fahrer an.

"Wir sehen derzeit einen enormen Run auf die Fahrradläden. Ohne von einem Gewinner der Krise reden zu wollen, muss man festhalten, dass das Fahrrad gerade einen besonderen Moment erlebt", sagt David Eisenberger, Leiter Marketing und Kommunikation beim Zweirad-Industrie-Verband, der etwa 100 Unternehmen der Fahrradindustrie vertritt. Neben denen, die ohnehin eine Neuanschaffung geplant hätten, gebe es derzeit viele Kunden, die das Rad für sich wieder entdeckten. Das zeige nicht zuletzt die gestiegene Nachfrage im Einsteigersegment ab 300 Euro.

Die Branche ist schon länger im Aufwind. Im vergangenen Jahr erzielte sie mit Fahrrädern und vor allem dem immer beliebteren E-Bikes gut 4,2 Milliarden Euro Umsatz - 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem tendierten die Verbraucher zu hochwertigeren Rädern, so Eisenberger. Der Durchschnittspreis lag 2019 über alle Vertriebskanäle bei 982 Euro und damit rund ein Drittel höher als 2018. Bundesweit arbeiten rund 280.000 Menschen in der Fahrradwirtschaft.

Inwiefern die Hersteller den teilweisen Stillstand der Produktion über einen Zeitraum von bis zu acht Wochen ausgleichen könnten, sei nicht absehbar. Trotz der schmerzhaften Einbußen zum Saisonstart sei man inzwischen optimistisch, mit einem "blauen Auge" davonzukommen. Ein Risiko bleibe jedoch eine zweite Infektionswelle und damit ein neuerlicher Shutdown für Produktion und Handel.

Elektrofahrräder gefragt

Beim Traditionshersteller Diamant im sächsischen Hartmannsdorf beispielsweise läuft die Fertigung unter Einhaltung von Mindestabständen und zahlreichen weiteren Hygienemaßnahmen. Man habe die Produktion in dem Werk mit 500 Mitarbeitern nicht komplett aussetzen müssen, wohl aber Kurzarbeit angemeldet. "Wir haben den Output reduziert und waren natürlich auch über gestörte Zulieferketten aus Asien betroffen", berichtet Manager Thomas Eichentopf.


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Er sieht den Trend zum Zweirad durch Corona verstärkt: "Wir erleben gerade einen Mini-Fahrradboom." Das Unternehmen, das seit 135 Jahren am Markt ist, habe noch nie so viele Suchanfragen auf der Webseite gezählt wie im April.

Auch der E-Bike-Nachrüster Pendix aus dem sächsischen Zwickau berichtet von einer sehr hohen Nachfrage. "Das Rad ist ein Riesengewinner dieser Zeit", meint Geschäftsführer Thomas Herzog. Gemeinsam mit vier Freunden entwickelte der Automobilingenieur einen nachrüstbaren Elektroantrieb für Fahrräder. Zur Gründung 2013 habe man sie dafür noch belächelt. Nach eigenen Angaben ist Pendix heute Marktführer in dem Segment, laut ZIV der bekannteste Nachrüster.

Alternative zum öffentlichen Nahverkehr

Angesichts der Vorschriften im öffentlichen Nahverkehr - Stichwort Maskenpflicht - habe insbesondere das Fahrrad mit elektrischem Rückenwind viele Vorteile. Selbst der Autofahrerclub ADAC geht davon aus, dass das Fahrrad neben dem Auto an Bedeutung für den Individualverkehr gewinnen wird.

Ob es aber am Ende tatsächlich als Krisengewinner da steht, hängt vor allem von der Infrastruktur ab, meint der Verbund Service und Fahrrad, der ebenfalls den Fachhandel vertritt. "Infrastruktur ist der Schlüssel zum Erfolg", sagt Geschäftsführer Albert Herresthal. Schnelle Lösungen wie die "Pop-up-Bike-Lanes" in Berlin müssten dauerhaft bestehen bleiben.

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) lobt die Idee, quasi über Nacht mithilfe von Baustellenbaken und Farbstreifen Radwege einzurichten. Auch Düsseldorf wolle nun nachziehen, sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Der wichtigste Verbraucherverband der Radfahrer befürchtet nach dem Ende der Kontaktbeschränkungen "eine ungeahnte Flut von Autoverkehr", wenn viele Menschen aufgrund der Einschränkungen im ÖPNV lieber wieder aufs Auto setzen. Demnach haben die Bundesbürger 2019 rund 32 Millionen Fahrten mit Bus, Tram oder Bahn zurückgelegt. Pro Tag wohlgemerkt. Wenn nur ein Bruchteil dessen wieder mit dem Auto gefahren werde, drohe ein Super-Stau.

Welches Fahrrad? Das sind die verschiedenen Typen

Für Neu- und Wiedereinsteiger heißt es nun jedoch zuerst, sich für ein Fahrrad zu entscheiden. Sie stoßen dabei auf eine Vielzahl verschiedener Fahrrad-Typen. Ein Klassiker, der seit Jahren in der Gunst der Radler ganz weit vorne: das Trekkingrad. Dieses macht um die 30 Prozent der Verkäufe aus, wie aus den Marktstatistiken des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) hervorgeht.

Der Erfolg hat einen Grund: Trekkingräder sind universell einsetzbar. Doch man kann die Zahlen auch anders herum lesen: Rund 70 Prozent der verkauften Fahrräder fallen nicht in diese Kategorie. Inzwischen gibt es für fast jeden Einsatzzweck ein Fahrrad, das Angebot fächert sich weit auf. Hier ein Überblick über die wichtigsten Gattungen, die es mittlerweile auch alle in elektrifizierter Form als Pedelecs gibt.

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