Rauf aufs Fahrrad - Ansturm auf Radläden Von Gravel- bis Citybike - das sind die Fahrradtypen

Fahrräder stehen derzeit hoch im Kurs, bieten sie doch eine Alternative zu Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch welches Fahrrad eignet sich am besten fürs Pendeln, fürs Reisen oder für Ausflüge in die Natur? Hier ist ein Überblick über alle Typen.
Mehr Rennrad als Mountainbike und dennoch gut auf schroffem Untergrund: Crossbikes sprechen sportliche Offroad-Fahrer an.

Mehr Rennrad als Mountainbike und dennoch gut auf schroffem Untergrund: Crossbikes sprechen sportliche Offroad-Fahrer an.

Foto: Koga.Com/pd-f/dpa-tmn

"Wir sehen derzeit einen enormen Run auf die Fahrradläden. Ohne von einem Gewinner der Krise reden zu wollen, muss man festhalten, dass das Fahrrad gerade einen besonderen Moment erlebt", sagt David Eisenberger, Leiter Marketing und Kommunikation beim Zweirad-Industrie-Verband, der etwa 100 Unternehmen der Fahrradindustrie vertritt. Neben denen, die ohnehin eine Neuanschaffung geplant hätten, gebe es derzeit viele Kunden, die das Rad für sich wieder entdeckten. Das zeige nicht zuletzt die gestiegene Nachfrage im Einsteigersegment ab 300 Euro.

Die Branche ist schon länger im Aufwind. Im vergangenen Jahr erzielte sie mit Fahrrädern und vor allem dem immer beliebteren E-Bikes gut 4,2 Milliarden Euro Umsatz - 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem tendierten die Verbraucher zu hochwertigeren Rädern, so Eisenberger. Der Durchschnittspreis lag 2019 über alle Vertriebskanäle bei 982 Euro und damit rund ein Drittel höher als 2018. Bundesweit arbeiten rund 280.000 Menschen in der Fahrradwirtschaft.

Inwiefern die Hersteller den teilweisen Stillstand der Produktion über einen Zeitraum von bis zu acht Wochen ausgleichen könnten, sei nicht absehbar. Trotz der schmerzhaften Einbußen zum Saisonstart sei man inzwischen optimistisch, mit einem "blauen Auge" davonzukommen. Ein Risiko bleibe jedoch eine zweite Infektionswelle und damit ein neuerlicher Shutdown für Produktion und Handel.

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Von Gravel bis Citybike: Das sind die wichtigsten Fahrradtypen

Foto: Wolfgang Ehn/Velotraum/pd-f/dpa-tmn

Elektrofahrräder gefragt

Beim Traditionshersteller Diamant im sächsischen Hartmannsdorf beispielsweise läuft die Fertigung unter Einhaltung von Mindestabständen und zahlreichen weiteren Hygienemaßnahmen. Man habe die Produktion in dem Werk mit 500 Mitarbeitern nicht komplett aussetzen müssen, wohl aber Kurzarbeit angemeldet. "Wir haben den Output reduziert und waren natürlich auch über gestörte Zulieferketten aus Asien betroffen", berichtet Manager Thomas Eichentopf.

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Er sieht den Trend zum Zweirad durch Corona verstärkt: "Wir erleben gerade einen Mini-Fahrradboom." Das Unternehmen, das seit 135 Jahren am Markt ist, habe noch nie so viele Suchanfragen auf der Webseite gezählt wie im April.

Auch der E-Bike-Nachrüster Pendix aus dem sächsischen Zwickau berichtet von einer sehr hohen Nachfrage. "Das Rad ist ein Riesengewinner dieser Zeit", meint Geschäftsführer Thomas Herzog. Gemeinsam mit vier Freunden entwickelte der Automobilingenieur einen nachrüstbaren Elektroantrieb für Fahrräder. Zur Gründung 2013 habe man sie dafür noch belächelt. Nach eigenen Angaben ist Pendix heute Marktführer in dem Segment, laut ZIV der bekannteste Nachrüster.

Alternative zum öffentlichen Nahverkehr

Angesichts der Vorschriften im öffentlichen Nahverkehr - Stichwort Maskenpflicht - habe insbesondere das Fahrrad mit elektrischem Rückenwind viele Vorteile. Selbst der Autofahrerclub ADAC geht davon aus, dass das Fahrrad neben dem Auto an Bedeutung für den Individualverkehr gewinnen wird.

Ob es aber am Ende tatsächlich als Krisengewinner da steht, hängt vor allem von der Infrastruktur ab, meint der Verbund Service und Fahrrad, der ebenfalls den Fachhandel vertritt. "Infrastruktur ist der Schlüssel zum Erfolg", sagt Geschäftsführer Albert Herresthal. Schnelle Lösungen wie die "Pop-up-Bike-Lanes" in Berlin müssten dauerhaft bestehen bleiben.

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) lobt die Idee, quasi über Nacht mithilfe von Baustellenbaken und Farbstreifen Radwege einzurichten. Auch Düsseldorf wolle nun nachziehen, sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Der wichtigste Verbraucherverband der Radfahrer befürchtet nach dem Ende der Kontaktbeschränkungen "eine ungeahnte Flut von Autoverkehr", wenn viele Menschen aufgrund der Einschränkungen im ÖPNV lieber wieder aufs Auto setzen. Demnach haben die Bundesbürger 2019 rund 32 Millionen Fahrten mit Bus, Tram oder Bahn zurückgelegt. Pro Tag wohlgemerkt. Wenn nur ein Bruchteil dessen wieder mit dem Auto gefahren werde, drohe ein Super-Stau.

Welches Fahrrad? Das sind die verschiedenen Typen

Für Neu- und Wiedereinsteiger heißt es nun jedoch zuerst, sich für ein Fahrrad zu entscheiden. Sie stoßen dabei auf eine Vielzahl verschiedener Fahrrad-Typen. Ein Klassiker, der seit Jahren in der Gunst der Radler ganz weit vorne: das Trekkingrad. Dieses macht um die 30 Prozent der Verkäufe aus, wie aus den Marktstatistiken des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) hervorgeht.

Der Erfolg hat einen Grund: Trekkingräder sind universell einsetzbar. Doch man kann die Zahlen auch anders herum lesen: Rund 70 Prozent der verkauften Fahrräder fallen nicht in diese Kategorie. Inzwischen gibt es für fast jeden Einsatzzweck ein Fahrrad, das Angebot fächert sich weit auf. Hier ein Überblick über die wichtigsten Gattungen, die es mittlerweile auch alle in elektrifizierter Form als Pedelecs gibt.

Das Trekkingrad

Trekkingräder sind echte Alleskönner und taugen für den Weg zur Arbeit ebenso wie für eine ausgiebige Radtour.

Trekkingräder sind echte Alleskönner und taugen für den Weg zur Arbeit ebenso wie für eine ausgiebige Radtour.

Foto: Flyer-Bikes/pd-f/dpa-tmn

Dieser Zweiradtyp eignet sich für tägliche Strecken, aber auch mal für eine Tour am Wochenende, die über Forst- und Feldwege führt. Mit Lichtanlage und Schutzblechen sei das Trekkingrad für alle Tageszeiten und Wetterverhältnisse gerüstet, urteilt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Keine andere Gattung habe ein ähnlich breites Einsatzspektrum. Für den Stadtverkehr sind Trekkingräder wendig genug, zugleich bieten sie für Touren genug Geradeauslauf, sie bleiben also vergleichsweise gut in der Spur. Dank Trägersystemen können sie bepackt werden. Dem auf Design getrimmten Urban Bike, einer Trekkingbike-Unterart ohne Gepäckträger, fehlt diese Option.

Das Cityrad

Mit kleinem Körbchen: Cityräder sind genau die richtige Wahl für die kurze Fahrt von der Wohnung in den Park.

Mit kleinem Körbchen: Cityräder sind genau die richtige Wahl für die kurze Fahrt von der Wohnung in den Park.

Foto: Dennis Stratmann/Winora/pd-f/dpa-tmn

Wie der Name sagt, ist es für die Stadt gemacht. Wert gelegt wird bei diesem Rad für kurze Strecken auf Fahrkomfort und eine aufrechte, bequeme Sitzposition. So behält der Radler im Stadtverkehr die Übersicht. Für Einkäufe ist meist ein Körbchen angebracht. Ähnlich wie Trekkingräder sind Cityräder in der Regel mit straßentauglicher Ausstattung versehen. Das ist bei Sporträdern oft nicht der Fall.

Das Mountainbike (MTB)

Diese Reifen wollen im Matsch wühlen: Mountainbikes spielen überall abseits planierter Wege ihre Stärken aus.

Diese Reifen wollen im Matsch wühlen: Mountainbikes spielen überall abseits planierter Wege ihre Stärken aus.

Foto: Rudi Wyhlidal/pd-f/dpa-tmn

Das Offroad-Fahren ist Sinn und Zweck dieses Typs, der in den 1980er Jahren in den USA aufkam und seinen weltweiten Siegeszug antrat. Für Grip und genügend Vortrieb sind breite, ausgeprägt profilierte Reifen aufgezogen. Der Lenker ist breit, wodurch sich das Gefährt auf losem Grund besser beherrschen lässt.

Die Gattung ist ausdifferenziert: So gibt es Downhill-MTBs, die mit längeren Federgabeln und geänderter Rahmengeometrie speziell für Abfahrten gedacht sind, ebenso wie All-Mountain-Bikes für längere Touren. Besitzt ein MTB Federgabel und Rahmendämpfer, so spricht man vom "Fully" (vom Englischen full suspension für Vollfederung). Ist nur eine Federgabel vorhanden, wird das Rad als Hardtail bezeichnet, denn der Hinterbau bleibt steif.

Das Reiserad

Die Packesel in der Welt der Velos: Reiseräder sind robust konstruiert und können dadurch ordentlich was tragen.

Die Packesel in der Welt der Velos: Reiseräder sind robust konstruiert und können dadurch ordentlich was tragen.

Foto: Wolfgang Ehn/Velotraum/pd-f/dpa-tmn

Auch hier ist der Name Programm. Durch hohe Belastbarkeit ist dieser Typ bei Radreisen und Expeditionen das Gefährt der Wahl. Die Konstruktion zeichnet sich durch Rohre mit dickerer Wandstärke aus und verträgt viel Zuladung. Der Rahmen ist typischerweise aus Stahl und bietet Ösen zur Gepäckaufnahme, meist auch vorn an der Gabel.

Um im Flachland und im Gebirge gleichermaßen unterwegs sein zu können, ist meist eine Kettenschaltung mit feiner gegliederten Gängen oder eine teure Nabenschaltung aus dem High-End-Regal montiert. Grundlage für Reiseräder können laut ADFC viele Radgattungen sein: Rennräder, Trekkingräder oder auch Mountainbikes könnten als Gerüst dienen.

Das Rennrad

Nach vorne gebeugte Körperhaltung für maximale Trittkraft: Rennräder sind für schnelle Straßenfahrten ausgelegt.

Nach vorne gebeugte Körperhaltung für maximale Trittkraft: Rennräder sind für schnelle Straßenfahrten ausgelegt.

Foto:

Cannondale/pd-f/dpa-tmn

Auf ihm sitzen Fahrerinnen oder Fahrer gebeugt, um ihre Trittkraft möglichst effizient in die Pedale zu geben und um aerodynamischer unterwegs zu sein. Zudem ist dieser Typ auf Leichtbau getrimmt und besitzt im Idealfall - wie ein sportlich ambitionierteres MTB - einen Carbon-Rahmen. Doch der aufwendig produzierte Kunststoff treibt die Kosten in die Höhe. Günstigere Rennräder besitzen einen Alurahmen, auch Retro-Rennräder mit Stahlrahmen werden noch gefertigt. Im Angebot sind verschiedene Rahmengeometrien. Sie reichen von renntauglich bis gemäßigt für längere Strecken - für dieses Fahrprofil hat sich der Begriff des Endurance-Rennrades etabliert.

Das Gravel Bike

Gravel-Bikes sind nur auf den ersten Blick Rennräder. Unter anderem machen ihre breiteren Reifen sie universeller einsetzbar.

Gravel-Bikes sind nur auf den ersten Blick Rennräder. Unter anderem machen ihre breiteren Reifen sie universeller einsetzbar.

Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Es ist eigentlich eine Spielart des Rennrads, aber universeller einsetzbar und momentan stark im Trend. Fast jeder Hersteller hat diese Räder im Programm, die auf der Straße schnell sind, aber auch Schotterwege dank breiterer Reifen nicht scheuen müssen. Anders als am eigentlichen Rennrad sind hier Scheibenbremsen selbstverständlich, damit auch Matsch der Bremswirkung nichts anhaben kann. Auch ein Rennlenker gehört dazu.

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Von Gravel bis Citybike: Das sind die wichtigsten Fahrradtypen

Foto: Wolfgang Ehn/Velotraum/pd-f/dpa-tmn

Gravel Bikes grenzen sich von Cyclocross-Rädern für Querfeldeinrennen ab, die strenge technische Vorgaben des Weltradsportverband UCI erfüllen müssen. Auf Gravel Bikes sitzt man komfortabler und rollt auf noch etwas breiteren Reifen, deshalb werden sie auch für sportliche Touren-Fahrer gerne genommen. Crossbikes sind eine weitere Variante für Offroad-Fahrer.

Das Crossrad

Mehr Rennrad als Mountainbike und dennoch gut auf schroffem Untergrund: Crossbikes sprechen sportliche Offroad-Fahrer an.

Mehr Rennrad als Mountainbike und dennoch gut auf schroffem Untergrund: Crossbikes sprechen sportliche Offroad-Fahrer an.

Foto: Koga.Com/pd-f/dpa-tmn

Crossbikes eigenen sich für Fahrer, die gerne auch mal abseits der Straße fahren, über Wiesen, auf Feldwegen oder Wälder. Sie sind eine Mischung aus Rennrad und Mountainbike, wurden vom Straßenrennrad abgeleitet. Sie haben allerdings eine kürzere Rahmen-Geometrie und sind deshalb für wendiges Fahren im Gelände besser geeignet. Da sie einen leichten Bau haben, eigenen Sie sich auch auf schwierigem Gelände und können auch mal auf die Schulter genommen werden, um Hindernisse zu überwinden. Zieht man dagegen Straßenreifen auf, lässt sich das Rad fast so nutzen wie ein Rennrad.

Das Faltrad

Handlicher Begleiter: Falträder finden mit ihrer Koffergröße gut im Zugabteil Platz.

Handlicher Begleiter: Falträder finden mit ihrer Koffergröße gut im Zugabteil Platz.

Foto: Tobias Hase/dpa-tmn

Zusammengelegt soll es möglichst geringe Packmaße bieten, damit es im Autokofferraum oder Zugabteil Platz findet. Damit empfiehlt sich das Falt- oder Klapprad als Vehikel für Pendler wie auch für kurze Wege am Urlaubsort. "Zudem muss in den meisten Zügen keine Fahrradkarte gelöst werden, wenn es zusammengefaltet ist", erläutert der ADFC.

Die Origami-Künste fordern in der Performance aber ihren Tribut: Falträder bieten aufgrund der kleinen Räder wenig Laufruhe und sind anfällig für Unebenheiten auf der Fahrbahn. Wegen der komplizierten Faltmechanismen gibt es sie nur in Einheitsgrößen. Die Übersetzungsvielfalt der Schaltung ist oft eingeschränkt, und die Fahrstabilität des Rahmens leidet manchmal - vor allem bei Beladung. Ähnlich wendig und klein, aber stabiler in der Konstruktion sind Kompakträder, die allerdings nicht zusammengeklappt werden können.

Das Lastenrad

Transporter mit Pedalen: Auf entsprechend konstruierten Lastenräder bringt man auch schon mal eine Waschmaschine vom Geschäft bis nach Hause.

Transporter mit Pedalen: Auf entsprechend konstruierten Lastenräder bringt man auch schon mal eine Waschmaschine vom Geschäft bis nach Hause.

Foto: Kay Tkatzik/pd-f/dpa-tmn

Es wird oft von Familien und Unternehmen ausgewählt. Der ZIV sieht die mal ein-, mal zweispurigen Vehikel, ob elektrifiziert oder nicht, in den Städten als "eine umweltschonende und platzsparende Alternative zu privaten Pkw und motorisiertem Lieferverkehr" und weist auf Kaufprämien hin, die Städte, Kommunen und der Bund bieten.

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Von Gravel bis Citybike: Das sind die wichtigsten Fahrradtypen

Foto: Wolfgang Ehn/Velotraum/pd-f/dpa-tmn

Cargobikes sind die Packesel unter den Fahrrädern. Sie vertragen schwere, aber auch voluminöse Lasten und dienen, mit Sitzen statt Boxen oder Ladeflächen ausgestattet, auch zum Transport von Kindern. Während einspurige Cargobikes schnelleres Vorankommen erlauben, aber beladen im Stand schnell kippen können, fahren sich die dreirädrigen zweispurigen Modelle behäbiger, bieten allerdings mehr Stabilität.

Stefan Weißenborn und Claudia Drescher, dpa