Fotostrecke

Elektro-Mountainbike Rose Elec Tec: Das Rad-Monster für die ganz steilen Sachen

Foto: manager magazin online

Elektro-Mountainbike Rose Elec Tec im Test Wie ein SUV auf zwei Rädern

Nehmen wir mal an, Sie sind Mitte bis Ende 40 und haben sich die letzten Jährchen nicht übermäßig viel bewegt. Nun wartet für den Urlaub eine harte Prüfung auf Sie: Ein paar langjährige, aber leider ziemlich sportliche Freunde haben Sie zur gemeinsamen Radtour eingeladen. Mit Ihnen wollen sie ein paar schöne, aber ebenso steile wie fordernde Mountainbike-Trails bezwingen - wie in den guten, jungen Jahren. Und dabei wollen Sie eine möglichst gute Figur machen.

Dann haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie könnten in den kommenden Wochen regelmäßig ins Fitnessstudio laufen, überschüssige Pfunde loswerden und hoffen, dass sich so ihre früheren Balance- und Radfahrkünste wiedererwecken lassen. Oder sie wählen die moderne, aber nicht ganz billige Abkürzung namens Rose Elec Tec.

Das Elektro-Mountainbike mit den extrabreiten Stollenreifen sieht nicht nur martialisch kraftstrotzend aus. Es bringt Radler auch vergleichsweise mühelos über jeden steilen Weg auf jene Gipfel, die sie sonst nur mit viel Training erkurbeln könnten. Auch auf längeren Trails dürfte ihnen vielleicht die Puste, nicht jedoch der Strom ausgehen: Der im Alurahmen integrierte, 612 wH große Akku sollte für 50 bis 90 Kilometer Trail-Fahrten reichen, meinen einschlägige Fachmagazine.

Fotostrecke

Fahrradmarkt wächst dank Stromschub: Diese Firmen treiben den E-Bike-Boom

Foto: Bosch

Im etwas flacheren Alltag in Norddeutschland sind sogar mehr als 100 Kilometer drin, wie ich bei längeren Testfahrten mit dem Elec Tec feststellte. Für steile Mountainbike-Routen kann ich keine brauchbaren Kilometer-Prognosen treffen. Für den Test habe das Elec Tec nämlich deutlich außerhalb seines üblichen Einsatzgebiets bewegt: In Hamburg und Umgebung, Radreviere also, die sich topografisch nicht gerade durch ein Überangebot an langen, steilen Anstiegen auszeichnen.

Mehr als 25 km/h sind auf ebenen Straßen kaum möglich

Doch auch als fahrbarer Untersatz für den gepflegten Asphalt-Cowboy taugt das 3999 Euro teure Edel E-Bike - zumindest bedingt. Mit seinem extrabreiten Lenker und den fast 8 Zentimeter breiten Reifen (27,5 Zoll Durchmesser) fühlte ich mich auf dem Testrad fast so, als würde ich einen der auch in Hamburg oft gesichteten Riesen-SUVs pilotieren.

Dazu trägt auch die kräftige Elektro-Unterstützung bei: Selbst auf Verstärkungsstufe eins (von vier möglichen) ist das Elec Tec nach vier, fünf Kurbelumdrehungen 25 km/h schnell.

Die Langsam-Radler auf ihren klapprigen Drahteseln lässt man so schnell hinter sich. Gegen echte Rennradprofis hat das Elec Tec jedoch keine Chance. Denn ab 25 km/h hört die Unterstützung auf. Die dicken Stollenreifen sorgen für mächtigen Rollwiderstand. Und da das Rad samt Akku satte 22,6 Kilogramm wiegt, sind schnelle Sprints über den vom E-Motor unterstützten Bereich hinaus ein schweißtreibendes Unterfangen.

Zumal die verbaute 8-Gang-Schaltung von SRAM, die speziell für E-Bikes entwickelt wurde, von der Übersetzung her nicht auf Highspeed ausgelegt ist. Dafür fehlen die auf Rennrädern üblichen kleineren Zahnkränze, mit denen sich ein hohes Tempo ohne allzu viel Kurbeln halten ließe. Macht aber nichts, Eindruck schinden lässt sich mit dem Monster-Bike in der Stadt allemal. Speziell jüngere, männliche Passanten schauen dem Elec Tec bewundernd nach - also wohl jene Klientel, die sich auch von chromeblitzenden SUVs begeistern ließe.

Bei zerfurchten Feldwegen zeigt sich ein Manko des Elec Tec

Fotostrecke

Elektro-Mountainbike Rose Elec Tec: Das Rad-Monster für die ganz steilen Sachen

Foto: manager magazin online

Immerhin, Chrometeile bietet das Elec Tec nicht auf. Und im etwas hügeligeren Gelände südlich von Hamburg, seinem wohl besten lokalen Einsatzgebiet rund um die Hansestadt, zeigt das Rad seine wahren Qualitäten. Auf meinen Ausflügen durch die Harburger Berge erwies sich das Rad als äußerst standhaft. Die Scheibenbremsen bissen, wann sie sollten, ließen sich aber bei weniger steilen Abfahrten auch gefühlvoll dosieren.

Ah ja, und manche steile Anstiege im Wald sind auch für gebürtige Österreicher wie den Testfahrer eine Herausforderung. Dank Elektro-Unterstützung konnte ich auch wurzelübersäte Trampelpfade bezwingen, über die ich mich mit einem herkömmlichen Mountainbike kaum herangetraut hätte.

Ein Manko zeigte sich jedoch bei zerfurchten Feldwegen. Die lassen sich mit Elektro-Power zwar auch mit deutlich mehr als 20 km/h befahren. Die vordere, in acht Stufen einstellbare Federgabel steckt Stöße prima weg. Doch eine Federung am Hinterrad fehlt bei solchen Tortur-Schnellfahrten merklich.

Warum Rose Bikes bei einem 4000 Euro teuren Rad auf eine Vollfederung verzichtet, leuchtete meinem Steißbein am Ende des Feldwegs nicht so ganz ein. Fachblogs haben bereits Prototypen einer vollgefederten Elec Tec-Variante gesichtet - es naht also Erlösung für geplagte Gelände-Geschwindigkeitsfans.

Zum Monsterrad gehört auch ein monströses Ladegerät

Monströs sind bei dem Rad nicht nur Reifen, Rahmen und Lenker. Auch das Ladegerät für den Akku ist alles andere als klein und leicht ausgefallen. Es hat knapp die Größe eines halben Fahrradhelms und wiegt ungefähr so viel wie die aktuelle Ausgabe des Duden. Und noch etwas sollten angehende Elec Tec Biker wissen: Um den Akku zu laden, muss er aus der per Schloss abschließbaren Halterung am Rahmen genommen werden. Bloßes Anstecken, während die Batterie im Rahmen befestigt ist, reicht dafür nicht aus.

Insgesamt ist das Rose Elec Tec ein Rad, mit dem Moutainbiker ohne viel Mühen auch unwegsames Gelände durchpflügen können. Gut, treten müssen sie, aber eben nur leicht. Und mit höchster Unterstützungsstufe 4 wird auch der steilste Anstieg zum Kinderspiel. Ob es Riesenspaß bringt, mit dem zweirädrigen Equivalent eines SUV über Bike-Trails zu donnern, ist eine höchst individuelle Erwägung. Ich jedenfalls ziehe für solche Touren ein herkömmliches Mountainbike vor - auch wenn ich dafür wohl häufiger ins Fitnessstudio müsste.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.