Donnerstag, 2. April 2020

Wie vernetzte Fahrräder die Mobilität verändern Smarter als Autos

Connected Bike: Vernetzte Fahrräder verändern die Stadt
Cobi

Vernetzte Hausgeräte und schlaue Autos sind schon gang und gäbe - jetzt aber wird auch das Fahrrad mit Smartphone-Technologie und Internet verknüpft. Bei E-Bikes und normalen Rädern könnten sich diese Funktionen allerdings bedeutend schneller und effektiver verbreiten und etablieren als bei Autos oder Kühlschränken.

Einer, der das Thema "connected bike" im vergangenen Jahr massiv vorangetrieben hat, ist Andreas Gahlert. Gahlert hat vor Jahren die Multimedia-Agentur "Neue Digitale" gegründet, die einst als kreativste Online-Agentur Deutschlands galt, hunderte von Preisen einheimste und später in Razorfish überging. Dort hat Gahlert unter anderem Visionen fürs "connected driving" für Audi entwickelt und umgesetzt.

Gahlert ist aber auch Schöngeist und Mountainbiker. Deshalb missfiel ihm der Geräte-Klimbim auf seinem Lenker aus Licht, Klingel, Smartphone, der Bedienung der Federgabel und der Fahrradcomputer. Gahlert wollte all diese Funktionen in einem Gerät bündeln, und zwar so, dass es auch digitalen Menschen mit einem Faible für Design gefiel.

Seine Lösung heißt "Cobi" (connected biking). Dahinter verbirgt sich eine erweiterte Smartphone-Halterung. Sie enthält allerhand Technik, ein Frontlicht - ergänzt durch einen Daumenhebel, mit dessen Hilfe die Apps ausgewählt und gesteuert werden können. Mehr als 100 Funktionen verspricht Cobi - Licht, Blinker, Musik, Fitnessfeatueres, Navigation, Alarmfunktion bei Diebstahl und vieles mehr.

Das vernetzte Rad trifft den Zeitgeist

Mit dieser Idee hat Gahlert ganz offensichtlich den Zeitgeist getroffen. Im Dezember wollte er über Kickstarter Geld für den Start der Serienproduktion von Cobi sammeln. Mehr als 400.000 Euro kamen über das Crowdfunding zusammen. Vier Mal mehr als Gahlert und sein Start up "iCradle" brauchten. Die Aktion war eine der besten Kickstarter-Kampagnen für Fahrradaccessoires weltweit.

Anschließend klingelten die Hersteller bei ihm Sturm. "Wir wurden überrannt", sagt Gahlert. Alle wollten Cobi im August zur Weltleitmesse Eurobike auf ihren neuen Rädern präsentieren. Dabei hatte Gahlert ganz andere Pläne. Eigentlich sollte die erste Cobi-Kollektion direkt an den Radfahrer zum Nachrüsten angeboten werden.

Aber sowohl Motoren- als auch Fahrradhersteller sahen bei 40 Millionen Smartphone-Nutzern durchaus das Potenzial bei ihrer Zielgruppe. Anders als die Autobranche ist die Fahrradbranche extrem schnelllebig und reagiert prompt auf Innovationen.

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