Allrounder vermitteln Fahrfreude, funktionieren zuverlässig und sind vielseitig einsetzbar. (In Weiß das getestete Diamant Zing+, in Schwarz: Diamant Zing+ Deluxe.)
Allrounder vermitteln Fahrfreude, funktionieren zuverlässig und sind vielseitig einsetzbar. (In Weiß das getestete Diamant Zing+, in Schwarz: Diamant Zing+ Deluxe.)
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Maik Scharfscheer / Diamant

Allround-Elektrofahrräder im Test Ehrlich unentbehrlich – sechs E-Bike-Multitalente für jeden Tag

Eines für alles: Allround-Pedelecs sind die Multitalente im E-Bike-Markt. Sie verbinden Alltagsnutzen mit Tourenspaß – und werden dabei immer stärker. Sechs Allrounder bis 3.500 Euro im "MYBIKE"-Test.
Von Uli Frieß, Testredakteur "MYBIKE"

Ganz weit unten im Stammbaum der Fahrradtechnik, vor mehr als 100 Jahren, tat sich Entscheidendes: Die Gattung "Fahrrad" spaltete sich in Sportgeräte und Nutzfahrzeuge. Und während das Rennrad mit spektakulären Events seine Nische verteidigte, enteilte ihm das erst später entstandene Alltagsrad zahlenmäßig schon bald. Viele Nebenäste und Fahrradtypen später entwickelt sich seit über zehn Jahren das E-Bike als neuer, immer kräftigerer Ast. Der dickste Nebenast sind auch hier: Allrounder! Alltagsräder sind einfach überzeugend praktisch – und solche mit Elektromuskel erst recht. Sie tragen ihre Fahrer souverän durch die Stadt, über Landstraßen und Feldwege. Die Besseren funktionieren bei Tag und bei Nacht, bei Nässe und auf Schnee gut und sicher. Wer nur ein E-Rad kauft, greift vermutlich zum Allrounder.

Doch auch bei den Allroundern gibt es verschiedene Charaktere. Vor dem Kauf sollte man sich deshalb über den bevorzugten Einsatzzweck, persönliche Vorlieben und den maximalen Kaufpreis Gedanken machen. Unser Test umfasst sechs ganz unterschiedliche Pedelecs zwischen 3.000 und 3.500 Euro. In dieser Preisklasse sind viele solide ausgestattete Modelle bewährter Marken unterwegs, die einen Alltagseinsatz viele Jahre aushalten sollten. Mit dieser Vorgabe haben wir aufs Detail geschaut.

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Zum "MYBIKE"-Test: Sechs E-Allrounder bis 3.500 Euro

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Daniel Simon / MYBIKE

Stabil und sicher

Gesetzliche Pflicht für den alltagstauglichen Allrounder ist eine StVZO-konforme Ausstattung mit Lichtanlage, Klingel und Reflektoren. Technisch mindestens genauso wichtig und entscheidend für den Fahreindruck ist ein stabiler, verwindungssteifer Rahmen. Neben Gabel, Laufrädern und Bremsen macht ein akkurat aufgebauter und solide verschweißter Rahmenverbund das Pedelec erst fahrsicher. Zum Glück sind Pedelec-Rahmen in den letzten Jahren deutlich steifer geworden. Die Hersteller haben den höheren Belastungen von E-Bikes Rechnung getragen und die Rahmen effektiv verstärkt. Sogenannte Tiefeinsteiger waren früher meist verwindungsanfällig und wenig fahrstabil.

Zwei unserer aktuellen Tiefeinsteiger, das Kettler Escaro und das Giant Dailytour, überzeugten auf unserem Prüfstand mit Steifigkeitswerten auf solidem Diamantrad-Niveau. Die Pedelecs zeigen selbst mit viel Gepäck auf dem Träger keinerlei Flatterneigung.

Apropos Gepäcktransport: Viel Gewicht überm Hinterrad kann die Fahreigenschaften von weniger fahrstabilen Rädern deutlich verschlechtern. Wollen Sie oft und viel Gepäck transportieren, braucht Ihr Pedelec einen stabilen und kraftschlüssig mit dem Rahmen verbundenen Gepäckträger. Andernfalls kann sich der Träger samt Gepäck aufschwingen und so die ganze Fuhre aus der Spur drängen. Besonders steif ist die Trägerkonstruktion des Cube. Sie ist fest mit dem Hinterbau des Touring Hybrid verschweißt und versteift so den Hinterbau zusätzlich. Dass schwere Pedelecs kräftige und zuverlässige Bremsen brauchen, versteht sich von selbst. Standardmodell in der Preisklasse um 3.000 Euro sind die hydraulischen Scheibenbremsen MT200 von Shimano. Die Systeme sind ausgereift und bewährt; an den Testrädern sind teilweise nicht nur vorn, sondern auch hinten große Bremsscheiben mit 180 Millimeter Durchmesser montiert. Auch an sehr schweren Pedelecs ist das mehr als ausreichend.

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Ebenfalls Standard in dieser Klasse sind Shimanos Deore-Schaltwerke. Sie können die Kette über ein Zehn-, Elf- oder Zwölffach-Ritzelpaket führen und bieten so eine enorme Übersetzungsbandbreite. Nur am Husqvarna Gran City und am Diamant Zing+ findet sich Shimanos günstigeres Neunfach-Alivio-Schaltwerk. Kettenschaltungen sind leichter und günstiger als Getriebenaben. Wer sich jedoch nicht groß um die Technik seines Pedelecs kümmern möchte, fährt mit einer Getriebenabe besser. Im Gegensatz zur Kettenschaltung benötigt sie nur sehr wenig Wartung. Überträgt, wie beim Giant Dailytour, ein Gates-Riemen statt einer Kette die Antriebskraft, ist der Antriebsstrang weitestgehend wartungsfrei.

Größer und stärker

Noch vor wenigen Jahren gab es Boschs damals stärksten Antrieb, den Performance Line, hauptsächlich an E-Mountainbikes. Nachdem das Aggregat von der noch potenteren CX-Version des Motors abgelöst wurde, avancierte der einstige Top-Antrieb zum beliebten Aggregat an Mittelklasse-Pedelecs. In unserem Testfeld sind nur das Diamant (Bosch Performance CX) und das Giant (SyncDrive Core) nicht mit dem Performance-Line-Motor ausgerüstet. Bosch hat das Modell kürzlich überarbeitet, er ist deutlich leiser und laufruhiger geworden. Zum Trend, Mittelklasse-Pedelecs mit stärkeren Motoren auszurüsten, passt, dass auch die Akkus immer größer werden. Galten bisher 500 Wattstunden (Wh) als Norm, setzen immer mehr Hersteller auf Energiespender mit 625 Wh Energieinhalt. Das spiegelt sich deutlich in der Reichweite wider: Bergamont, Cube und Giant kommen auf unserem Rollenprüfstand mit ihrer größeren Akkuladung etwa 15 Prozent weiter als die Konkurrenz.

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Daniel Simon / MYBIKE

Klar ist aber auch, dass die größeren Akkus teurer sind und das Gewicht der sowieso schon schweren Pedelecs nochmals erhöhen. Wer sein Rad über Treppenstufen oder Absätze hieven muss, sollte beim Kauf darauf achten. Nutzt man das Rad hauptsächlich in der Stadt und auf kurzen Strecken, ist ein kleinerer, leichterer Akku eventuell die bessere Wahl. Mit Intube-Akkus ausgerüstete Räder glänzen mit klaren Linien, weil ihre Energiespender unsichtbar im Rahmen verschwinden. Das ist nicht immer praktisch: Muss der Akku zum Laden demontiert und in die Wohnung mitgenommen werden, ist ein Ontube-Akku überlegen. Er lässt sich deutlich einfacher demontieren und wieder in seine Halterung einsetzen. Wer auf geringes Gewicht und unkomplizierte Akku-Handhabung Wert legt, sollte sich deshalb das Diamant Zing+ genauer ansehen.

Fazit: Insgesamt betrachtet, erntet keiner unserer sechs Mittelklasse-Allrounder ernsthafte Kritik. Im Gegenteil: Wer 3.000 bis 3.500 Euro in ein Pedelec investiert, bekommt, was er für diesen Preis erwarten darf – einen wertigen und soliden Alltagsbegleiter für viele Aufgaben und Gelegenheiten.

Dieser Fahrradtest stammt aus der Februar-Ausgabe von MYBIKE. Den ausführlichen Testbericht mit weiteren Details finden Sie unter mybike-magazin.de ; wie "MYBIKE" testet mit dem Suchbegriff #6050.

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