Samstag, 16. November 2019

Neue Fitnessgeräte Das wird anstrengend

6. Teil: Kettlebells: Schwere Kugeln zum Schwenken


Unerwartetes Revival: Die Kettlebells sind ein neuer alter Fitnesstrend
Sarah J. Tschernigow
Unerwartetes Revival: Die Kettlebells sind ein neuer alter Fitnesstrend

Dafür, dass dieses Trainingsgerät modern sein soll und seinen Siegeszug in den Fitnessstudios offenbar noch vor sich hat, ist es ziemlich archaisch. Schwere Kugel mit Griff zum Heben und Schwenken. Da entstehen gleich Bilder im Kopf von Neandertalern mit umgeschnürten Fellen, die mit lautem Gebrüll das Feld stürmen.

Und ganz so weit hergeholt ist das nicht, denn die Kettlebells sind ganz klar ein Kraftgerät, das vorwiegend von Männern zum Muskelaufbau genutzt wird. Ursprünglich kommen sie aus Russland, wo vor 50 Jahren nach dem Motto "hart macht fit" trainiert wurde. Als Ansage an den Westen. Heute kann man sie vereinzelt in den Pumper-Ecken der Fitnessstudios finden. Martin Jelitte von IFS (International Fitness Sports) ist einer von mehreren, die die Kettlebells vertreiben und auf der Fitnessmesse präsentieren.

Das Gerät ist erstaunlich dominant auf der Messe, als bereitete es hochpoliert sein Comeback mit Zielgruppenerweiterung vor. Tatsächlich wurden auf der Messe auch Damen gesichtet, die sich an die Kugelhantel trauten. "Also meine Frau nimmt die für Kniebeuge links und rechts in die Hand", sagt Jelitte überzeugend. "Wie eine Handtasche." Ja, sicher. Die schwingt ja auch beim Spazierengehen und wiegt, je nach Shoppingerfolg, zwischen 10 und 30 Kilogramm.

Bei näherer Betrachtung sind die Kettlebells, deren Name übrigens aus dem Russischen kommt, aber keineswegs einfach nur Gorillagewichte. "Damit können Sie ballistische Übungen machen", sagt der Vertriebsleiter von IFS. Wie bitte? "Es geht nicht um eine statische Bewegung, wie wenn Sie zum Beispiel den Bizeps an der Maschine trainieren, sondern um komplexe Bewegungen mit Balance. Zum Beispiel Hinterkopf-Schwingen." Aua. Bitte den Spiegel heile lassen. Und nicht erschrecken, wenn die Dinger plötzlich anfangen zu vibrieren.

Wie auch Martin Jelitte bleiben die meisten Hersteller zwar bei der klassischen Kanonenkugel, wie sie auch genannt wird, aber andere, wie die Firma Skandika haben quasi das iPhone der Kettlebells auf den Markt gebracht: "im kultigen iDesign". Heißt einfach nur: weiß lackiert mit akkubetriebener Rüttelfunktion. Wie immer, wenn es um Vibration geht, sollen damit die Tiefenmuskeln erreicht werden. In dem Fall wiegt die Kettlebell auch nur 3, 5 Kilo. Bringen tut es aber nur etwas, wenn die Bewegungen kontrolliert ausgeführt werden, bis in eine gezielte Höhe und nicht nach dem Motto "so hoch und schnell ich kann". Denn sonst hat es mit Krafttraining irgendwie nichts mehr zu tun (16 Euro bis 180 Euro, 32 Kilo, verdelte Ausführungen, Hochglanz-Chrom 250 Euro).

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