Montag, 9. Dezember 2019

Für ein längeres Leben Mann, bleib gesund!

Gesundheit: So spricht man Männer besser an
Corbis

Der Mann gilt als Sorgenkind der Gesundheitsexperten: Er lebt ungesünder und kümmert sich kaum um seine Gesundheit. Dass die Lebenserwartung dadurch sinkt, wird in Kauf genommen. Wie es dennoch gelingt, Männer für das Thema zu interessieren, davon berichtet mmo-Autorin Carola Kleinschmidt.

Hamburg - Männer gelten als Gesundheitsmuffel. Sie gehen erst zum Arzt, wenn es richtig weh tut und Vorsorgeuntersuchungen interessieren sie schlicht nicht. Wenn Männer Kummer haben, trinken sie eine Kiste Bier oder geben im Auto richtig Gas. Und krank fühlen sie sich schon aus Prinzip nicht.

Der Preis: Männer leben fünf bis acht Jahre kürzer als Frauen. Viel mehr Männer als Frauen sterben bereits vor dem 65. Lebensjahr. "Häufig handelt es sich um vermeidbare Sterbefälle, die durch Gesundheitsrisiken wie Rauchen, Fehlernährung, Bewegungsmangel und Alkohol bedingt sein", resümiert Doris Bardehle, Gesundheitswissenschaftlerin von der Universität Bielefeld. Dazu kommen noch hohe Raten von Männer-Tod durch Unfall oder Suizid.

Auf dem Gesundheitsohr scheint der Mann von heute also immer noch relativ taub zu sein. Das ganze Gerede über gesundes Leben, die Vorsorgeangebote der Krankenkassen - all das motiviert ihn offensichtlich nicht wirklich.

Männerkrankheiten werden oft tabuisiert

Ist der Mann also einfach selber Schuld an seiner gesundheitlichen Misere? Nicht ganz, geben Experten zu bedenken. Denn langsam wird klar, dass man jahrelang übersehen hat, dass der gesellschaftliche Blick auf den Mann die Rolle des starken, stets gesunden Geschlechtes immer weiter festschreibt, gesundheitsbewusstes Verhalten sabotiert: "Weil Männerkrankheiten mit geminderter Präsenz und Leistungsbereitschaft assoziiert sein können, werden sie von der Gesellschaft weitgehend tabuisiert", erklären Frank Sommer vom Lehrstuhl für Männergesundheit am Universitätsklinikum Eppendorf und Lothar Weißbach, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit.

Dazu kommt: Die allermeisten Gesundheitsangebote und Aufklärungs-Medien sind auf Frauen zugeschnitten beziehungsweise auf Menschen, die bereits ein großes Interesse an Gesundheitsthemen haben. Die meisten Männer fühlen sich schlicht nicht angesprochen von einem Yoga-Kurs, den die Krankenkasse unterstützt oder von einem Abnehmkurs, der zu Salat statt Steak rät oder dem Angebot des Arztes, im Rahmen der Vorsorge völlig kostenfrei die Prostata abzutasten. Männer gehen im Schnitt mit 45 Jahren das erste Mal zu einer Vorsorge-Untersuchung. Frauen finden das ab 20 völlig normal.

Internet und Job als Gesundheitsinsel

Die Forderung der Männergesundheits-Experten ist nur logisch: Man müsste eine gezielte Ansprache für Männer in Sachen Gesundheit finden und spezifische Angebote entwickeln, die den Mann auch wirklich ansprechen. Erst dann wird es möglich sein, mehr Männer dafür zu sensibilisieren, dass ihr Körper mindestens so viel Wartung verdient wie ihr Auto, eine psychische Krise vor allem zur Katastrophe wird, wenn man sie ignoriert und ein gesunder Lebensstil auf Dauer mehr Leistungs-Kraft verleiht als Alkohol, Zigaretten und salatfreie Ernährung.

Aber wie soll das gehen? Das Internet und der Job gelten als die idealen Orte, an denen man Männer in Sachen Gesundheit abholen kann. Immerhin surfen über 80 Prozent der Männer regelmäßig im Internet. Die Internetseite www.maennergesundheitsportal.de, die seit einem Jahr online ist, werde gut angenommen, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die den ersten Männergesundsheitskongress, der Ende Januar in Berlin stattfand (LINK), mit dem Bundesministerium für Gesundheit veranstaltete. Nutzer finden hier unter anderen Informationen zu Ernährung, Fitness und psychische Gesundheit

Und im Job? "Der Arbeitsplatz bietet gute Möglichkeiten, um auch diejenigen zu erreichen, die sich sonst wenig Gedanken um ihre Gesundheit machen", heißt es in der Pressemitteilung zum Männergesundheitskongress. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Bisher gilt das Verhältnis von Beschäftigtem und Betriebsarzt nicht unbedingt als das einflussreichte Band.

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