Manager Laufend lernen

Entscheider laufen gern - warum eigentlich? Für Andreas Butz keine Frage, denn Laufen "steht für Ausdauer und Disziplin". Und es erlaubt keine Ausreden.
Von Arne Gottschalck
Laufen: Entspannung, Training - und Lehrstunde?

Laufen: Entspannung, Training - und Lehrstunde?

Foto: Michael Conroy/ ASSOCIATED PRESS

mm: Warum eigentlich Laufen - lehrt Dart nicht genauso die Fokussierung oder Rugby das Durchsetzungsvermögen?

Butz: Wer zum Sport in die Kneipe gehen möchte, kann Billard oder Dart spielen. Und wer sich abreagieren will, der findet in Rugby eine attraktive Möglichkeit. Dies immerhin an der frischen Luft. Aber ganz im Ernst, Laufen ist die einfachste, effektivste und für jeden eigenständig praktizierbare Möglichkeit, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten und dabei Lebensenergie zu tanken. Und Durchsetzungsvermögen lernt man beim Laufen auch, vor allem gegen den inneren Schweinehund.

mm: Kommt der Team-Gedanke dabei nicht zu kurz?

Butz: Ein Vorteil des Laufens ist gerade der, dass man keine Mitspieler braucht, um diesen Sport zu betreiben. Daher erlaubt das Laufen auch keine Ausreden. Dennoch bietet Laufen auch große Chancen als Mannschaftssport. Team-Staffeln, bei denen sich fünf Teilnehmer die Marathondistanz teilen, wie zum Beispiel beim Düsseldorf-Marathon im Mai, oder Firmenläufe, wie alljährlich im Juni der J.P.Morgan-Lauf in Frankfurt, wo vier Teilnehmer gemeinsam als Team gewertet werden, sind großartige Möglichkeiten, Teamgeist zu zeigen und zu festigen.

mm: Viele Menschen laufen - doch wie gelingt es, daraus auch Lehren zu ziehen?

Butz: Die Lehren aus dem Laufen entstehen unterbewusst. Wer es schafft, vom Nichtläufer zum Dauerläufer zu werden, durch Laufen zehn Kilo abzunehmen, einen Halbmarathon oder sogar Marathon zu laufen, der ist stolz über das selbst Erreichte und erntet von Freunden und Kollegen Anerkennung. Diese Erlebnisse machen selbstbewusst, weil man am eigenen Tun erlebt, dass einem Schritt für Schritt fast alles gelingen kann. Dieses Verständnis und Selbstbewusstsein transportiert sich automatisch auf alle Lebensbereiche.

Die Lehren des Laufens

mm: Was ist es, das Laufen für das Management lehrt?

Butz: Dauerlaufen steht für Ausdauer und Disziplin, der Marathonlauf verstärkt für Willenskraft und Zielstrebigkeit. All diese persönlichen Eigenschaften kann man beim Laufen festigen und ins übrige Leben mitnehmen. So profitiert der Einzelne. Für Unternehmen passt der gelegentlich von Führungskräften gehörte Vergleich von wirtschaftlichen Prozessen mit einem Marathon. Journalisten und Analysten erwarten gerne Erfolge in Sprintzeit, doch gut Ding will Weile haben. So wie dem Marathonerfolg viele trainingsintensive Monate vorausgehen, wirken sich Umstrukturierungsmaßnahmen erst mit der Zeit aus und werden auch neue Märkte erst allmählich erobert.

mm: Worin liegt das Hauptproblem - dem Laufen selbst ("Schweinehund") oder dem Transponieren der Prinzipien auf das Management?

Butz: Mir ist aufgefallen, dass die Dichte an Marathonläufern umso größer ist, je höher man ins Unternehmen schaut. Während ungefähr jeder sechshundertste erwachsene Deutsche dieses Jahr einen Marathon laufen wird (in den letzten Jahren waren es um die 100.000), macht es wahrscheinlich jeder zehnte Vorstand eines Dax- oder MDax-Unternehmens. Trotz 60-Stundenwoche, trotz Geschäftsreisen und trotz familiärer und gesellschaftlicher Verpflichtungen, scheint es kein Problem zu sein, die Zeit für das Laufen zu finden. Ganz im Gegenteil, der Benefit überwiegt. Immer mehr Unternehmer und Führungskräfte entdecken im Laufen Chancen zur Selbstführung, Selbstvermarktung, Team- und Unternehmensführung. Ich nenne das Leadership-Running.

mm: Kann umgekehrt die Aufgabe als Manager helfen, das Laufen zu verbessern?

Butz: Ja, da muss was dran sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass in der "Managerwertung" des Frankfurt-Marathons die Bestverdiener im Durchschnitt auch die schnellsten Laufzeiten haben? Eine individuelle, systematische Trainingsplanung und die Steuerung des Lauftrainings nach persönlichen Kennzahlen, ermittelt aus Leistungsdiagnostiken und Testwettkämpfen, ist für Manager etwas ganz Selbstverständliches. Wer im Business analytisch, kontrolliert und zielstrebig vorgeht, der macht das auch im Sport.

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