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Fahrräder: Bequem in der City oder flott im Gelände

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Fahrradtypen Besser in Fahrt mit dem passenden Rad

Der Sommer kommt und somit die Saison für Radfahrer. Egal ob zum Einkauf, auf dem Wochenendausflug oder der Rennstrecke, für so ziemlich jede Gelegenheit gibt es das passende Fahrrad. Doch um im Modelldschungel nicht die Orientierung zu verlieren, sollte man sich vor dem Kauf auf einen Typ festlegen.

Göttingen - Der alte Drahtesel hat ausgedient, er klappert und quietscht, ständig geht irgendetwas kaputt. Ein neues Fahrrad muss her. Damit die Qualität stimmt, sollte man dafür im Fachhandel mindestens 500 Euro ausgeben, empfehlen Experten wie Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und Gunnar Fehlau vom branchennahen Pressedienst Fahrrad (pd-f). "Für weniger Geld bekommt man nur solide Kinderräder", sagt Fehlau. Bleibt die Frage: Welcher Fahrradtyp ist für die individuellen Ansprüche der richtige? Ein Citybike? Oder doch besser ein Mountainbike?

Bei der Entscheidung kann die folgende Typenkunde des ADFC, des pd-f und des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) helfen:

Citybike: Eine gute Wahl für Radler, die gelegentlich kürzere Strecken fahren, zum Einkaufen oder bei kleinen Touren am Wochenende. Dieser Radtyp ist nicht besonders sportlich, dafür robust und pflegeleicht. Wartungsarme Technik wie Nabendynamo, LED-Rücklicht und Nabenschaltung mit drei bis 14 Gängen sind Standard. Viele Modelle haben einen tief heruntergezogenen Rahmen, der das Aufsitzen erleichtert und eine Rücktrittbremse. "Deshalb eignen sie sich gut für Menschen, die sich nicht so sicher auf dem Rad fühlen", sagt Cibulski. In der Regel rollen Citybikes auf 28-Zoll-Reifen. Kleinere 26-Zoll-Räder machen sie wendiger, verringern aber den Komfort.

Trekkingrad: In Deutschland der zweitbeliebteste Fahrradtyp nach dem Citybike. Trekkingräder wurden ursprünglich für lange Touren auf asphaltierten und unbefestigten Wegen entwickelt. Typisch sind ein stabiler Aluminiumrahmen, Kettenschaltung und 28-Zoll-Räder. Die Vielseitigkeit von Trekkingrädern schätzen Vielfahrer, Reisende und Berufspendler gleichermaßen. Qualitätsunterschiede gibt es unter anderem bei Geländegängigkeit, Wartungsintervallen und Gewicht. Wer Wert auf eine hochwertige Lichtanlage, einen stabilen Gepäckträger oder wartungsarme Bremsen legt, muss zum Basispreis zwischen 500 und 800 Euro pro Extra rund 100 Euro addieren, sagt Fehlau.

Hollandrad: Der nahezu unverwüstliche Tourenklassiker aus den Niederlanden ist durch seine bequeme, aufrechte Sitzposition, einen breiten Sattel und einfache Technik unverkennbar. Der geschlossene Kettenkasten schützt den Antrieb vor Staub und Nässe. Hollandräder haben wie viele Citybikes einen tiefen Einstieg - in den Niederlanden werden sie deshalb auch "Omafiets" (Omafahrrad) genannt. Nachteil der Alltagsräder mit Retrochic ist, dass der Rahmen meist aus Stahl besteht und in den unteren Preisklassen sehr schwer sein kann. Fehlaus' Fazit: "Nichts für Schnellfahrer - eher für gemütliche Radler."

Mountainbike, Rennrad, Faltrad

Mountainbike: Mit dicken Stollenreifen machen Mountainbikes optisch einiges her. "Sie sind aber in erster Linie Geländesportgeräte und nur bedingt alltagstauglich", sagt Stephan Schreyer vom ZIV. Größtes Manko: die fehlende Verkehrssicherheit. In der Regel müssen Licht und Klingel für den Straßeneinsatz nachgerüstet werden, so Fehlau. "Das kann teuer werden und sieht nur noch halb so gut aus." Mountainbikes benötigen nämlich meist eine Dynamobeleuchtung, Stecklichter reichen streng genommen nicht aus, es sei denn, das Rad wiegt elf Kilogramm oder weniger. Bei Mountainbikes unterscheidet man zwischen dem Hardtail mit Federgabel und dem voll gefederten Fully. Im Trend liegen zurzeit Modelle mit großen 29-Zoll-Laufrädern (Twentyniner), die besonders leicht rollen. Ansonsten sind 26-Zoll-Räder üblich.

Rennrad: Extrem schmale Reifen auf 28-Zoll-Felgen, eine gedrungene Sitzposition und Zubehör, das ausschließlich der Fortbewegung dient - Rennräder sind reine Sporträder. Vom Alltagseinsatz raten die Experten ab: Schlaglöcher oder Bordsteine können den empfindlichen Felgen leicht zusetzen und den Fahrer zu Fall bringen. "Bei Regen ist die Sturzgefahr ebenfalls sehr hoch", warnt Cibulski. Mindestens 800 Euro kostet ein brauchbares Rennrad, ein Profimodell gern mal das Zehnfache. Obligatorisch ist die Kettenschaltung mit 16 bis 33 Gängen - außer bei Singlespeed- oder Fixie-Rädern. Diese Renner aus dem Bahnradsport haben eine starre Nabe mit einem Gang und deshalb weder Rücktrittbremse noch Freilauf. Der Einsatz im Straßenverkehr ist illegal, die Polizei darf die Räder einkassieren.

Faltrad: Mit Klapprädern aus den 70er Jahren haben Falträder kaum noch etwas gemein, erläutert Gunnar Fehlau. Im Vergleich zu den urigen Vorfahren seien sie zu "mechanischen Meisterstücken" gereift, die sich binnen Sekunden von handlichen Paketen in vollwertige Fahrräder verwandeln lassen. Dank ihrer Gangschaltung und günstiger Übersetzung lassen sich mit den 20-Zöllern auch etwas längere Strecken bewältigen. Wie gemacht sind Falträder für Pendler, weil sie sich im Autokofferraum zu einem stadtnahen Park&Ride-Stellplatz oder auch in Zügen, Bahnen oder Bussen transportieren lassen. Die praktischen Leichtgewichte haben allerdings ihren Preis: 1000 Euro sollte man mindestens einplanen.

Expeditionsrad, Liegerad, Transportrad, Pedelec

Expeditionsrad: Beim Reise- oder Expeditionsrad spielen Gewicht und technische Finessen eine untergeordnete Rolle: "Komfort, Stabilität und Wartungsarmut sind entscheidend, wenn man mit dem Velo um die Welt möchte", sagt Fehlau. Bei einem guten Expeditionsrad ist der Hinterbau, also der Abstand zwischen Tretlager und Hinterachse, besonders lang, damit genug Fersenfreiheit zu den Packtaschen gewonnen wird.

Liegerad: Der Exot für Langstreckenfahrer - denn Liegeräder sind windschnittig und haben statt eines konventionellen Fahrradsattels einen komfortablen Sitz mit Rückenlehne. Die Handhabung ist aber gewöhnungsbedürftig und sollte geübt werden, bevor es auf die Straße geht. Es gibt Varianten mit zwei und drei Rädern und unterschiedlichen Lenksystemen. Außerdem unterscheidet man zwischen Kurz- und Langliegern, bei denen das Tretlager vor beziehungsweise hinter dem Vorderrad montiert ist. Einsteigermodelle kosten wegen der geringen Stückzahlen und vieler Spezialbauteile um 1500 Euro.

Transportrad: Diese Spezialräder sind quasi eine Alternative zum Auto. Vor allem Exemplare mit großen Transportboxen, die meist bis zu 100 Kilogramm aushalten, eignen sich für Großeinkäufe, oder um den Nachwuchs zum Kindergarten zu chauffieren. Sitzbänke für Passagiere sind bei einigen Modellen schon eingebaut. Die zwei- oder dreirädrigen Packesel haben oft eine gute Federung, sind aber sehr schwer - und deshalb für längere Touren keine gute Wahl.

Pedelec: Dabei handelt es sich streng genommen nicht um einen eigenen Fahrradtypen. Der Begriff schließt sämtliche Räder mit elektrischem Zusatzantrieb ein. Inzwischen seien fast alle Radtypen auch als Pedelec erhältlich - vom Cityrad bis hin zum Mountainbike, erläutert Fehlau. Gemeinsamer Nenner ist ein Batteriemotor, der sich beim Treten zuschaltet und den Fahrer bis Tempo 25 unterstützt. Pedelecs sind zulassungsfrei. Solide Einstiegsmodelle mit einem Citybike-Rahmen gibt es für 1500 Euro, die Akkus liefern zumeist Strom für 30 bis 50 Kilometer.

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Christoph Walter, dpa

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