Donnerstag, 23. Mai 2019

Anti-Aging "Zehn gesunde Jahre mehr"

Älter werden ist nichts für Waschlappen. Aber was ist die Alternative? Der Präventionsmediziner Christoph M. Bamberger erläutert im Gespräch mit manager-magazin.de, wie aktive Vorsorge aussieht. Seine These: Wer sich richtig verhält, kann zehn gesunde Jahre mehr herausholen.

mm.de: Älter werden wir alle. Was kann man dagegen tun?

Bamberger: Zunächst einmal: Nicht fatalistisch sein, sondern sich überhaupt dessen bewusst werden, dass man etwas tun kann. Mein Vier-Säulen-Modell beginnt mit einer aktiven Vorsorge, auf die die anderen drei Komponenten individuell zugeschnitten werden: nämlich Lebensstil, Einnahme von Medikamenten und Hormonen und den richtigen Umgang mit Stress.

Christoph M. Bamberger ist Professor für Endokrinologie und Spezialist für Stoffwechsel des Alterns am Universitätsklinikum Eppendorf. Er leitet das Medizinische Präventionscentrum Hamburg, das auf Check-ups spezialisiert ist, und hat zwei Bücher zu den Themen "Stress-Intelligenz" und "Besser leben - länger leben" geschrieben.
Als Erstes muss man wissen, wo die persönlichen Schwachstellen und die persönlichen Stärken liegen. Die kennt man nicht, wenn man nicht gründlich untersucht ist. Es achten zum Beispiel viele Leute auf ihre Cholesterinaufnahme, die überhaupt keine Veranlassung dazu haben müssten - und andere versäumen das, obwohl sie schon Gefäßveränderungen haben. Deshalb gehört eine gründliche Untersuchung an den Anfang einer jeglichen gezielten Anti-Aging-Präventionsmaßnahme.

Das Altern selbst kann man natürlich nicht abschaffen. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man sich zehn Jahre älter fühlt oder zehn Jahre jünger. Niemand erwartet, sich das ganze Leben lang wie 20 zu fühlen. Aber wenn Sie sich zehn Jahre jünger fühlen, als Sie eigentlich sind, dann sind Sie zufrieden. Und wenn Sie dann noch Komplimente aus der Umgebung bekommen, dass Sie auch so aussehen, dann erst recht.

mm.de: Aber wie gesund man altert, hängt doch nicht allein vom Lebensstil ab. Welche Rolle spielen die Gene?

Bamberger: Noch vor zehn Jahren hätte man gesagt: Gene und Lebensstil zählen je 50 Prozent. Heute tendiert man eher dazu, zu sagen, dass das Verhältnis 30 zu 70 ist. Dabei spielt aber auch das Alter eine Rolle. 80 Jahre kann fast jeder werden. Danach braucht man allerdings gute Gene. Nehmen Sie die Französin Jeanne Calment, die 122 Jahre alt geworden ist - der bisher älteste Mensch. Die hat bis zu ihrem 119. Lebensjahr geraucht. Aber sie hatte auch sechs Richtige im Gen-Lotto - und hätte sich wahrscheinlich noch ganz andere Sachen leisten können.

mm.de: Und was verkürzt die Lebenserwartung am meisten?

Bamberger: Das Entscheidende ist Bewegungsmangel. In Amerika hat die Fettsucht das Rauchen bereits als größten Risikofaktor abgelöst. Wer zu viel Bauchfett ansetzt, hat damit eine Chemiefabrik im Körper, die beständig Giftstoffe produziert. Das Thema Rauchen braucht man wohl nicht mehr zu diskutieren - aber es wird immer noch geraucht, auch wenn die Zahl der Raucher abnimmt.

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