Montag, 23. September 2019

Anti-Aging "Zehn gesunde Jahre mehr"

4. Teil: "Gesundheit wird zum Statussymbol"

mm.de: Entspricht der von Ihnen angesprochene Paradigmenwechsel in der Medizin einem gesellschaftlichen? Ändert sich das Körperbewusstsein?

Bamberger: In den vergangenen Jahren haben wir eine Entwicklung hin zu mehr körperlicher Attraktivität erlebt. Die Ausgaben für Kosmetik etwa sind stark gestiegen. Jetzt werden wir eine Richtung zu den körperlichen inneren Werten erleben. Gesundheit im Alter wird zum Statussymbol werden. Davon bin ich fest überzeugt. Der fitte Alte, der sich gesundheitsbewusst verhält, wird sich mehr darauf einbilden als auf sein großes Auto.

Auch der gesellschaftliche Druck wird zunehmen. Die wachsende Zahl der Alten wird als ein Vektor gesehen, der Druck ausübt auf die Gesellschaft. Aber ein Druck, den diese alternde Gruppe sich selbst auferlegt, wird der sein, gesund zu sein. Die kranken Alten werden weniger Einfluss auf die Gesellschaft haben als die gesunden.

mm.de: Gibt es eine moralische Pflicht, gesund zu bleiben?

Bamberger: Es ist auch in Ordnung, alles zu vernachlässigen und zu sagen, man akzeptiert, früher krank zu werden und früher zu sterben. Aber diese Akzeptanz ist doch meist eine Pseudo-Akzeptanz. Ich habe in meiner Zeit in der Akutmedizin erlebt, dass es nur einem Bruchteil der Menschen gelingt, dazu zu stehen und nicht zu sagen: Hätte ich das gewusst, hätte ich es nicht gemacht. Wer mit Lungenkrebs auf der Intensivstation liegt, würde meist nicht sagen: Ich würde alles noch einmal genauso machen.

mm.de: Haben Sie eigentlich Angst vor dem Alter?

Bamberger: Nein. Der Alterungsprozess ist ja langsam genug, dass man sich darauf einstellen kann. Und es gibt das Phänomen der Relativität. Wenn man sich jünger fühlt, als man ist, ist das viel mehr wert als irgendeine absolute Zahl. Das Altern wäre nur dann ein riesengroßes Problem, wenn alle außer einem selbst 30 bleiben würden. Wenn aber alle altern und man das als natürlich angenommen hat, dann ist das schon sehr viel, wenn man langsamer altert. Ich bin auch als Mediziner nicht angetreten mit der Idee von der Abschaffung des Alterns. Das ist nicht mein Thema. Medizin greift natürlich immer in die Natur ein, aber das Ausmaß ist eine Sache der persönlichen Präferenz.


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