Donnerstag, 19. September 2019

Anti-Aging "Zehn gesunde Jahre mehr"

3. Teil: "Bei 120 Jahren ist definitiv Schluss"

mm.de: Und wo liegt die Grenze der Lebenserwartung nach oben?

Bamberger: Bei 120 ist definitiv Schluss. Dann ist die Uhr unserer Zellen abgelaufen. Ab dem 30. Lebensjahr lässt uns die körpereigene Selbstreparatur allmählich im Stich, und wir müssen mit Anti-Aging-Maßnahmen gegensteuern. Wir leben ja noch immer mit den Genen der Steinzeitmenschen, auch wenn sich unsere heutige Lebensweise drastisch geändert hat - und damit sind wir genetisch auf 30 Lebensjahre programmiert.

 Dem Alter davonlaufen: Bewegungsmangel ist der größte gesundheitliche Risikofaktor
DPA
Dem Alter davonlaufen:
Bewegungsmangel ist der größte gesundheitliche Risikofaktor
Die Lebenserwartung wird man allerdings irgendwann genetisch beeinflussen können. Man könnte dann Menschen herstellen, die dann auch eine längere Lebenserwartung haben. Die fragwürdige moralische Dimension sei an dieser Stelle nicht diskutiert.

mm.de: Wo setzt die Vorsorge für ein gesundes Altern an?

Bamberger: Die klassische Reparaturmedizin, die erst eingreift, wenn schon Beschwerden da sind, ist teuer, aufwendig und oft beeinträchtigend. Natürlich muss es sie weiterhin geben, weil es weiterhin Krankheiten geben wird. Aber immer wichtiger wird die Präventionsmedizin, die dem gesunden Menschen hilft, gesund zu bleiben, indem sie individuelle Lebenskonzepte ausarbeitet und Risiken minimiert. Die Leute, die zu uns kommen, sind meist zwischen 40 und 70 Jahren. Von denen sind 10 Prozent ohne Befund, bei weiteren 10 Prozent finden wir etwas, und 80 Prozent haben ein Risikoprofil. Da setzen wir an.

Damit ist natürlich auch mehr Eigenverantwortung gefragt. Selbst die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen, die die Krankenkassen anbieten, nehmen nur 18 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen wahr. Da muss sich auch im Denken etwas ändern. Viele Männer bringen eher ihr Auto zum Jahrescheck, als sich um ihre eigene Gesundheit zu kümmern.

mm.de: Was ist das optimale Alter für den ersten gründlichen Check?

Bamberger: Ganz ideal wäre es, den ersten Check einmal mit 30 zu machen, um die gesunde Ausgangssituation zu kennen. Testosteronmangel beim Mann ist zum Beispiel nicht durch einen einfachen Wert zu bestimmen: Wenn er in der Jugend 8 hatte und jetzt 3 hat, dann ist der Spiegel deutlich gesunken, und eine Hormongabe kann hier sinnvoll sein. Wenn ein Mann aber in der Jugend mit 4 auch gut gefahren ist und jetzt 3,5 oder 3 hat, dann ist das für ihn kein Mangel. Ab 40 sollte man dann mit regelmäßiger Vorsorge beginnen und sich alle zwei bis fünf Jahre gründlich untersuchen lassen.

mm.de: Welche eigenen Werte sollte man kennen?

Bamberger: Man sollte einmal im Jahr die wichtigsten Blutwerte bestimmen, als da wären Cholesterin, aufgeteilt in Gut und Böse, also LDL und HDL. Man sollte auf jeden Fall seinen nüchternen Blutzucker kennen, um das Diabetesrisiko bestimmen zu können. Wegen des Prostatakrebsrisikos sollte ein Mann seinen PSA-Wert kennen. Außerdem den Schilddrüsenwert, denn Deutschland ist Jodmangelgebiet. Sinnvoll ist auch die Bestimmung einiger kardiovaskulärer Risikofaktoren, die man auch beeinflussen kann: Das Homocystein und das hochsensitive CRP. Das ist eine moderne Batterie von gar nicht so vielen Parametern, die aber erheblich etwas über die Risiken aussagen.

Außerdem sollte man seinen Blutdruck kennen und wissen, wie die Blutgefäße aussehen, also eine Doppleruntersuchung der Halsgefäße machen - 30 Prozent der Leute, die zu uns kommen, haben Gefäßveränderungen. Man sollte wissen, wie die Schilddrüse und die Bauchorgane im Ultraschall aussehen. Und man sollte durch ein Belastungs-EKG herausfinden, wie es um die Leistungsfähigkeit des Herzens bestellt ist. Ganz wichtig: Einmal im Jahr muss man einen gründlichen dermatologischen Check machen. Hautkrebs ist im Vormarsch.

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