Mittwoch, 18. September 2019

Anti-Aging "Zehn gesunde Jahre mehr"

2. Teil: "Trainingseffekt nach einem Monat"

mm.de: Wie viel muss man sich denn mindestens bewegen?

Bamberger: Gar nicht so viel - der Schritt von keiner Bewegung zum Minimalprogramm von drei Mal 30 Minuten leichtem Ausdauertraining pro Woche ist ein gewaltiger, was die Vorsorgekraft angeht.

mm.de: Und ab wann stellt sich bei einem zuvor untrainierten Menschen ein messbarer Effekt ein?

Bamberger: Bereits nach einem Monat. Das muss im Übrigen nicht über das Gewicht passieren. Auch Leute, die kein Gramm verlieren, reduzieren ihr Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen drastisch: durch die Verbesserung von Zucker- und Fettstoffwechsel, allein durch Bewegung. Und wenn man diese Verhaltensweise sechs Monate lang durchhält, dann bleibt man auch dabei. Wir haben beobachtet, dass die Abspringquote nach einem halben Jahr sehr gering wird.

mm.de: Haben Manager und Führungskräfte ein besonderes Risikoprofil?

Bamberger: Ja. Da geht es um den Umgang mit Stress. Es gibt Untersuchungen über den Lebensstil von Hundertjährigen. Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie zeitlebens von ihrer Umwelt als entspannte, nicht karriereorientierte Menschen wahrgenommen werden. Das sind Underachiever. Aber die Frage ist natürlich: Wie kann ich Achiever sein und trotzdem gesund älter werden? Denn natürlich kann man auch in einem stressigen Beruf Stressmanagement betreiben. Aber es ist eine aktive Aufgabe, zu sagen: Ich will meine Fähigkeit, mit Stress umzugehen, verbessern, ich will eine Entspannungstechnik lernen und wirklich in meinen Alltag integrieren. Stress, Bewegungsmangel und Rauchen spielen in einer Liga, was die krankheitsverursachende Wirkung angeht.

mm.de: Ihre These ist: "Zehn gesunde Jahre mehr sind machbar". Wie kommen Sie auf diese Zahl?

Bamberger: Das ist ein Mittelwert. Es gibt Leute, die können mit Lebensstil-Maßnahmen auch 20 Jahre rausholen, andere schaffen es vielleicht nur auf sieben - aber dabei spielen dann auch wieder die Gene eine Rolle. Wir haben geguckt: Was ist die Lebenserwartung von Leuten, die sich gesundheitsbewusst verhalten, im Unterschied zu denen, die das nicht tun? Das sind im Schnitt zehn Jahre.

Leute, die überhaupt nicht auf die Gesundheit achten, werden im Durchschnitt 70, die anderen im Durchschnitt 80. Insofern sind diese zehn Jahre ganz gut belegt. Was mir aber wichtig ist: Es geht um zehn gesunde Jahre. Es geht nicht darum, einfach nur zehn Jahre hintendran zu hängen, in denen man womöglich schon pflegebedürftig ist.

mm.de: Wo ist denn die Grenze für die guten Jahre?

Bamberger: Da gibt es keine Grenze. Ein 70-Jähriger, der sich total hat gehen lassen und jetzt ein bisschen in die Gänge kommen will, wird seine Kondition immer noch verbessern können. Er wird seine Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge und seine Muskelmasse steigern können. Das heißt, von dem Punkt, wo man ist, kann man immer noch eine leichte Aufwärtsentwicklung verzeichnen, wenn man bis dahin nichts gemacht hat. Wenn man natürlich schon immer aktiv war, dann geht die Kurve ab 40 langsam nach unten - aber sie verläuft auf einem wesentlich höheren Niveau als bei denen, die nichts tun.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung