Computertomographie 3D-Reise in den Körper

Diese Bilder wecken Ehrfurcht vor der Schönheit des menschlichen Organismus: Die Computertomographen der neuesten Generation liefern 3D-Ansichten von brillanter Schärfe und unglaublicher Detailliertheit - und brauchen nur noch eine Minute für einen kompletten Körperscan.

Hamburg - Was haben die Beatles mit der Erfindung des Computertomografen zu tun? Mehr als man spontan denkt. Denn als die Musiker einen Hit nach dem anderen landeten, füllten sich die Kassen ihrer Plattenfirma EMI bis zum Bersten - in den fünfziger Jahren betätigte sich EMI auch in der Forschung und beschäftigte Godfrey Newbold Hounsfield, einen der hellsten Köpfe seiner Zeit. 1958 hatte er den EMIDEC 1100 entwickelt, den ersten britischen Computer, der nur noch auf Transistoren statt auf Röhren basierte. Dank der Erfolge der Beatles war in den Jahren danach Geld für neue Erfindungen frei.

So konnte Hounsfield seine Idee eines neuartigen Röntgengeräts verwirklichen: Nicht nur aus einem Winkel, sondern aus allen möglichen Richtungen wollte er die Strahlen durch den menschlichen Körper jagen und so ein dreidimensionales Bild erzeugen, das am Computer aus virtuellen Scheiben zusammengesetzt wird.

Die Idee funktionierte. Die medizinische Premiere des Computertomografen fand 1971 in einem Londoner Krankenhaus statt. 1979 erhielt Hounsfield gemeinsam mit seinem US-Kollegen Allan Cormack den Nobelpreis.

Die CT-Technik wird seitdem immer weiter verfeinert - jetzt hat Philips einen neuen Hightech-Scanner vorgestellt, der neue Maßstäbe setzen soll. Seine Röntgenröhre rotiert bis zu viermal pro Sekunde um den Patienten herum, laut Philips 22 Prozent schneller als bei bisherigen Systemen.

Das erlaube nicht nur extrem hochauflösende Bilder, sondern reduziere auch die Strahlendosis, die der Patient abbekomme. "Dieser Scanner kann das gesamte Herz innerhalb von nur zwei Schlägen abbilden", sagt Steve Rusckowski, Geschäftsführer von Philips Medical Systems.

Im Innern der Mumie

Philips ist freilich nicht die einzige Firma, die solche Computertomografen herstellt und spektakuläre Bilder erzielt. So haben im August 2005 Spezialisten der Stanford University und der kalifornischen Firma Silicon Graphics eine ägyptische Kindermumie mit einem hoch auflösenden CT durchleuchtet - und faszinierende Einblicke erhalten. Sogar Haarlocken und Gesichtszüge des seit rund 2000 Jahren toten Mädchens wurden erkennbar.

Altertumsforscher reagierten euphorisch: Die Bilder bewiesen, dass man wertvolle Mumien nicht mehr unbedingt öffnen muss, um ihr Inneres zu untersuchen. Auch die Mumie des Pharaos Tutanchamun wurde 2005 mit Hilfe eines Computertomografen durchleuchtet. Experten haben dadurch nicht nur Erkenntnisse über den Tod des jungen Herrschers gewonnen, sondern auch sein Gesicht rekonstruiert.

mbe

CT-Bilder: Faszinierende Körperwelten

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