Fitness "Auf die Signale des Körpers hören"

Wer viel am Schreibtisch arbeitet, kennt die häufigsten Folgen von ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Rückenschmerzen. manager-magazin.de sprach mit der Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth darüber, was Schreibtischtäter tun können, um sich im Alltag fit zu halten.
Von Petra Blum

mm.de: Frau Nasse-Meyfarth, zählen Sie täglich die Kalorien, die Sie zu sich nehmen?

Nasse-Meyfarth: Nein. Natürlich kann man aus dem Kalorienzählen einen Sport machen, aber darauf kommt es nicht an. Im Alltag ist es ohnehin fast unmöglich, das konsequent durchzuhalten. Wer auf die Figur achten möchte, sollte vor allem am Abend nicht zu viel essen. Auf den Stoffwechsel abends kommt es an.

mm.de: Gerade wer beruflich viel Zeit am Schreibtisch verbringt wird schnell "unfit". Die Folgen sind Unwohlsein, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch Rückenbeschwerden. Was machen wir im Alltag falsch?

Nasse-Meyfarth: Vielen Menschen geht das Gefühl für Bewegung verloren. Das betrifft alt wie jung. Dabei ist es vorrangig eine Frage der Einstellung, denn viele Menschen könnten mit etwas Training eine Menge für ihre Gesundheit tun. Bei Rückenbeschwerden beispielsweise ist es oft nur ein wenig Bewegung, die den Patienten fehlt.

mm.de: Sie sagten, das mangelnde Gefühl für Bewegung betrifft junge und ältere Menschen gleichermaßen …

Nasse-Meyfarth: Auch Kinder leiden häufig schon unter Bewegungsmangel. Am besten ist es, wenn Kinder von klein auf mitbekommen, dass Bewegung wichtig ist – das muss ja nicht gleich in Leistungssport ausarten. Und selbstverständlich sind auch Senioren trainierfähig, wenn sie regelmäßig Sport treiben. Durch etwas Training könnten viele Menschen im Alter länger fit und damit unabhängiger bleiben.

mm.de: Wie kann man nach einem langen Arbeitstag am besten die eigene Trägheit besiegen und sich für Sport begeistern?

Nasse-Meyfarth: Man sollte ein bis zwei Termine in der Woche festlegen, an denen man sich die Zeit für sportliche Aktivitäten auch nimmt.

Es ist besonders die Regelmäßigkeit, die dabei hilft, den "inneren Schweinehund" zu überwinden. Auch wichtig ist, dass man in Gesellschaft trainiert, man zieht sich dadurch gegenseitig mit. Ich würde nicht dazu raten, zu Hause vor dem Fernseher mit einem Video Gymnastikübungen zu machen, das hält man für gewöhnlich nicht lange durch.

mm.de: Welche Sportarten würden Sie gerade für "Schreibtischtäter" empfehlen?

Nasse-Meyfarth: Wer beruflich viel sitzt, kann seine Fitness mit Ausdauersportarten gut verbessern. Mit "Walken" beispielsweise macht man nichts falsch. Schwimmen und Radfahren sind auch geeignet, oder Skilanglauf im Winterurlaub. Wer Gymnastik machen möchte, sollte auf professionelle Anleitung nicht verzichten. Abraten würde ich von Sportarten, die mit Schnelligkeit zu tun haben, dabei holt man sich leicht eine Zerrung - vor allem, wenn man ungeübt ist.

mm.de: Wie steht es mit Fitnessstudios, bringt diese Art von Muskeltraining etwas für die Fitness im Alltag?

Nasse-Meyfarth: Gegen Muskeltraining im Fitnessstudio ist prinzipiell nichts einzuwenden. Es ist ja nicht so, dass das Training die Muskulatur rasant über die Maßen aufpumpt, sondern man erhöht einfach die Muskelspannung. Aber auch hier ist professionelle Anleitung nötig.

"Vereinzelte Sünden sind in Ordnung"

mm.de: Wer viel trainiert, bekommt oft den Effekt zu spüren, dass der Körper mit zunehmendem Sport auch nach mehr Kalorien verlangt – was sollte man essen und was sollte man besser vermeiden?

Nasse-Meyfarth: Gefährlich ist vor allem zu viel Zucker. Viele denken ja, Fett sei das gefährlichste, aber Zucker ist mindestens genauso schlecht für die Fitness. Besonders bei "billigem Zucker", also beispielsweise Bonbons oder süßen Getränken, schüttet der Körper zu viel Insulin aus, um den Zucker abzubauen. Das Ergebnis ist, dass der Blutzuckerspiegel sehr schnell wieder sinkt und man verfrüht wieder ein Hungergefühl entwickelt, oder die Konzentration nachlässt.

Man sollte darauf achten, stets hochwertige Kohlehydrate zu sich zu nehmen, also beispielsweise Müsli, Vollkorn, Getreide oder Kartoffeln. Das sind Kohlehydrate, die den Blutzuckerspiegel ausgleichen. Bei ausgewogener Ernährung hält der Sättigungsgrad länger an, und der Blutzuckerspiegel bleibt stabil. Das ist auch gut für die Leistungsfähigkeit.

mm.de: Ist es ratsam, auf Fleisch zu verzichten, wenn man seine Kondition steigern möchte?

Nasse-Meyfarth: Nein, das ist nicht notwendig. Es kommt viel mehr darauf an, dass man regelmäßig isst und auch auf die Signale des Körpers - also das Hungergefühl - hört. Bei Fleisch sollte man allerdings schon ein wenig aufpassen, denn es kann versteckte Fette enthalten. Am besten eignet sich helles Fleisch, also Geflügel, Fisch, magere Sorten eben.

mm.de: Angenommen, man hat den ganzen Vormittag über am Schreibtisch gesessen, die Mittagspause rückt näher und die beliebte Currywurst steht auf dem Speiseplan …

Nasse-Meyfarth: ... in dem Fall ist es schwer, dem Fett auszuweichen, und dem Zucker - denn der wird ja im Körper auch in Fett umgewandelt. Wer dann alternativ zu Brötchen und Salat greift, wird oft nicht satt.

Für die Fitness ist allerdings nicht die einzelne Currywurst entscheidend, sondern ob die Ernährung insgesamt ausgewogen ist. Auch ich gönne mir mal eine kleine Sünde. Man sollte diese aber mit gesunden Ernährungsgewohnheiten wieder ausgleichen können. Was oft vergessen wird: Mit gesunden Getränken kann man viele Kalorien einsparen.

mm.de: Welche Getränke sind die richtigen?

Nasse-Meyfarth: Am besten sind Wasser und Saft. Und hier auch nicht diese konstruierten Säfte, die man aus der Werbung kennt, die sollte man meiden. Auch mit Koffein versetzte Powerdrinks würde ich nicht trinken, die suggerieren, dass sie für die Fitness gut sind - aber das Gegenteil ist wahr.

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