Akupunktur Nadel mit Wirkung

Der Kopf schmerzt, das Knie und der Rücken auch. Wirken die gängigen Medikamente nicht, dann hilft vielleicht Akupunktur. Was ist dran an dem "Wundermittel" der chinesischen Medizin?

Hamburg/Siegburg - Das Knie schmerzt - und auch im Rücken wird jede noch so kleine Bewegung zur Tortur. Wenn in solchen Fällen Medikamente oder andere Behandlungen nicht anschlagen, kann Akupunktur die ersehnte Linderung bringen. Auch bei Allergien, Regelschmerzen und sogar mittelschweren Depressionen sollen die Stiche mit den feinen Nadeln helfen. Längst nicht jede Behandlung allerdings wird von den Krankenkassen übernommen.

"Akupunktur kann in vielen Bereichen angewandt werden", erklärt Helmut Rüdinger, Vizevorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGFA) in Hamburg. "Sie hilft vor allem bei chronischen und akuten Schmerzen wie Migräne oder Arthrose, aber auch gegen Stress und Asthma." Das hat sich herumgesprochen: Hunderttausende Menschen in Deutschland haben bereits Erfahrungen mit Akupunktur und damit schon mehrere der durchschnittlich 30-minütigen Sitzungen hinter sich.

Einer von ihnen ist Timo aus Berlin. Während des Studiums hatte er ständig starke und stechende Kopfschmerzen, besonders, als er seine Abschlussarbeit am Computer schrieb. "Zuerst habe ich Krankengymnastik verschieben bekommen, dann Massagen", erinnert sich der heute 30-Jährige. Doch das brachte alles nichts. "Erst die Akupunktur hat geholfen." Nach nur acht Sitzungen war er komplett schmerzfrei - und ist es vier Jahre später noch immer.

Kritiker zweifeln dennoch an der Wirksamkeit der Nadeln. So nahm der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in Siegburg 2006 zwar die Akupunkturbehandlung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen auf, allerdings nur gegen chronische Knie- und Rückenschmerzen. Bei anderen Erkrankungen sei der Behandlungserfolg unklar und müsse folglich selbst bezahlt werden, so der G-BA.

So ergab die groß angelegte Gerac-Studie, dass beispielsweise bei der Therapie von Kopf- und Migräneschmerzen mit Akupunktur beziehungsweise mit Medikamenten keine Unterschiede feststellbar seien. Möglicherweise waren dabei psychische Faktoren im Spiel, die das Befinden der Patienten lediglich subjektiv verbesserten. So sei "eine Scheinakupunktur fast genauso wirksam wie eine klassische chinesische Akupunktur", urteilten die Sachverständigen in der Studie.

Die richtigen Ströme treffen

"Das Problem ist, dass Akupunktur noch nicht wirklich erforscht ist", sagt DÄGFA-Vizevorsitzender Rüdinger. "Sie wird zwar schon seit rund 2000 Jahren angewandt, aber erst seit etwa 15 Jahren wissenschaftlich untersucht." In der traditionellen chinesischen Medizin ist die Akupunktur dagegen fest verankert, immerhin wurde sie auch hier entwickelt.

Die Idee ist, Strömungen im Körper durch das Einstechen von Nadeln zu beeinflussen und im wahrsten Sinne wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Dabei wird allerdings nicht wahllos in den Körper gepiekst. Vielmehr gibt es in der asiatischen Tradition mehr als 360 Akupunkturpunkte, die auf bestimmten Linien, den so genannten Meridianen, angeordnet sind. Diese Punkte lassen sich spiegelverkehrt auf beiden Körperseiten finden und sind jeweils einer bestimmten Stelle im Inneren des Körpers zugeordnet.

Westliche Akupunkteure vermuten allerdings noch eine physiologisch begründete Wirkweise: "Beim Einstechen trifft die Nadel kleine Nerven, die Impulse zum Rückenmark und zum Gehirn senden", erklärt Akupunkteur Rüdinger. Das Hirn gibt daraufhin das Signal zur Endorphin-Ausschüttung, was beim Patienten wiederum ein Gefühl von Glück und Entspannung auslöst. Außerdem soll Akupunktur die Muskeln entspannen, die Durchblutung fördern sowie Entzündungen hemmen. Bei einigen Betroffenen beispielsweise klangen Schnupfen und Nebenhöhlenentzündungen schon kurze Zeit nach den ersten Stichen ab.

Ein anderes, weniger bekanntes Element der Akupunktur ist die Moxibustion. Dabei wird auf den Nadeln Beifuß verbrannt, so dass sich die Akupunktur-Punkte erhitzen. Diese Wärme wird in den Körper transportiert und soll gegen Erkältungen helfen. Aber auch Menschen, die häufig frieren, berichten von positiven Wirkungen.

"Akupunktur wirkt jedoch bei verschiedenen Menschen unterschiedlich", warnt Rüdinger. Während die Nadeln beim einen die Symptome komplett verschwinden lassen, bringen sie beim anderen möglicherweise nichts. "Das kann manchmal auch an Störfeldern im Körper liegen, die wie Narben oder Entzündungen die Wirkung hemmen." Ansonsten hat die Therapie mit den Nadeln nur wenig Nebenwirkungen. Abhängig vom eigenen Schmerzempfinden und der Dicke der Nadeln können die Stiche schmerzen oder zumindest unangenehm zwicken. Außerdem kann es an der Einstichstelle in seltenen Fällen kleine Blutergüsse geben. Studien haben allerdings ergeben, dass es bei der Akupunktur keine einzige lebensbedrohliche Nebenwirkung gibt.

Für Patienten stellt sich dennoch häufig die Frage, wie sie den richtigen Akupunkteur finden. Schließlich gibt es in Deutschland zahlreiche Mediziner und Heilpraktiker, die die Therapie mit Nadeln anbieten, dabei aber unterschiedliche Ausbildungen haben. "Wichtig ist vor allem, wie viel Erfahrung der Therapeut schon damit hat", sagt Mediziner Rüdinger. Ein gutes Indiz dafür ist die Zusatzbezeichnung Akupunkteur. Dafür muss man immerhin mindestens 200 Stunden anerkannte Weiterbildung nachweisen.

Aliki Nassoufis, dpa

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