Rasieren Lieber nass oder trocken?

Es ist ein tägliches Ritual: Jeden Morgen gehen Millionen von Männern gegen die Bartstoppeln im Gesicht vor. Die einen bevorzugen einen Nass-, die anderen einen Elektrorasierer. Was ist besser für Haut und Haare?

Frankfurt am Main/Jena - Die meisten Männer rasieren sich jeden Tag, manche sogar zweimal - durchschnittlich rund zehn Minuten. Und obwohl Männer im Laufe ihres Lebens insgesamt etwa 140 Tage mit der Bartbeseitigung beschäftigt sind, haben sie die Frage aller Fragen noch nicht abschließend beantworten können: Was ist besser, nass oder trocken?

Ein Gerücht kann an dieser Stelle ausgeräumt werden: "Die Rasur beeinflusst das Wachstum der Barthaare nicht", sagt Prof. Peter Elsner von der Universität Jena, Sprecher der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Barthaare, die einen Durchmesser von 0,09 bis 0,23 Millimeter haben und damit etwa doppelt so dick wie Kopfhaare sind, wachsen zwischen 2 und 3,5 Millimeter pro Tag.

Pro Quadratzentimeter werden auf Kinn und Wangen etwa 45 Barthaare gezählt. Und weil dieses Stoppelfeld manchmal beim Küssen stört, müssen die Haare dran glauben. Bloß wie: elektrisch oder aus eigener Kraft? Das ist die Glaubensfrage, die seit der Erfindung des elektrischen Trockenrasierers in den dreißiger Jahren die Männerwelt teilt.

Für die Haut ist eine Rasur generell eine Belastung: Detergenzien wie Rasiercremes beeinträchtigen den fettigen Säureschutzmantel und trocknen das größte Organ des Menschen aus. Hinzu kommen Mikro-Verletzungen durch Klingen und Scherköpfe.

Nach Angaben des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel (IKW) mit Sitz in Frankfurt leiden viele Männer nach einer Rasur unter typischen Problemen: Neun von zehn Männern berichten von rasurbedingten Hautreizungen. Zwei Drittel haben eine gereizte, fast die Hälfte eine zu trockene Haut, 39 Prozent beklagen leichte Verletzungen, 17 Prozent kämpfen nach der Rasur mit vereinzelten Pickeln.

Aus medizinischer Sicht könne keine Methode bevorzugt werden, sagt Dermatologe Peter Elsner. "Männer mit trockener oder dünner, empfindlicher Haut vertragen wahrscheinlich eine elektrische Rasur besser. Bei der Trockenrasur ist die mechanische Belastung tendenziell geringer. Je nach Gerät kann es aber auch dabei zu einer Reizung der Hautoberfläche kommen."

Was ist anders beim Nassrasieren?

Beide Methoden unterscheiden sich in der Art und Weise, wie die Haare auf die Rasur vorbereitet und dann gekürzt werden: Prinzip Messer gegen das Prinzip Schere. Bei der Nassrasur wird das Haar mit Rasiermesser oder -klinge gekappt, bei der elektrischen Variante wird es von zwei Seiten in die Zange genommen und - je nach Hersteller - von Scherleisten, Scherfolien oder rotierenden Klingen durchgeschnitten.

Bei der Trockenrasur ist wichtig, dass die einzelnen Barthaare möglichst weit und gerade aus der Hautoberfläche herausragen. Gleichzeitig müssen sie steif und trocken sein. So genannte PreShaves - alkoholische Lösungen, die entwässernd und versteifend wirken - bereiten Haut und Bart auf die Elektrorasur vor; der bremsende Feuchtigkeitsfilm wird entfernt und die Haut geglättet.

Bei der Nassrasur muss die Talgschicht auf dem Barthaar vor dem Rasieren entfernt werden, damit Wasser in das Haar eindringen und es aufweichen kann. Wenn das Barthaar aufgequollen ist, sind glatte Schnitte möglich. Das unangenehme Ziehen am Haarschaft wird so vermieden. Der Rasierschaum sorgt dafür, dass die Klinge über die Haut gleiten kann.

Diesen fundamentalen Unterschieden sind die folgenden Ratschläge des Branchenverbandes IKW geschuldet, die sich mitunter merkwürdig anhören. Etwa der: Vor der Trockenrasur nicht duschen! Der Wasserdampf könnte Haut und Bart sonst so sehr aufweichen, dass der Elektrorasierer das Barthaar nicht mehr richtig fassen kann.

Vor allem die Mitglieder der Trockenfraktion sollten ihren Stoppeln mit nüchternem Magen zu Leibe rücken. Während der Verdauung nimmt die Herzfrequenz und damit die Durchblutung der Haut zu. Das steigert laut IKW die Verletzungsgefahr. Wenn möglich, sollte man sich morgens rasieren, denn später am Tag soll die Haut besonders empfindlich und nicht mehr so elastisch sein. Und: Immer in Wuchsrichtung rasieren - erst die Wangen, dann über der Oberlippe und zum Schluss das Kinn. Das Gesicht dann mit eiskaltem Wasser abspülen: Die Gefäße ziehen sich so schneller zusammen; es blutet nicht so leicht.

Gesundheitsgefahren gehen nach Ansicht von Privatdozent Gerald Messer von der Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München beim Rasieren vor allem von ungenügend desinfizierten Rasierapparaten aus: Werden damit die Haarausführungsgänge angeschnitten, können Bakterien verschleppt werden, die Entzündungen verursachen. Mediziner sprechen dann von Rasurfollikulitis.

Allergische Reaktionen gegen die in den Pflegeprodukten verwendeten Stoffe gehören nach Angaben von Gerald Messer ebenfalls zu den Gesundheitsbeeinträchtigungen durch das Rasieren. Bei einer dauerhaften Rötung nach der Rasur sollte ein Hautarzt aufgesucht werden. Rötungen, die innerhalb von einer Stunde abklingen, werden allgemein als unproblematisch angesehen. Ist die Haut nach der Rasur häufig gerötet, sind After-Shaves auf alkoholischer Basis zu meiden.

Eingewachsene Barthaare - und auch Nackenhaare - führen ebenfalls zu Entzündungen. "Vor allem Männer mit gekräuselten Haaren sind davon betroffen", erklärt Gerald Messer. Werden solche Haare länger, wachsen sie im Bogen wieder in die Haut hinein. Besonders wahrscheinlich sei dies bei Männern, die sich nass rasieren. Bei der Trockenrasur werden die Haare stumpf abgeschnitten, bei der Nassrasur dagegen schräg - sie werden dadurch angespitzt.

Arnd Petry, dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.