Wintermüdigkeit Aufmunternde Lichtdusche

Nur langsam werden die Tage wieder etwas länger. Die Mehrheit der Berufstätigen geht morgens noch immer im Dunkeln aus dem Haus und kommt abends im Dunkeln wieder. Kein Wunder, dass die andauernde Finsternis auf das Gemüt schlägt. Dagegen hilft - nahe liegend, aber wirkungsvoll - eine Lichttherapie.

Regensburg - Im Winter macht sich bei vielen Müdigkeit, Antriebsschwäche und Trübsinn breit. Nicht selten geht der vermehrte Schlafbedarf mit gesteigertem Appetit auf kohlehydrathaltige Speisen einher.

Schlägt der Winterblues in eine den Tagesablauf störende Winterdepression um, kann ärztliche Hilfe nötig sein. "Bei der Winterdepression ist eine Lichttherapie die Behandlung der ersten Wahl", urteilt Jürgen Zulley, Professor am Schlafmedizinischen Zentrum an der Psychiatrischen Klinik der Universität Regensburg.

Aber selbst Gesunde können sich die positiven Effekte der Therapie zu Nutze machen. "Auch bei ihnen wirkt sie aktivierend und stimmungserhellend", sagt der Fachmann.

Der Stimmungskiller, der hinter der winterlichen Antriebsschwäche steckt, heißt Melatonin. Das Nachthormon wird bei Dunkelheit im Gehirn freigesetzt. Es macht müde und kann die Stimmung trüben. "Licht sorgt dafür, dass das Hormon nicht ausgeschüttet wird", erklärt Zulley. Genau diesen Effekt nutzt die Lichttherapie.

Therapieerfolg nach sieben Tagen

Bei der Behandlung wird das geöffnete Auge einer Lichtstärke von mindestens 2500 Lux ausgesetzt. Zum Vergleich: In einem normal beleuchteten Raum werden bis zu 500 Lux gemessen. Tageslicht liegt deutlich über diesen Werten, an einem Sommertag ist die Lichtstärke im Schatten durchaus bei 10.000 Lux.

Erste Therapierfolge stellen sich Zulley zufolge bereits nach sieben Tagen ein. Während der Behandlung blickt der Patient möglichst allmorgendlich - abends würde die Therapie Einschlafstörungen provozieren, da sie aufmunternd wirkt - 20 bis 30 Minuten in eine 10.000 Lux starke Speziallampe.

Übernahme der Kosten durch Krankenkasse möglich

Nebenwirkungen sind nach Angaben Zulleys "sehr selten". Bei Augenerkrankungen ist die Lichttherapie nicht ratsam. Wer sich bei seinem Arzt einer Lichttherapie unterziehen will, sollte bei der Krankenkasse nachhaken. Zuweilen übernimmt sie die Kosten.

Beim Kauf einer Lichtdusche auf eigene Rechnung kann sich ein Gespräch mit dem Händler lohnen. "Manche stellen die Lampen zum Ausprobieren gegen eine Leihgebühr zur Verfügung", sagt Zulley. Wichtig bei der Geräteauswahl: Die Lampen müssen hell genug und ohne UV-Anteile sein sowie flimmerfrei leuchten.

In Skandinavien macht sich das Tageslicht im Winterhalbjahr übrigens besonders rar. Der Betreiber eines Cafés in Helsinki versucht deshalb dem winterlichen Trübsinn seiner Gäste mit geeigneter Beleuchtung zu trotzen und installierte in den Räumen Lichttherapielampen.

ddp

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