Gesundheit Wellnesstempel an der Ostsee

Massage, Moorbad und Schwimmen hält den Körper fit, um gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Wellness boomt. Deshalb setzten auch immer mehr Reha-Kliniken auf Gesundheitstouristen wie zum Beispiel die Kurklinik "Moorbad" in Bad Doberan.

Bad Doberan - Schon die ersten Herbststürme fegen die meisten Urlauber aus den deutschen Tourismusregionen zurück nach Hause. In der kalten Jahreszeit kämpfen die Reha-Kliniken um eine gesunde Auslastung. Sparzwang der Kostenträger und Überkapazitäten an Betten machen den Kureinrichtungen das Leben schwer - trotz des bundesweit wachsenden Bedarfs an Gesundheitsleistungen.

Dabei ist Vorsorge, auch auf eigene Kosten, wieder gefragt. So suchen Kurhäuser heute ihr Heil besonders im Bereich Wellness-Tourismus und Präventivmedizin für Selbstzahler.

So setzen im naturverwöhnten Mecklenburg-Vorpommern Reha-Einrichtungen auf Spezialangebote mit "Alleinstellungsmerkmal": Neben Seeluft und Meerwasser sind das etwa die Heilkreide von der Insel Rügen oder natürliche Vorkommen an Badetorf. Die 1996 eröffnete orthopädische Fachklinik "Moorbad" der Dr.-Ebel-Gruppe in Bad Doberan, dem landesweit einzigen Heilbad, baut auf Torferde aus eigenem Tagebau und erwärmt mit den schwarzen Packungen und Bädern seit 1999 immer mehr privat zahlende Kurpatienten für sich.

"Die klassische Reha ist bald so gut wie tot", sagt Klinikleiter Rainer Grimm. Zwar würden die Patientenzahlen für Anschlussheilbehandlungen derzeit steigen, doch zusammen mit dem bisherigen "Kerngeschäft" Rehabilitation wäre das 230-Betten-Haus nur zu zwei Dritteln ausgelastet und eigentlich pleite.

Kreatives Marketing indes locke zunehmend Selbstzahler an, die im "Moorbad" inzwischen fast 15 Prozent der Patienten ausmachen. Hinzu kämen einwöchige Präventionsseminare für gestresste Berufstätige sowie ambulante Badekuren, beides werde von den Kassen immerhin bezuschusst. "Es gibt eine Verschiebung in der Gesellschaft hin zu mehr Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit, wobei zugleich aber die soziale Schere weiter aufgeht", meint der Ärztliche Direktor Peter Kupatz.

Mit Qualität gegen die Konkurrenz

Mit Qualität gegen die Konkurrenz

Stammkunden hat das traditionsreiche "Moorbad" insbesondere unter den betuchteren Rentnern in den Metropolen Hamburg, Berlin und Bremen. Nach Doberan kommen ganze Gruppen etwa von der Rheuma-Liga oder über Spezial-Reiseveranstalter.

Daneben finden immer mehr ältere Ehepaare und Pensionäre, denen die Kasse keine Kur mehr zahlt, den Weg an die mecklenburgische Ostseeküste. Für sie hält die Doberaner Klinik Pauschalangebote bereit mit schmerzlindernden, stoffwechselanregenden Moorbehandlungen, mit Massagen oder Molkefasten. Konkurrenz zu Wellness-Hotels sei dies nicht, meint Marketingchefin Katrin Paap, sondern medizinische Diagnose, Therapie und Rund-um-Betreuung, die gerade Ältere schätzen und ganz bewusst "einkaufen".

Insgesamt zählt das nordostdeutsche Bundesland nach Angaben des Sozialministeriums knapp 11.000 Kurbetten in 66 Einrichtungen. Gemessen an der Bevölkerung verfügt Mecklenburg-Vorpommern mit 61 Betten auf 10.000 Einwohner bundesweit über die meisten Kurplätze.

2004 wurden 2,8 Millionen Übernachtungen registriert, fast fünf Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das entspricht einer Auslastung von nur noch 71 Prozent. "Die Schmerzgrenze ist erreicht", sagt Marianne Düsterhöft, Geschäftsführerin des Bäderverbandes. "Soziale Verunsicherung, Furcht vor Verlust des Arbeitsplatzes, Zuzahlungen durch alle Patienten sowie eine restriktive Haltung der Kostenträger sind Ursachen dafür."

Das "Moorbad" erfreut sich zwar einer weit überdurchschnittlichen Auslastung. Doch auch die Doberaner haben Probleme mit der wachsenden Billig-Konkurrenz in den neuen östlichen EU-Ländern, räumt Klinikchef Grimm ein. "Unsere einzige Chance ist Qualität wie auch durch langjährige Erfahrung gespeiste Kreativität." Doch auch die Politik trage große Verantwortung. Schließlich beschäftigt die Branche laut Rostocker Koordinierungsbüro Gesundheitswirtschaft 87.000 Menschen allein in Mecklenburg-Vorpommern, bundesweit 4,6 Millionen.

Grit Büttner, dpa

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