Wasserbetten Schwebend schlafen

Schon die Perser wussten vor 3000 Jahren, dass es sich auf Wasser gut nächtigt. Die moderne Generation der Wasserbetten ist zwar ungleich komfortabler - hohe Stromkosten und ein gewisser Pflegeaufwand trüben aber das Vergnügen.

Saarbrücken - Schon die Perser wussten vor mehr als 3000 Jahren, dass es sich auf Wasser gut schläft: Sie füllten Säcke aus Ziegenhaut mit Wasser und betteten sich darauf. Auch bei den Nomadenvölkern soll die Wassermatratze, die je nach Bedarf wärmte oder kühlte, sehr beliebt gewesen sein.

Im Jahr 1851 stieß der englische Arzt William Hooper auf diese alte Erfindung und entwickelte den Vorgänger des heute bekannten Wasserbettes, das sich schließlich seit Anfang der 1970er Jahre in den USA verbreitete. Nach und nach schwappte die Wasserbett-Euphorie über den großen Teich auch nach Europa und Deutschland.

Erst seit etwa 20 Jahren sind die Preise für diese ebenso ungewöhnliche wie komfortable Schlafunterlage auch hierzulande erschwinglich. "Das ist aber immer noch ein Luxusartikel", sagt der Geschäftsführer des Saarbrücker Unternehmens Waterdream Wasserbetten, Michael Louis. Heute bezahlt man für ein Wasser-Doppelbett durchschnittlich 1500 Euro. "Es gibt noch Günstigeres, aber auch noch viel Teureres. Die Preisspanne ist so groß wie bei Autos", weiß er Fachmann. Das exklusivste Wasserbett, das er in seinem Online-Shop und in seinem Saarbrücker Ladengeschäft anbietet, ist ein achteckiges Luxusexemplar mit einem Durchmesser von 2,40 Metern.

Die meisten Menschen allerdings geben sich mit einem Wasserbett in normaler Ausführung zufrieden. Am häufigsten werden Louis zufolge so genannte Softside-Betten gekauft, deren Seitenteile nicht mehr starr sind, sondern aus komfortablen Schaumstoffteilen bestehen. "Die sind einfacher in der Anwendung als die Hardside-Betten", erklärt Louis. Bei dieser Art wird die Wassermatratze in einen festen Rahmen gelegt - ähnlich wie bei den herkömmlichen Betten. "Mehr Komfort beim Ein- und Aussteigen gibt es bei der Softside-Variante", sagt der Experte. Man könne sie ohne Rahmen ins Schlafzimmer stellen oder auch in einen Bettrahmen einbauen.

Gesundes Schlafen mit hohen Stromkosten

Die Vorzüge eines Wasserbettes werden inzwischen sogar von Orthopäden bestätigt: Das Schlafen auf dem nassen Element tut dem gesamten Körper und vor allem dem schmerzenden Rücken gut. Wenn Wasserbetten je nach Körpergewicht mit der richtigen Menge gefüllt sind, passen sie sich optimal dem Körper an. Es entstehen keine Druckstellen. Die Muskulatur entspannt und die Wirbelsäule nimmt eine neutrale Haltung ein. Da das Wasser in dem Bett dank einer Heizung immer wohl temperiert ist, werde zudem die Einschlafphase verkürzt und verhelfe dem Besitzer zu einem tiefen, erholsamen Schlaf, betont Louis. Nicht zuletzt ist es eine hygienische Sache, da die nachts entstehende Körperfeuchtigkeit durch die aufsteigende Wärme nach oben transportiert wird und das Bett dadurch sauberer ist.

Trotz dieser Vorteile im Vergleich zur "normalen" Ausführung hat das Wasserbett in Deutschland einen Marktanteil von nur etwa fünf Prozent. Dies könnte an den Nachteilen liegen, die es nun einmal auch hat. Wer sich diesen Luxusartikel kauft, muss beispielsweise mit durchschnittlich fünf Euro höheren Stromkosten pro Monat rechnen, die von der Heizung verschlungen werden.

Wer in einem Altbau mit nicht mehr ganz so tragfähigen Böden wohnt, sollte zudem einen Statiker prüfen lassen, ob der Untergrund das immerhin um die 700 Kilogramm schwere Wasser-Doppelbett überhaupt tragen kann. Schließlich bedarf diese komfortable Schlafunterlage auch eines gewissen Pflegeaufwandes. Jedes halbe Jahr muss das Wasser mit einem so genannten Conditionierer aufgefrischt werden, damit es nicht umkippt und sich keine Algen bilden.

Vergisst man diese Anwendung, gibt es als letzte Rettung das "Shock-Treatment" für "stinkende" Matratzen. Alle zwei Monate sollte die Matratze äußerlich mit einem Pflegespray behandelt werden, um Schmutz, Hautschuppen und Schwitzsalze zu entfernen. Im gleichen Rhythmus verlangt das Luxusbett nach einer Vinylcreme, die das Vinyl der Matratze geschmeidig hält. Will man dem guten Stück und sich selbst noch mehr Angenehmes tun, gibt es außerdem die Entlüfter-Pumpe zur Entfernung von Luftblasen. Damit können störende Gluckergeräusche in der Matratze verhindert werden.

"Die Pflege ist wichtig", sagt auch Wasserbetten-Fachmann Louis. Wer bereit ist, diesen Aufwand zu betreiben, hat lange Freude an der wässrigen Schlafunterlage. Bei guter "Betreuung" sorgt das Wasserbett 15 Jahre und länger für den erholsamen Schlaf seines Besitzers.

Susann Huster, DDP

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