Golf-Kolumne Wo "Westy" ist, ist wieder oben

Viele haben Lee Westwoods Sieg bei der BMW International Open vor vier Wochen für eine "Eintagsfliege" gehalten. Er war es nicht. Am Sonntag schlug der Engländer im schottischen Golfmekka St. Andrews zu.
Von Thomas Lötz

St. Andrews/San Antonio - Vor ziemlich genau einem Monat war an dieser Stelle die Rede von einem nicht für möglich gehaltenen Comeback eines vormals jungen, äußerst talentierten Golfprofessionals. Im Jahr 2000 gewann Lee Westwood sechs Turniere und damit die europäische Geldrangliste. Doch danach wollte ihm kein Turniererfolg mehr gelingen. Und so reiste der "Lad" aus Worksop Ende August auch keineswegs als Mitfavorit zur BMW International Open nach München Nord-Eichenried. Und doch gewann er.

Am vergangenen Wochenende hat Westwood nachgelegt. Mit seinem Sieg bei der Dunhill Links Championship, die auf den an der schottischen Westküste gelegenen Plätzen von Carnoustie, Kingsbarns und auf dem legendären "Old Course" von St. Andrews ausgespielt wurde, hat der Engländer seine Leistung bestätigt und sich unter die Top Ten der europäischen Geldrangliste zurückgespielt.

In der führt zwar immer noch der Südafrikaner Ernie Els mit großem Vorsprung, auch weil Verfolger Darren Clarke (Nordirland) in St. Andrews "nur" Vierter wurde. Aber Westwood gelang es, unter anderem mit einem 62er-Platzrekord und einem Albatross in Kingsbarns, den am letzten Tag nach dem Siegerscheck bei der Dunhill Links greifenden Els schließlich mit einem Schlag auf Distanz zu halten. Mit der dafür erhaltenen Prämie von 705.093 Euro kletterte "Westy" auf Platz vier in der "Order of Merit". Zudem führt er nun die europäische Wertung für den Ryder Cup 2004 Jahr an.

Coleman, Leadbetter und ein guter Freund

Was, so fragen viele sich, sind die Ursachen des Westwoodschen Comebacks? Genau weiß man das nicht, und so richtig kann oder will uns das der Betroffene auch nicht sagen. "Es ist einfach unglaublich", entfuhr es ihm in St. Andrews am Sonntag. "Die Dinge laufen derzeit gut für mich, das war in den letzten drei Jahren ja nicht immer so."

Zwei Personen gibt es in Lee Westwoods Golferleben, die großen Anteil am Höhenflug des Dickerchens haben dürften. Der eine ist Peter Coleman und war mehr als zwei Dekaden über der Caddie von Bernhard Langer. Bei der British Open in diesem Jahr verkündeten Langer und der in London lebende Coleman ihre Trennung - da stand schon fest, dass der älteste Caddie auf der Tour seine große Ruhe und Erfahrung künftig an Landsmann Westwood weitergeben wird.

Der zweite Grund für Westwoods Aufschwung hat in Golferkreisen einen fast ebenso mythischen Ruf wie Ferrari unter Motorsportfans: David Leadbetter. Der so genannte "Trainer-Guru" hat in den letzten Jahren mit Westwood stark an der Verbesserung von dessen Spiel gearbeitet. Seither, so sagt Westwood, traue er sich Schläge zu, von denen er nicht geglaubt habe, sie überhaupt ausführen zu können

Amours Rekordsieg in Texas

Amours Rekordsieg in Texas

Und schließlich gab es am Sonntag noch eine weitere Person, der sich Lee Westwood zu Dank verpflichtet fühlte, seinem Flightpartner Darren Clarke. "Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, mit jemand besseres als Darren zusammenzuspielen", sagte Westwood, "wir sind gute Freunde, und es hat mir sehr geholfen, dass er mit da draußen war."

Auf der US PGA Tour hat Tommy Armour III. die mit 3,5 Millionen US-Dollar dotierte Valero Texas Open klar gewonnen. Armour siegte nach Runden von 64, 62, 63 und 65 mit sieben Schlägen Vorsprung (-26) auf seine Landsleute, Titelverteidiger Loren Roberts und Bob Tway (jeweils -19).

Damit gewann der 43-jährige nicht nur sein erstes Turnier nach 13 Jahren, sondern stellte in San Antonio eine neue Bestmarke für die US PGA Tour auf. 254 Schläge waren bisher noch keinem bei einem Turnier über 72 Löcher gelungen; die bisherige Bestleitung waren Mark Calcavecchias 256 Schläge bei der Phoenix Open vor zwei Jahren.

Vierter auf dem Par-70-Kurs des La Cantera Golf Clubs nördlich von San Antonio wurde Duffy Waldorf (-17), vor dem Australier Aaron Baddeley (-16). Bester Europäer war der Schwede Richard Johnson (-15) auf dem geteilten siebten Platz.

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