Radsport-Boom in Corona-Zeit 4400 Euro für ein Fahrrad? Kein Problem

Die Fahrradbranche feiert den "besten Monat aller Zeiten". Für hochwertige Rennräder, Mountainbikes oder Gravel Bikes sind Käufer bereit, viel Geld auszugeben - deutlich mehr als noch vor einem Jahr.
Fahrradboom: Corona beschert den Herstellern hochwertiger Bikes Absatzrekorde

Fahrradboom: Corona beschert den Herstellern hochwertiger Bikes Absatzrekorde

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Am liebsten würde der viermalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin (35) die Tour de France ohne Zuschauer fahren. "Lieber eine Tour ohne Zuschauer als gar keine Tour", sagt Martin: Er befürchtet, dass die Veranstalter die Tour, die am Samstag zum 107. Mal startet, wegen steigender Corona-Infektionszahlen vorzeitig abbrechen müssen.

Dennoch geht der Radsport als einer der großen Gewinner aus der Corona-Krise hervor. Das zeigt eine Studie zum Fahrradmarkt, für die der Delius Klasing Verlag insgesamt knapp 60.000 Leser der verlagseigenen Fahrradzeitschriften Tour (Rennradfahrer), Mybike (Alltags- und Freizeitradfahrer), Emtb (e-mountainbiker) und Freeride (Trail/Enduro Bikes) befragt hat. Die Befragten sind im Schnitt 45 Jahre alt und zu etwa 90 Prozent männlich: Für sie gibt es viele Gründe, während der Corona-Pandemie mehr Zeit auf dem Fahrrad zu verbringen oder in ein neues hochwertiges Fahrrad zu investieren.

Die volle U-Bahn vermeiden, Fahrrad fahren als Ausgleich zum Sitzen im Homeoffice - oder einfach nur die Zeit während des Lockdowns sinnvoll nutzen und etwas für die eigene Gesundheit tun: Seit Beginn der Covid-19 Pandemie im Frühjahr gab es für die Befragten eine Reihe von Gründen, sich aufs Fahrrad zu setzen. Im Schnitt gaben etwa 40 Prozent der Befragten an, nun mehr Fahrrad zu fahren.

4400 Euro für ein Trail- oder Endurobike - im Durchschnitt

Für die Fahrrad-Industrie besonders interessant: Insgesamt sind die Befragten auch willig, mehr Geld für ein hochwertiges Fahrrad zu bezahlen. Knapp die Hälfte der befragten Freeride-Leser zum Beispiel hat vor, in den nächsten Monaten im Schnitt etwa 4.400 Euro in ein neues Fahrrad zu investieren. Damit sind sie bereit, 820 Euro mehr für Trail- und Enduro-Bikes auszugeben, als noch im Jahr 2019.

Die Hersteller spüren die gestiegene Investitionsbereitschaft der Radfahrfans, so die Studie. Im Mai habe die Fahrradindustrie in Deutschland den "besten Monat aller Zeiten" erlebt. Während die Autobranche im Mai Einbußen von mehr als 60 Prozent bei der Anzahl verkaufter Autos erlebte, mussten Fahrradkunden häufig noch einige Zeit auf ihr Traumbike warten, weil viele Modelle ausverkauft waren.

Mountainbike: Elektrobikes am Berg immer beliebter

Mountainbike: Elektrobikes am Berg immer beliebter

Foto: Markus Fruehmann / www.haibike.de | pd-f

In der Fahrrad Branche erzielte nicht nur der Fachhandel stabile Umsätze, auch der Online Handel profitiert. Etwa ein Zehntel aller Befragten kaufen sich ein neues Fahrrad derzeit online, rund ein Drittel der Kunden bevorzugt jedoch weiterhin den Fachhandel samt Beratung und Service.

E-Mountainbikes immer beliebter - mit Akku den Berg hoch

Unter den Fahrrädern gehören verstärkt Bikes mit E-Antrieb zu den Favoriten. 46 Prozent der Mybike-Leserschaft nimmt an, dass E-Mountainbikes den Markt in den nächsten Jahren dominieren werden. Der Studie zufolge dürfte der E-Mountainbike-Markt am stärksten von allen Einzelsegmenten boomen. Fast jeder fünfte Befragte entscheide sich bereits direkt für ein Mountainbike mit Elektroantrieb, obwohl sie vorher nicht auf einem klassischen Mountainbike unterwegs gewesen sind, im Vorjahr waren es noch sechs Prozent gewesen.

Für den Fahrrad Urlaub bleiben die Befragten am liebsten zu Hause in Deutschland. Während des Lockdowns wählten rund 70 Prozent Deutschland als ihren Reisefavoriten. Frankreich, das Land der Tour de France, ist als Ziel wegen der Corona-Ansteckungsrisiken derzeit weniger beliebt und landete nur auf Platz 5. Immerhin schauen viele Fahrradfans aus der Ferne auf die 176 Radprofis, die ab Samstag in Nizza in 20 Teams die Tour de France starten. Ob sie die Tour komplett durchziehen können, bleibt abzuwarten: Doch mit den Herstellern renntauglicher Fahrräder steht ein Gewinner in diesem Jahr schon fest.

Von Lilian Schmitt