Mehr Boni für Investmentbanker Hundert neue Einkommensmillionäre in der Deutschen Bank

Kaum in den schwarzen Zahlen, belohnt die Deutsche Bank ihre Investmentbanker mit einem Bonisegen. Der Vorstand hält sich etwas zurück, doch die Zahl der Millionenverdiener steigt deutlich.
Vorstand steckt ein bisschen zurück: Fabrizio Campelli (Chief Transformation Officer), Christiana Riley (Regional CEO für Amerika), Christian Sewing (Vorstandsvorsitzender) und James von Moltke (CFO) bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank im Januar 2020

Vorstand steckt ein bisschen zurück: Fabrizio Campelli (Chief Transformation Officer), Christiana Riley (Regional CEO für Amerika), Christian Sewing (Vorstandsvorsitzender) und James von Moltke (CFO) bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank im Januar 2020

Foto: Rainer Unkel / imago images

Die Deutsche Bank schüttet nach ihrem ersten Nettogewinn seit 2014 wieder mehr Bonuszahlungen aus. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing (50) kann sich über eine Gehaltserhöhung freuen: Seine Gesamtvergütung legte 2020 um fast die Hälfte auf 7,4 Millionen Euro zu, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Die Boni für alle Mitarbeiter von Deutschlands größten Geldhaus stiegen trotz eines Abbaus von ein paar tausend Stellen um 29 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, wie der Frankfurter Dax-Konzern am Freitag bei der Veröffentlichung seines Geschäftsberichts mitteilte.

Die Deutsche Bank rechtfertigte die Zahlungen mit den "deutlich besseren Finanzergebnissen und den erreichten Zielen" 2020 sowie damit, dass sie "Leistungsträger halten" wolle. Der Konzern hatte lange mit der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank um die Bonipläne gerungen und musste Vorschläge für einen noch größeren Bonuspool zurückziehen.

Insgesamt bezahlte die Deutsche Bank ihren Vorständen 50 Millionen Euro (Gehälter inkl. Boni) nach 36 Millionen Euro im Jahr zuvor. Allerdings erhöhte sich die Zahl der Vorstände im Jahresschnitt auf zehn von acht Mitglieder. Sewing und seine Kollegen hätten eigentlich noch Anspruch auf 4,6 Millionen Euro mehr gehabt. Wegen der gesamtwirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie wurden aber bestimmte Gehaltskomponenten verringert. Der Vorstand wolle mit Blick auf die gesamtwirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie ein Zeichen setzen: Das Führungsteam verzichtet den Angaben zufolge auf ein Zwölftel seiner Jahresvergütung. Aufsichtsratschef Paul Achleitner (64) schließe sich diesem Vorgehen an, hieß es. Auch viele Mitarbeiter in den höchsten Führungsebenen verzichteten auf Vergütung in Höhe eines Monatsgehalts.

Boni erhöhen Zahl der Einkommensmillionäre

Wegen der höheren Boni gab es auch unterhalb des Vorstands wieder mehr Einkommensmillionäre bei dem Geldhaus. 2020 verdienten 684 (nach 583 im Vorjahr) Deutschbanker mehr als eine Million Euro Jahresgehalt. Der bestbezahlte Mitarbeiter erhielt zwischen zehn und elf Millionen Euro.

Unterdessen verteilen sich die Boni im Konzern auf insgesamt weniger Beschäftigte. So sank die Zahl der Vollzeitstellen der Deutschen Bank im abgelaufenen Jahr um 2938 auf 84.659 weltweit.

Vonseiten der Gewerkschaft Verdi hagelte es Kritik an der Bonuserhöhung. "Es passt überhaupt nicht zusammen, dass für die Spitzenverdiener der Deutschen Bank, wie die Investmentbanker, die Vergütung erhöht wird, während es für die Beschäftigten, die am unteren Ende des Gehaltsgefüges stehen, es fast nichts geben soll", sagte Verdi-Vertreter Jan Duscheck, der im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Seit Wochen streiken Callcentermitarbeiter der Bank für eine Lohnerhöhung und ein 13. Monatsgehalt.

Die hohen Bonuszahlungen waren Medienberichten zufolge auch auf Widerstand der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank gestoßen. Geplant waren bei der Deutschen Bank demnach zunächst mehr als zwei Milliarden Euro.

Rückgang der Erträge erwartet

Die Frankfurter erzielten 2020 erstmals seit sechs Jahren wieder einen Gewinn – unter dem Strich stand ein Überschuss von 113 Millionen Euro, trotz der Belastungen durch die Corona-Pandemie. Dabei profitierte das Institut vor allem von einem Boom im Investmentbanking. Die Sparte war im Zuge des Konzernumbaus stark gestutzt worden. Im abgelaufenen Jahr lieferte sie vor Steuern praktisch den gesamten Gewinn der Kernbank, also der Geschäftsbereiche ohne die konzerneigene Abbaueinheit für Altlasten.

Ein Jahr zuvor hatte die Bank wegen des Umbaus noch einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro erzielt. Nach Jahren mit milliardenhohen Verlusten hatte Sewing der Deutschen Bank im Sommer 2019 eine neue Strategie verpasst. Ganze Sparten wie der Aktienhandel und das Geschäft mit Hedgefonds wurden geschlossen, der Fokus soll künftig mehr auf Firmen- und Privatkunden liegen. Weltweit werden 18.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Bis 2022 will die Bank ihre Eigenkapitalrendite nach Steuern auf acht Prozent steigern. An die Aktionäre sollen dann fünf Milliarden Euro ausgeschüttet werden. Die Konzernerträge werden in diesem Jahr voraussichtlich unter den 24 Milliarden Euro aus 2020 liegen. Das liege vor allem an rückläufigen Einnahmen im Investmentbanking, räumte Sewing ein. Gleichzeitig werde aber die Risikovorsorge im Kreditgeschäft leicht zurückgehen. Die Deutsche Bank strebt für 2021 erneut einen Gewinn an.

cs/Reuters, dpa-afx, AFP