Omikron-Angst lässt nach Dax und Dow mit Kurssprung - Techtitel gefragt

Kursrallye an den Weltmärkten: Dax und Eurostoxx legen rasant zu, die Angst vor der Omikron-Variante lässt an der Börse nach. Auch der US-Techindex Nasdaq 100 startet ein Comeback.
Nasdaq am New Yorker Times Square: Anleger greifen bei US-Techtiteln wieder zu

Nasdaq am New Yorker Times Square: Anleger greifen bei US-Techtiteln wieder zu

Foto: JOHN MOORE/ AFP

Die Erholungsrallye am deutschen Aktienmarkt hat sich am Dienstag beschleunigt. Die nachlassende Furcht vor der Corona-Variante Omikron gilt weiterhin als Treiber. Hinzu kam neue Konjunkturzuversicht. Der Dax  schloss 2,8 Prozent höher bei 15.813 Punkten und damit nahe an seinem Tageshoch. Der Index ist auf dem Wege dazu, seine Ende November wegen der Omikron-Angst aufgerissene Kurslücke wieder zu schließen.

Dax

Der MDax kletterte am Dienstag um 2,5 Prozent nach oben auf 34.839 Punkte. Er peilt damit die 35.000er Marke wieder an. Anleger zeigten sich weltweit wieder deutlich risikofreudiger, wie massive Kursgewinne in ganz Europa und auch in den USA zeigten. Gut kamen am Dienstag auch Zahlen zur deutschen Industrieproduktion an. "Eine gute Nachricht zur richtigen Zeit", kommentierte Volkswirt Jens-Oliver Niklasch von der LBBW. "Besonders erfreulich ist, dass auch die Produktion im Automobilsektor offenbar wieder anzieht", fuhr der LBBW-Experte fort.

Tech-Aktien und Autotitel im Dax gefragt

Die Branchenaktien aus dem Autosektor gehörten zu den größeren Gewinnern am deutschen Aktienmarkt - angeführt von VW wegen neuer Gerüchte um einen Börsengang der Sportwagentochter Porsche. Die Spekulationen über solch eine Transaktion halten sich schon länger.

Ansonsten trieb die gestiegene Risikobereitschaft die Anleger auch im großen Stil zurück in den zuletzt gemiedenen Technologiesektor. Im Dax waren die Titel des Chipkonzerns Infineon mit 6,2 Prozent Plus unter den Favoriten, im MDax lagen die Anteile des Bausoftware-Anbieters Nemetschek mit 9,5 Prozent vorne.

Hoffen auf Umschuldung bei Evergrande

Auch beim hoch verschuldeten chinesischen Immobilienkonzern China Evergrande standen die Zeichen auf Entspannung. Die Aussicht auf eine Umschuldung und staatliche Unterstützung ließ die Sorgen der Investoren etwas abflauen, obwohl der Krisenkonzern offenbar nicht mehr allen Zahlungsverpflichtungen bei seinen Anleihen nachkommen kann. Anleger setzten aber darauf, dass die Folgen nicht so stark zu spüren sein werden wie zunächst befürchtet. Nachdem die Aktien von Evergrande zum Wochenstart auf ein Rekordtief gefallen waren, zogen die Titel in der Spitze mehr als 8 Prozent an. Für Beruhigung sorgte auch, dass die chinesische Notenbank die Menge an Bargeld, die Banken als Reserve halten müssen, reduzierte.

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USA: Rallye bei Tech-Werten

Die schwungvolle Erholung der Aktienkurse an der Wall Street vom Wochenbeginn hat sich am Dienstag fortgesetzt. Die Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen einer Ausbreitung der neuen Corona-Variante Omikron ließen weiter nach. Der Leitindex Dow Jones Industrial stieg um 1,40 Prozent auf 35 719,43 Punkte. Die Papiere von Apple markierten ein neuerliches Rekordhoch.

Noch stärker als beim Dow ging es mit den Kursen an der technologielastigen Börse Nasdaq aufwärts. Der Nasdaq 100 rückte um 3,03 Prozent auf 16 325,66 Zähler vor. Halbleiteraktien wie Applied Materials, ASML, Nvidia und NXP Semiconductors gewannen bis zu acht Prozent. Der marktbreite S&P 500 stieg um 2,07 Prozent auf 4686,75 Punkte.

Die Aktien des Chipkonzerns Intel zählten zu den Spitzenwerten im Dow mit einem Plus von 3,1 Prozent. Der Halbleiterhersteller will die israelische Tochter Mobileye zur Jahresmitte 2022 an die Börse bringen. Intel will nach dem Börsengang aber Mehrheitseigner beim Entwickler von Technologien zum autonomen Fahren bleiben.

Nasdaq

Apple-Aktien zogen um 3,5 Prozent an auf ein weiteres Rekordhoch. Neben der allgemeinen Erholungsrally von Tech-Aktien trieb ein Kommentar von Morgan Stanley an. Die Experten der US-Bank rechnen damit, dass der iPhone-Hersteller von neuen Produkten im Geschäft mit der sogenannten virtuellen Realität und mit dem autonomem Fahren profitieren wird.

Gesucht waren neben den Aktien der Technologiebranche auch Titel aus der Finanzindustrie. So gewannen Goldman Sachs 2,8 Prozent und Morgan Stanley 3,3 Prozent. American Express gewannen 3,9 Prozent und Visa 2,3 Prozent.

Der Euro stabilisierte sich im US-Devisenhandel und kostete zuletzt 1,1267 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1256 (Montag: 1,1287) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8884 (0,8859) Euro gekostet.

Bitcoin startet Erholungsversuch

Nach dem Kurssturz in den vergangenen Tagen hat die weltweit wichtigste Kryptowährung Bitcoin in der Nacht zum Dienstag einen Erholungsversuch gestartet. Zuletzt notierte die Cyberdevise rund 5 Prozent fester und notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  wieder oberhalb der Marke von 51.000 US-Dollar. Seit dem Rekordhoch Anfang November bei 68.000 US-Dollar hat der Bitcoin zeitweise mehr als ein Viertel an Wert eingebüßt und war am Wochenende auf 45.000 US-Dollar gestürzt.

Bitcoin

Ölpreise steigen um rund drei Dollar

Die Ölpreise sind am Dienstag dank der geringeren Corona-Furcht deutlich gestiegen. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  75,99 US-Dollar. Das waren 2,91 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 3,13 Dollar auf 72,62 Dollar.

Brent

Nachlassende Corona-Sorgen stützten die Ölpreise. Zudem deuten Daten laut Händlern nicht darauf hin, dass die Menschen ihre Mobilität einschränken. In der vergangenen Woche herrschte noch die Furcht vor, dass eine erneute Verschärfung der Corona-Krise die Wirtschaft belasten und die Nachfrage nach Rohöl dämpfen könnte.

Seit einigen Tagen erholen sich die Rohölpreise etwas von ihrem deutlichen Rücksetzer im November. Ausschlaggebend für die Preisabschläge war neben der Entdeckung der Omikron-Variante der Rückgriff großer Verbrauchsländer auf Teile ihrer strategischen Ölreserven. Der Schritt ging auf die Weigerung großer Förderländer zurück, ihre Produktion stärker auszuweiten als geplant. Die Verbrauchsländer reagierten mit der Öffnung der Reserven auf die im längeren Vergleich hohen Ölpreise.

Mit Nachrichtenagenturen
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