Börse Dax kaum bewegt, Thyssenkrupp knickt ein

Der Dax verringert seine Verluste, da die US-Börsen sich stabilisieren. Die Papiere von Thyssenkrupp geben nach der Bilanzvorlage des Konzerns kräftig nach. Der Bitcoin klettert weiter.
Verbrennt Geld: Der Industriekonzern Thyssenkrupp (im Bild ein Arbeiter am Hochofen des Stahlwerks in Duisburg)

Verbrennt Geld: Der Industriekonzern Thyssenkrupp (im Bild ein Arbeiter am Hochofen des Stahlwerks in Duisburg)

Foto: imago stock&people / imago images/simme

Schaukelbörse: Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag mit Verlusten gestartet, drehte am Nachmittag jedoch zeitweise sogar ins Plus. Der Dax  notierte zum Handelsschluss auf Xetra 0,88 Prozent tiefer auf 13 086,16 Punkte. Über die Marke von 13 300 Punkten kam der Leitindex zuletzt nicht hinaus, unter die 13 000er-Marke rutschte er allerdings auch nicht..

An der Wall Street startete der Dow Jones Industrial  am Donnerstag unterdessen kaum verändert in den Handel. Der MDax  der 60 mittelgroßen Werte fiel um 0,57 Prozent auf 28.635 Zähler zurück. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  verlor 0,71 Prozent auf 3457 Punkte. Zu den Gewinnern im Dax zählten die Aktien der Wohnungsbaukonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen. An den Kryptowährungs-Handelsplätzen setzte unterdessen der Bitcoin seine Klettertour fort und notierte zeitweise über 18.000 Dollar.

Dax

"An den Märkten ist zu beobachten, dass es trotz aller Bedenken keinen kräftigen Abwärtsdruck gibt", hieß es in der aktuellen Ausgabe des "Fuchs"-Börsenbriefs. "Geht es ein Stück nach unten, kommen sofort neue Käufer in den Markt", schrieben die Autoren mit Blick auf das Handelsgeschehen der vergangenen Tage.

Der MDax der 60 mittelgroßen Werte sank am vorletzten Handelstag der Woche um 0,19 Prozent auf 28 745,50 Zähler. Auch europaweit ging es nach unten: Der EuroStoxx 50 als Leitbarometer der Eurozone verbuchte einen Abschlag von 0,87 Prozent auf 3451,97 Punkte, der französische Cac 40 und der britische FTSE 100 schlossen ähnlich schwach. Moderat im Minus notierte zum europäischen Handelsschluss der New Yorker Dow Jones Industrial.

MTU und Kion unter Druck - Thyssenkrupp mit schwachen Zahlen

Im Dax waren MTU nach Aussagen zur künftigen Geschäftsentwicklung mit minus 2,63 Prozent auf dem vorletzten Platz. Der Triebwerkbauer rechnet nach dem Umsatzeinbruch in der Corona-Krise erst in einigen Jahren wieder mit kräftigem Wachstum. Ganz hinten im Leitindex büßten die Papiere des Rückversicherers Munich Re 3,36 Prozent ein, nachdem die Bank Société Générale ihre Kaufempfehlung gestrichen hatte.

Der Gabelstaplerhersteller Kion will mit einer Kapitalerhöhung fast eine Milliarde Euro einsammeln. Die Maßnahme ließ den Kurs im MDax um sieben Prozent absacken.

Thyssenkrupp dämmten ihren teils sehr hohen Kursverlust auf 3,39 Prozent ein. Der kriselnde Industriekonzern will angesichts von Milliardenverlusten weitere Tausende Stellen streichen. Als "desaströs" bezeichnete ein Händler den Abfluss von 5,5 Milliarden Euro an Barmitteln im laufenden Geschäftsjahr. Auch sei der Nettoverlust des Industriekonzerns noch höher als befürchtet.

Im SDax sackten die Anteile von Wacker Neuson um 8,41 Prozent ab. Der Hersteller von Baumaschinen verliert den Vorstandschef und den Finanzvorstand. Es wurden "unterschiedliche Auffassungen zur Unternehmensführung" als Grund genannt. Anleger hinterfragen nun die Strategie, dies sorgt für Unsicherheit.

Wall Street: Dow Jones kaum verändert

Der US-Leitindex Dow Jones startete am Donnerstag kaum verändert bei 29 400 Punkten. Damit bleibt die runde Marke von 30.000 Zählern in Reichweite.

Am Mittwoch hatte die Stadt New York angekündigt, alle öffentlichen Schulen zu schließen. Anleger wähnten dies der Commerzbank zufolge im späten Handel als erneutes Signal dafür, dass die Corona-Krise bei aller Euphorie über Impfstoffe noch immer viele Risiken birgt und weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens erfordert. Die steigenden Corona-Neuinfektionen bestimmen insofern weiter das Geschehen. Zudem kletterte die Zahl der Toten mit einer Coronavirus-Infektion in den USA auf den höchsten Wert seit Anfang Mai.

Verluste von mehr als ein Prozent verzeichneten die Papiere von Nvidia . Das Geschäft mit Rechenzentren und neuen Grafikkarten bescherte dem Computerkonzern im vergangenen Quartal zwar einen kräftigen Umsatzsprung. Allerdings mahnte das Unternehmen, dass sich das Erlöswachstum im Rechenzentren-Geschäft im laufenden Quartal etwas abschwächen könnte.

Nasdaq 100

Thyssenkrupp nach Zahlen stark unter Druck

Mit einem Abschlag von 6 Prozent wurden die im MDax  notierten Aktien von Thyssenkrupp  gehandelt. Der kriselnde Stahlkonzern will nach Milliardenverlusten doppelt so viele Stellen streichen wie bislang geplant. Thyssen habe bereits in den vergangenen Tagen einige Schwachpunkte offengelegt, sagte ein Händler. Kurzfristig sei zwar möglich, dass die Kurse zulegten. "Das ist aber überhaupt kein Investment." 

Der Gabelstaplerhersteller Kion  will mit einer Kapitalerhöhung fast eine Milliarde Euro einsammeln. Die Maßnahme ließ den Kurs um 3,4 Prozent nachgeben.

Die Papiere der beiden Rückversicherer Munich Re  und Hannover Rück  verzeichneten Verluste, nachdem die Bank Société Générale die Kaufempfehlungen für beide gestrichen hatte.

Die Aktien von Wacker Neuson gaben sogar um 10 Prozent nach, nachdem das Unternehmen einen Vorstandsumbau bekannt gegeben hatte.

Euro etwas schwächer

Der Euro notierte zuletzt mit 1,1842 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1832 (Mittwoch: 1,1868) US-Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,8452 (0,8426) Euro gekostet. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,57 Prozent am Mittwoch auf minus 0,58 Prozent. Der Rentenindex Rex trat mit 146,04 Punkten auf der Stelle. Der Bund-Future gewann 0,11 Prozent auf 175,32 Punkte zu.

EUR/USD

Zuletzt hielten sich die Kursbewegungen am Devisenmarkt in Grenzen. Starke Impulse blieben aus. Am Donnerstag dürften Anleger vor allem US-Konjunkturdaten in den Blick nehmen. Unter anderem stehen die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt an, die einen zeitnahen Eindruck von der Beschäftigungslage vermitteln. Außerdem äußern sich einige Notenbankvertreter.

Ölpreise geben etwas nach

Die Ölpreise haben am Donnerstag im frühen Handel leicht nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 44,17 US-Dollar. Das waren 17 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 29 Cent auf 41,72 Dollar.

Ölpreis

Brent

Der Verbund Opec+ hat in der Corona-Krise strikte Fördergrenzen festgelegt, um die Ölpreise zu stabilisieren. Nach derzeitigem Stand würden die Begrenzungen Anfang 2021 gelockert. Es gibt jedoch Hinweis darauf, dass diese Lockerung wegen der angespannten Corona-Lage verschoben werden soll.

Profitiert hatten die Ölpreise in den vergangenen Tagen von der Aussicht auf Impfstoffe gegen das Coronavirus. Es wird auf eine mittelfristige konjunkturelle Stabilisierung gesetzt, die der Rohölnachfrage zugutekommen würde. Fachleute verweisen allerdings auf die lange Zeit, die eine flächendeckende Impfung in Anspruch nehmen würde.

mg/dpa-afx/Reuters
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