Börse Dax schließt schwächer, Dow mit Gewinnen

Die Erfolgsmeldung vom Impfstoff-Entwickler AstraZeneca hat den deutschen Aktienmarkt nicht nachhaltig gestützt. An der Wall Street sieht es zum Handelsschluss in Deutschland freundlicher aus.
Neue Erfolgsmeldungen zum Corona-Impfstoff: Die Wall Street reagiert mit Gewinnen

Neue Erfolgsmeldungen zum Corona-Impfstoff: Die Wall Street reagiert mit Gewinnen

Foto: Seth Wenig / AP

Weitere positive Nachrichten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie haben der Wall Street am Montag wieder Auftrieb gegeben. Für gute Stimmung sorgten auch erfreuliche Konjunkturdaten. Der Dow Jones Industrial  konnte seine Anfangsgewinne zwar nicht ganz halten, behauptete zuletzt aber ein Plus von 0,56 Prozent auf 29.427,62 Punkte. Damit machte der US-Leitindex den Rückschlag vom Freitag zum Teil wett. Für den marktbreiten S&P 500  ging es um 0,07 Prozent auf 3560,02 Zähler hoch, wogegen der ebenfalls freundlich gestartete, technologielastige Nasdaq 100  0,64 Prozent auf 11.830,50 Punkte verlor.

Der von BioNTech  und Pfizer  entwickelte Corona-Impfstoff könnte in den USA im Fall einer Notfallzulassung einem Regierungsvertreter zufolge bereits ab dem 11. Dezember verfügbar sein. Der Impfstoff könne nach einer Genehmigung der US-Arzneimittelbehörde FDA innerhalb von 24 Stunden an die Bundesstaaten geliefert werden, sagte ein für das Impfprogramm der US-Regierung zuständiger Vertreter im Gespräch mit CNN. Die Papiere von BioNTech  legten in New York um 0,8 Prozent zu, während die anfangs mit dem Markt freundlichen Pfizer -Titel mit 1,1 Prozent ins Minus drehten.

Die in New York gelisteten Anteilsscheine von CureVac  verteuerten sich um über 3 Prozent, nachdem das Biotech-Unternehmen mit Wacker Chemie einen Vertrag zur Produktion eines Impfstoffkandidaten gegen Corona geschlossen hatte.

Mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca legte zudem ein weiteres Unternehmen Daten zu einem Corona-Impfstoff vor. Das Vakzin habe eine Wirksamkeit von im Mittel 70 Prozent, teilte das Unternehmen auf Basis von Zwischenergebnissen aus einer wichtigen Testphase mit. Anders als das Präparat von BioNTech und Pfizer kann der AstraZeneca-Impfstoff bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad transportiert und aufbewahrt werden.

"Auch wenn die Effektivität insgesamt ein wenig geringer erscheint als mit mRNA-Impfstoffen, hat AZD1222 einen großen Vorteil: Er ist robust und einfach in der Handhabung, quasi die 'Arbeitsbiene' unter den potenziell verfügbaren Impfstoffen gegen Covid-19", erklärte der Münchener Infektiologe Clemens Wendtner. Analyst Stephen Innes vom Handelshaus Axi nannte die Nachrichten von AstraZeneca eine "große Sache". Damit würden die Industriestaaten voraussichtlich in die Lage versetzt, die meisten Risikogruppen noch bis zum Frühling 2021 gegen die Lungenkrankheit zu immunisieren.

Dax schließt etwas schwächer

Der deutsche Leitindex Dax  schloss 0,08 Prozent tiefer bei 13.126,97 Punkten, nachdem er am Freitag noch moderate Gewinne verzeichnet hatte. Im frühen Handel am Montag war der Dax  sogar über die Marke von 13.300 Punkten auf den höchsten Stand seit September geklettert. Der MDax  der 60 mittelgroßen Werte ging prozentual unverändert bei 28.998,58 Punkten aus dem Handel.

Dax

"Die höchstwahrscheinlich verlängerten und teilweise neuen Lockdown-Maßnahmen, die am Mittwoch beschlossen werden, stehen zwar nicht ganz oben auf der Wunschliste der Anleger. Die Einschränkungen beziehen sich allerdings vor allem auf den privaten Bereich, während das wirtschaftliche Tun der Menschen größtenteils nicht eingeschränkt wird. Es gibt keine Ausgangssperren und das ist gut für die Börse, die den Pfad der konjunkturellen Erholung damit ein paar Wochen weiterschreiben kann", erklärte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets.

Stahlwerte und Corona-Verlierer gefragt

Stahlwerte profitierten von Hoffnungen auf Staatsgelder und zählten zu den Favoriten. Die Papiere von Thyssenkrupp  stiegen um 9,5 Prozent, jene von Salzgitter  schnellten um 8,6 Prozent nach oben. Die Anteilsscheine des Stahlhändlers KlöCo  legten um 5,3 Prozent auf den höchsten Stand seit über anderthalb Jahren zu. Die SPD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen fordert akute Maßnahmen der Landesregierung in Reaktion auf die sich zuspitzende Lage in der Stahlindustrie.

Eine skeptische Studie von JPMorgan erwischte die Aktionäre von HelloFresh  kalt. Die Papiere des Kochboxenanbieters sackten als MDax-Schlusslicht um 4,7 Prozent ab. JPMorgan-Analyst Marcus Diebel glaubt, dass HelloFresh Probleme bekommen dürfte, die Anzahl von Stammkunden weiter nennenswert zu steigern. Er hält ein Kursziel von 35 Euro für fair und signalisiert damit weiteres Rückschlagsrisiko.

Die Aktien von Wacker Chemie  notierten im Handelsverlauf erstmals seit Oktober 2018 wieder dreistellig und gingen 4,3 Prozent höher bei 98 Euro aus dem Handel. Der Spezialchemiekonzern und der Biotechkonzern Curevac arbeiten bei der Produktion eines Impfstoffkandidaten gegen Covid-19 zusammen.

Euro mit Berg- und Talfahrt

Der Euro hat zum Wochenstart eine Berg- und Talfahrt hingelegt. Bis zum Montagmittag stieg die Gemeinschaftswährung zunächst über die Marke von 1,19 US-Dollar. Am Nachmittag kam dann jedoch der Einbruch, der Euro fiel in Richtung 1,18 Dollar. Zuletzt notierte er bei 1,1825 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1901 (Freitag: 1,1863) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8403 (0,8430) Euro.

EUR/USD

Der Wochenauftakt fiel für den Euro zweigeteilt aus. Vormittags profitierte die Gemeinschaftswährung von der allgemein guten Finanzmarktstimmung. Der Dollar als weltweite Reservewährung war daher weniger stark gefragt. Für Aufhellung sorgte die Aussicht auf wirksame Impfstoffe gegen die Corona-Pandemie. Besonders optimistisch geben sich die Analysten der Deutschen Bank. "Bis zum Frühjahr sollte es wieder viel normaler aussehen", heißt es in einem Kommentar zu neuen Testresultaten eines Impfstoffkandidaten.

Die Wende für den Euro kam jedoch am Nachmittag aufgrund überraschend positiver US-Konjunkturdaten. Obwohl die USA derzeit von einer heftigen Corona-Welle heimgesucht werden, hellte sich die Unternehmensstimmung im November deutlich auf. Das Stimmungsbarometer des Forschungsunternehmens Markit stieg auf den höchsten Stand seit gut fünfeinhalb Jahren. Markit-Chefökonom Chris Williamson sprach von einem ersten Eindruck nach der US-Präsidentenwahl und einem sehr ermutigenden Umfrageergebnis.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,88888 (0,89393) britische Pfund, 123,47 (123,18) japanische Yen und 1,0806 (1,0811) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1835 Dollar gehandelt. Da waren 37 Dollar weniger als am Vortag.

Ölpreise bauen Gewinne aus

Die Hoffnung auf eine schnelle Einführung eines wirksamen Corona-Impfstoffes hat den Ölpreisen am Montag Auftrieb verliehen. Bis zum Mittag haben die Notierungen die Gewinne aus dem frühen Handel ein Stück weit ausgebaut. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 45,48 US-Dollar. Das waren 52 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 40 Cent auf 42,82 Dollar.

Ölpreis

Brent

Zeitweise stieg der Preis für Nordsee-Öl über die Marke von 46 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Anfang September. "Der Ölmarkt startet hoffnungsvoll in die Woche", kommentierte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank.

mg/cr/dpa-afx/Reuters