Promi-Netzwerk schlägt wieder zu Münchener Wirtschaftselite im Kunstfieber

Am Samstag steigt die PIN.-Party für betuchte Kunstfreunde - in der Pinakothek in München und zeitgleich in der "Tenne" in Kitzbühel. Für die Wirtschaftselite des Südens ein Pflichttermin. Auch Außenstehende können bei der Kunstauktion mitbieten - virtuell zumindest.
Kunst für die PIN. Auktion: Auch Christine Wangs "Bitcoin Princess" (Acryl auf Leinwand) kommt bei der Benefizauktion mit einem Startgebot von 10.700 Euro unter den Hammer

Kunst für die PIN. Auktion: Auch Christine Wangs "Bitcoin Princess" (Acryl auf Leinwand) kommt bei der Benefizauktion mit einem Startgebot von 10.700 Euro unter den Hammer

Foto: Christine Wang, Galerie Nagel Draxler

An diesem Samstagabend wird es wieder laut und leidenschaftlich, ganz besonders unter denen, die sich übers Jahr hinter der Schweigemauer der Diskretion verstecken. Wie Andreas Obereder zum Beispiel, Münchner, "gebürtiger Oberösterreicher", wohnhaft in Grünwald. Mit 28 Jahren gründete er das Software-Unternehmen Atoss, jetzt mit 61, im Auftritt eine Mischung aus Grandseigneur und Silicon Valley-Intellektuellem, ist er nach wie vor Vorstandsvorsitzender. Sein Firmenlogo leuchtet in knallorange, über das neue Werksviertel, dem architektonischen Sinnbild südlicher Innovationspotenz. Mit Atoss hat Obereder nicht nur einen sogenannten Tenbagger geschaffen, Zigvervielfacher an Börsenwert (derzeit 1.7 Milliarden), er gehört auch zum Club der wachstumsstärksten deutschen Mittelständler, wurde jüngst Preisträger von Bayerns Best 50; schon der dritte Löwe für Atoss in den letzten 15 Jahren. Presseauftritte? "Niemals."

Aber für die PIN. will er Gesicht zeigen. Nicht nur weil er zum Netzwerk der guten Bürger seiner Wahlheimat gehören will (er sitzt im Kuratorium der bedeutenden PIN.-Freunde), nicht nur, weil er einst selbst gemalt und in München dann schnell Kontakt in die Künstlerszene gefunden hat. Obereder sieht auch eine verbindende Parallele zwischen Kunst und Unternehmertum. Beide bräuchten Zeit zu reifen, bis der Erfolg auf solider Basis baut, sagt er. Geduld, Beharrlichkeit. Tugenden, die er bei der Generation Z häufig vermisst.

Millionen-Erlös für die Pinakothek und das Museum Brandhorst

Auf der PIN.Party  ist Tempo essenziell, lässt Puls und Preise hochschnellen, Nervenkitzel inkludiert. Dazu Gourmetcatering und Netzwerken vom Feinsten. Und das alles, Hallelujah, für die gute Sache: Der Erlös kommt der Pinakothek der Moderne und dem Museum Brandhorst zugute, die damit ihrerseits Gutes bewirken. Etwa Kinder aus bildungsfernen Schichten durch künstlerische Anleitung Selbstbewusstsein und eigene Wirksamkeit erfahren lässt. Wer bei den Parties in München und Kitzbühel nicht dabei ist, kann online mitbieten - muss sich aber vorher registrieren .

Die Gesellschaftsauguren ziehen Parallelen zwischen New York und der Isarmetropole. Was den einen ihr weltberühmter Met-Ball, ist den Münchnern ihre PIN.-Party, pietätshalber nennen sie es dieses Jahr Benefizauktion. Sich einen einzigartigen Medienauftritt zu verschaffen, läuft in München im Gegensatz zum Fashion-Craze des Metropolitan nicht übers Outfit, sondern über die ersteigerte Kunstbeute. Susanne Porsche, Filmproduzentin, Investorin und Mutter von Wolfgang Porsches jüngsten Söhnen wurde so vor einigen Jahren zur gehypten Putzfrau der Stadt, als sie sich eine Wischmob-Skulptur des Künstlers Benjamin Bergmann ersteigerte, damit die mediale Aufmerksamkeitstrophäe abräumte und für ordentlich Amüsement sorgte.

Kein Wunder, dass Ingvild Goetz, Granddame unter den großen Sammlern, Großerbin des Otto-Versandhandelsreich, festhält, "Das PIN.Fest ist einmalig in Deutschland", und rein rethorisch fragt, "Wo gibt es das? Hip und glamourös, Disco und Auktion, Jung und Alt, und das in einem spektakulären Ambiente!" Disco gibt es nicht in diesem Jahr, das verbieten die Pandemieregeln. Und während man noch nach Vergleichbarem sucht, hat die Goetzin bereits das Diktum parat, "Das ist die begehrteste Charity-Party des Landes."

Kunst - Säule der Demokratie

Münchens Leistungselite verhält sich entsprechend. Tom Bachmeier zum Beispiel. Vor gut 21 Jahren gründete er das Software Unternehmen think!project, das er nach fast zwei Jahrzehnten als CEO nun als Aufsichtsrat begleitet. Bevor er fest verankert war im PIN.-Netzwerk, er ist neuerdings im Vorstand, "hatten meine Frau und ich darüber gelesen und dachten, da wollen wir einmal selbst dabei sein". Die beiden sind seit Jahren eifrige Mitbieter, die so lange weitersteigern, bis sie mit passender Kunst nach Hause gehen, samt dem "beglückenden Gefühl, Gutes getan zu haben". In diesem Jahr werden die Bachmeiers noch großherziger mitbieten. Durch die Pandemie sei "das Wofür und Warum noch stärker geworden". Im Klartext: Das Geld wird dringend gebraucht.

Uwe Reuter, der Vorstandsvorsitzende der VHV Versicherungsgruppe schaltet im Raison d’être einen Gang höher (dass er gehörig sponsert ist seit Jahren eine Selbstverständlichkeit): In unserer von Befindlichkeitsdiktaten gespaltenen Gesellschaft sieht er die Kunst traditionell als "Freiraum für einen offenen Diskurs unterschiedlicher gesellschaftlicher Positionen". Weil sie "die auf gegenseitigem Respekt basierende Meinungsfreiheit stärkt", wird sie aus Reuter´s Sicht zur "wichtigen Säule unserer Demokratie". Ob es darauf eine Versicherungspolice gibt?

Mit solch theoretischem Überbau gewappnet, kann man es jedenfalls getrost krachen lassen. Für Thomas Girst von der BMW Group "ist ein Engagement für den wichtigsten Kulturabend des Jahres eine Selbstverständlichkeit". Nicht anders hält es die Allianz, die sich genauso wie BMW ganzjährig für die Kunst der Moderne einsetzt. Wie sämtliche seiner Mitstreiter aus der Wirtschaftsszene hat Bernd Heinemann, Vorstandsmann der Allianz Deutschland, Höheres im Blick. "Kunst hinterfragt und betrachtet die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln", wie auch jede Führungskraft es tun sollte, möchte man hinzufügen. "Das fördert Ideen – und Ideen sind die Grundlage für Innovation und Veränderung".

Top-Event für die Wirtschaftselite

Auch Andrea Karg, Gründerin des Modelabels Allude und PIN.Gala-Fan, wird von der Kunst in andere Sphären expediert. "Lässt man sich auf Sichtweisen jenseits der eingeübten Routinen ein, erweitert das den eigenen Horizont und ist immer wieder ein kleines Wunder."

Ein ebensolches Wunder bringen die Alpha-Frauen der PIN.Freunde zustande. Sie organisieren das alljährliche Top-Event, ziehen die Fäden des Netzwerks dichter zusammen. Obwohl sie Pro Bono wirken, organisieren sie sich wie ein Konzern. Mit Dorothée Wahl als Vorstandsvorsitzende und der Katharina von Perfall als Stellvertreterin. (In den Jahren zuvor waren die Rollen andersherum). Ganz ohne poetische Verrenkungen kommen sie auf bewährte wie potenzielle Sponsoren zu. "Können Sie helfen?", habe ihn Frau von Perfall direkt angesprochen, erzählt Andreas Obereder. Er konnte, natürlich. In seinem Firmensitz hängen gleich mehrere Beutestücke früherer Auktionen, darunter ein immenser Cowboyhut des französischen Künstlers Loup Sarion.

Kunst und Wirtschaft brauchen sich gegenseitig. Auch deshalb: Vermögensverwalter Jens Ehrhardt (DJE Kapital) ehrt mit seinem Engagement das Gedenken an seinen Vater, den Fotografen Alfred Ehrhardt und bringt es auf den Punkt – "Die Unterstützung der PIN fördert unser Image".

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