Krisenliteratur Ratgeber zum Crash

Expertise zur Finanzkrise ist gefragt. Auf der Frankfurter Buchmesse stellen zahlreiche Autoren ihre Veröffentlichungen zu den Turbulenzen an den Märkten und den dahinter stehenden Ursachen vor. manager-magazin.de gibt einen Überblick.

Frankfurt am Main - Die Krise als Chance für Sachbuchautoren: Die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten sorgen für steigende Nachfrage nach Büchern zum Thema. Gefragt ist alles, was direkt oder indirekt mit dem Debakel zu tun hat, heißt es bei Verlagen auf der Frankfurter Buchmesse. Titel wie "Achtung - Geld in Gefahr. Wie wir jetzt unser Einkommen und Vermögen schützen", "Gold - Die Währung der Zukunft" oder auch das "Bankenhasserbuch" bedienen den Zeitgeist und versprechen Transparenz und Aufklärung.

In "Endlich Klartext" wirft Folker Hellmeyer einen Blick hinter die Kulissen des Finanzsystems. "Inwieweit darf man volkswirtschaftlichen Daten aus den USA überhaupt noch glauben?" fragt der Chefanalyst der Bremer Landesbank und fordert dazu auf, sich mehr in Märkte und Demokratie einzumischen.

Auch Starinvestor George Soros beschreibt die Ursachen des Debakels, die gravierenden Fehler der Banken und erläutert, warum die Krise noch längst nicht ausgestanden ist. Guten Absatz versprechen in diesen Zusammenhang auch Bücher zu Risikomanagement und Stressbewältigung.

In "Crash" geben die "FAZ"-Redakteure Gerald Braunberger und Benedikt Fehr Einblicke in die Historie von Finanzkrisen, in "Geld in Gefahr" erläutern Martin Hüfner und Heiner Sieger, wie man sein Geld in Sicherheit bringt.

William Bonner und Lilia Rajiva schreiben in "Das Massensyndrom" über das Überleben in wirtschaftlichen und politischen Krisen mit Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart. Sie erläutern, warum es gut ist, gegen den "Herdentrieb" zu handeln und auch mal gegen den Strom zu schwimmen.

Friedrich Merz in Erklärungsnot

Friedrich Merz in Erklärungsnot

Das mochte sich auch Friedrich Merz bei seinem neuen Buch "Mehr Kapitalismus wagen" gedacht haben. Unbeirrbar plädiert der ehemalige Unions-Fraktionschef im Bundestag darin für mehr Vertrauen in die Mechanismen der Marktwirtschaft. Immerhin sei der Titel in diesen Zeiten erklärungsbedürftig, räumt der Politiker im Gespräch auf der Buchmesse selbst ein. Merz: "Manche mögen denken der Merz spinnt!". Dennoch wolle er in seinem Buch für eine freiheitliche Ordnung werben.

Regalnachbar von Merz im Piper Verlag ist ausgerechnet Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mit "Links neu denken". Auch "Marx ist wieder in Mode", heißt es beim Berliner Karl-Dietz-Verlag, der unter anderem das Hauptwerk des Sozialismusvordenkers Karl Marx "Das Kapital" herausgibt.

Nicht jeder Verlag kann bereits auf der Messe mit einem entsprechenden Titel aufwarten. Einige zaubern daher auch weniger brandaktuelle Werke wieder hervor und geben sie in Neuauflagen oder erweiterten Fassungen heraus. Droemer Knaur, das auch das "Börsenhasserbuch" im Programm hat, hat sich den Frankfurter Kursmakler Dirk Müller gesichert. Sein Buch zur Krise soll im Januar 2009 erscheinen.

Die Verlagsbranche selbst äußert sich nur verhalten dazu, ob sie selbst auch von der Finanzkrise betroffen ist. Wie das Branchenmagazin "Börsenblatt" schreibt, berichten einige bereits von Kreditschwierigkeiten, andere sehen die Krise aber auch durchaus als Chance und fühlen sich von der Kreditwirtschaft umworben: "Die Banken besinnen sich wieder auf ihr Kerngeschäft - Geschäfte mit Unternehmen". Ob die Neuerscheinungen zur Aufklärung über die Hintergründe der Krise ihr Ziel erreichen, bleibt abzuwarten. Möglicherweise liegt aber auch Autor Dan Ariely mit seinem Buchtitel genau richtig: "Denken hilft zwar, nützt aber nichts".

Karolin Köcher, dpa

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