Kunstbücher Lauter große Unbekannte

Was wissen Sie über Freud, nein, nicht Sigmund - Lucian, seinen Enkel, den Maler? Wer waren all die hübschen jungen Mädchen, die dem alten Henri Matisse Modell standen? Was trieb Jeff Koons, nachdem seine Kunst-Ehe mit Pornodame Cicciolina zu Ende war? Drei Bücher, prall gefüllt mit Neuem, beantworten alle diese Fragen.

Hamburg - Den Weltrekord brachte ein verknittert dreinschauender Kerl in verknittertem blauen Anzug. Das Bildnis eines Kunstkritikers, gemalt in realistischer Manier vom britischen Maler Lucian Freud, einem Enkel des Wiener Psychoanalytikers, brachte jetzt in der Juni-Auktion von Christie's ungeheuerliche 11,6 Millionen Euro - der höchste Preis, der je für die Arbeit eines lebenden europäischen Künstlers gezahlt wurde.

Dabei gehört Freud - in angelsächsischen Ländern hochgeschätzt - hierzulande eher zu den großen Unbekannten. Ein Missstand, dem nun ein prächtiges Bilderbuch abhilft, in dem das Werk des vorrangig auf großformatige, pastos hingeworfene Porträts und Akte spezialisierten Künstlers breitwandartig entrollt wird.

Begleitet werden die Bildwelten des Melancholikers von einem Text des unübertroffenen australischen Kritikers Robert Hughes, der den zurückgezogen lebenden Maler mehrfach treffen konnte. Leider fehlt das Bildnis des Models Kate Moss, das vor drei Jahren in England für heftigen Wirbel sorgte.

Einer, der sicher keiner kommunikativen Nachhilfe bedarf, ist der französische Großmeister Henri Matisse. Möchte man meinen - bis man die zwei Bände "Der unbekannte Matisse" in Händen hält. Die luxuriös gebundenen und reich illustrierten Bücher aus der Feder der Engländerin Hilary Spurling, in 15 Jahren Recherche zusammengetragen, warten nämlich mit einer Fülle neuen Materials auf, die den Avantgarde-Maler aus Flandern aller Mythen entkleidet, die bislang um ihn gewebt wurden.

Minutiös und dabei sehr gut lesbar erzählt die preisgekrönte Autorin den Lebensweg des Malers vom Arme-Leute-Elternhaus im Kaff Le Cateau bis auf die lichten Höhen des Weltruhms in Paris. Und so erfährt man endlich auch die Namen und Geschichten jener jungen Frauen, die der Meister der Heiterkeit und Sinnenfreude bis ins hohe Alter porträtiert hat.

Und noch eine Neuigkeit: Endlich können wir nachlesen, was der amerikanische Post-Popstar Jeff Koons so alles getrieben hat, seit er die skandalumwitterte Ehe mit dem italienischen Pornohäschen Cicciolina vor mehr als einem Jahrzehnt beendete und aus der Öffentlichkeit nahezu verschwand.

Der Kunstverlag des Kölners Benjamin Taschen, selbst ein Koons-Sammler, bringt jetzt eine Monografie über den Künstler im Superformat heraus. In der neuen XL-Serie erscheint der Band Jeff Koons, 606 Seiten in 33-mal-44-Zentimeter-Format, limitiert auf 1500 Exemplare, signiert vom Meister selbst. Preis: 750 Euro. Ein Stück für Liebhaber.

Dafür gibt es aber auch den ganzen Koons - von den metallenen Abbildern aufgeblasener Spielzeugblumen und -häschen der 80er Jahre über die Fotos und Skulpturen vom Sex mit Cicciolina bis hin zu den jüngsten, psychedelisch angehauchten Ausflügen in die Comicwelt, wo Koons dem Seemann Popeye und dem Riesengorilla King Kong über den Weg läuft. Und Koons dazwischen - immer noch der lachende, ein bisschen infantil wirkende Musterknabe, frohgemut wie eh und je.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.