Kunstbücher Kaufen, was alle kaufen

Es wird gemalt, fotografiert, installiert, was Leinwand, Linse und Labor fassen können - die Kunst erlebt einen Boom wie nie zuvor. Aber wer soll sich in dem Gestrüpp der Namen und Stile noch auskennen? Was taugen die neuen Kunstwerke? Wo hört der Spaß auf? Drei neue Bücher versuchen, einen Pfad zu schlagen.

Soviel Kunst war nie. Gerade ist in Frankfurt die Kunstmesse "Fine Art Fair" zu Ende gegangen, da treten ab heute in Köln 180 Galerien zur "art cologne" (bis 22. April) an, in Düsseldorf 85 Galerien zur neuen "dc Düsseldorf Contemporary" (19. bis 22. April). Und im Juni folgen - Höhepunkt des Kunstjahres - die "documenta" in Kassel, die "Skulptur-Projekte" in Münster, die "Biennale" in Venedig.

Hier wird ein Sternekoch zum Künstler gekürt, dort lädt ein Chinese 1001 Landsleute als lebendige Skulptur zum Ausstellungsevent ein, und im deutschen Pavillon in den Giardini vor der Lagune werden, so der Kurator, Werke gezeigt, die "genau das diskutieren, was uns als Gesellschaft heute wirklich bewegt und berührt".

Anything goes - für den geneigten Kunstfreund bleibt oftmals ein Stoppelacker von Fragezeichen. Drei neue Kunstbücher, allesamt von jungen Autoren, versprechen jetzt Antworten.

"Plötzlich diese Übersicht", nennt der Kunstjournalist Jörg Heiser nassforsch seinen reich bebilderten 368-Seiten-Wälzer (Claassen, 22 Euro), in dem er - hoch intelligent und witzig - beschreibt, "was gute zeitgenössische Kunst ausmacht" (Untertitel).

Indem Heiser auf den Schubladen-Apparat der -Ismen verzichtet und seine Kategorien aus der unmittelbaren Anschauung zimmert, gelangt er zu einer eigenwilligen, in Gegensatzpaaren (Pathos gegen Lächerlichkeit, Kunst gegen Markt) operierenden, aber die verschiedensten Spielarten sehr wohl erfassenden Kunstsicht. Man muss sie ja nicht in jedem Falle teilen.

"Das kann ich auch!", heißt, getreu der klassischen Banausenbehauptung, ein Band der Kunsthistoriker Christian Saehrendt und Steen T. Kittl (Dumont, 14,90 Euro). Keine Angst vor Schulweisheiten, die beiden gehen mit schnoddrigem Charme auf ihr Thema - eine "Gebrauchsanweisung für moderne Kunst" (Untertitel) - los. Und warnen auch schon mal: "Meiden Sie Sonderausstellungen mit Warteschlangen - Sie verpassen nichts".

Die ultimativen Statussymbole

Kunst und Geld

Und auch mit ihren Kunst- Urteilen sind die beiden nicht gerade zimperlich. Selbst große Verblichene wie Szenestar Martin Kippenberger und Halbgott Pablo Picasso sind vor ätzenden Ausfällen nicht sicher. Ebenso wie der Hamburger Gerümpelartist Jonathan Meese, dem die Autoren seine "überladene Interieurs" vorwerfen, "die wie die Zimmer verwirrter Jugendlicher" wirkten.

Nebenher geben sie noch erfrischend freche Einblicke in die Abgründe der Kunstwelt und Ratschläge zum "Vollkontakt mit dem Kunstmob". Motto: "Wie überlebe ich den Ausstellungsbesuch?"

Das Thema "Kunst und Geld" (Untertitel) beackert Piroschka Dossi, Juristin und Kunsthistorikerin mit hochkarätiger Managementausbildung sowie Gattin eines Künstlers. Der Titel, kurz und knapp: "Hype" (dtv, 15 Euro).

"Kunstwerke", legt sie los, "sind heute die ultimativen Statussymbole des Kapitalismus". Und lässt eine ebenso blitzgescheite wie kritische Analyse des Marktgeschehens folgen, in der sie sich Sammler wie Künstler, Händler wie Kunstwerke vorknöpft.

Ihr Erkenntnisgewinn für den ratlosen Kunstkunden am Schluss des bilderfreien Bandes kommt nicht ohne Bitterkeit daher: "Auch wenn immer wieder beteuert wird, man solle nur kaufen, was man liebt, kann sich eine Wertsteigerung nur dann ergeben, wenn man kauft, was auch alle anderen kaufen".