Mangelnde Produktivität CEO feuert 900 Mitarbeiter via Zoom

In Zeiten der Pandemie erscheinen Entlassungen per Videokonferenz nicht vollkommen absurd. Die Produktivität der Mitarbeiter zu messen und daraufhin rund 9 Prozent der Belegschaft während eines Zoom-Meetings zu feuern, ist aber zumindest fragwürdig.

Der Chef des New Yorker Online-Hypothekeninstituts Better.com hat in der vergangenen Woche mehr als 900 Mitarbeiter über die Videokonferenzplattform Zoom gefeuert. "Wenn Sie an diesem Anruf teilnehmen, gehören Sie zu der unglücklichen Gruppe, die entlassen wird", erklärte Vishal Garg (43) seinen Angestellten. Der Gründer und CEO des Unternehmens begründete den Schritt mit Produktivität und Leistung der Belegschaft. Ein entlassener Mitarbeiter filmte den Anruf und postete das Video in den sozialen Netzwerken, seitdem geht der knapp zweieinhalb minütige Mitschnitt viral.

Wie das US-Wirtschaftsmagazin "Fortune " später berichtete, hatte Garg zuvor die Produktivität seiner Mitarbeiter in einer umfangreichen Datenanalyse untersucht: Wann sie telefonierten und wie oft sie zu Meetings und Kundengesprächen erschienen. Auf Grundlage dieser Analyse entschied der CEO dann, wen er entlassen wollte und wen nicht. "Mindestens 250 Mitarbeiter haben durchschnittlich nicht mehr als zwei Stunden täglich gearbeitet, obwohl sie für acht Stunden bezahlt wurden", schrieb der CEO in einer firmeninternen E-Mail. Damit hätten sie die Firma bestohlen.

Better.com will mit seiner Plattform den Verkauf von Häusern vereinfachen. Derzeit bereitet das Unternehmen einen Börsengang über eine sogenannte Firmenhülle (Special Purpose Acquisition Company, kurz Spac) vor. Dafür hat Garg in einer Finanzierungsrunde gerade 750 Millionen Dollar eingesammelt. Bewertet wird Better.com laut Fortune mit rund 6,9 Milliarden Dollar. Zu den Investoren gehören unter anderem der japanische Konzern Softbank. Mit dem Zoom-Anruf feuerte Garg rund 9 Prozent der Belegschaft. Nun arbeiten noch 9000 Mitarbeiter für das Institut, das in den USA, Indien und Großbritannien tätig ist.

Garg war schon zuvor einmal mit seinem Führungsstil aufgefallen. Wie das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" berichtete, war im vergangenen Jahr eine E-Mail an Mitarbeiter bekannt geworden, in der er seine Angestellten als "einen Haufen dummer Delfine" beschimpft haben soll, die zu langsam seien und ihn wahnsinnig machten.

mg
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