Arnault macht Bezos Konkurrenz Gestatten, der andere reichste Mann der Welt

Trotz Corona-Pandemie befindet sich die Aktie des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH seit Monaten auf Höhenflug. Haupteigner Bernard Arnault kletterte dadurch im Ranking der Superreichen ganz nach oben.
Bernard Arnault: Nicht nur Tech-Bosse verdienen richtig Geld

Bernard Arnault: Nicht nur Tech-Bosse verdienen richtig Geld

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Claudio Lavenia / Getty Images

Am Montag hatte Bernard Arnault (72) allen Grund, einen guten, hauseigenen Champagner zu öffnen. Einen "Dom Pérignon Rosé Vintage 2003" beispielsweise, die 3-Liter-Flasche in der Holzkiste zu 3693 Euro . Denn am Montag gab es etwas zu feiern: Erstmals seit Langem führte das US-Magazin "Forbes" den französischen Milliardär und Luxusunternehmer als reichsten Mann der Welt .

Rund 189 Milliarden Dollar beträgt Arnaults Privatvermögen laut "Forbes" inzwischen. Damit liegt er dem Magazin zufolge etwa gleichauf mit Amazon-Chef Jeff Bezos (57), mit dem er sich in diesen Tagen an der Spitze des "Forbes"-Realtime-Rankings der weltweit reichsten Menschen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert . Mal hat der eine die Nase vorn, wenige Stunden später ist es schon wieder der andere.

Es ist der Höhepunkt eines Aufstiegs, für den Arnault die Grundlage bereits in den 1980er-Jahren legte. Seinerzeit erwarb er erste Unternehmensanteile und schuf damit die Keimzelle jenes Luxusgüterkonzerns, auf dem Arnaults Reichtum bis heute im Wesentlichen beruht: LVMH. Angefangen mit dem Zusammenschluss aus dem Lederwarenspezialisten Louis Vuitton und dem Getränkekonzern Moët Hennessy ist daraus bis heute ein weltumspannender und nach wie vor wachsender Luxusgüterkonzern geworden. Ledertaschen, Mode, Uhren, Schmuck, Spirituosen, Wein, Champagner - mehr als 75 Marken zählen bereits zur LVMH-Welt, und stetig werden es mehr (lesen Sie hier unseren Exklusiv-Report aus dem Inneren des LVMH-Konzerns ).

Zuletzt verleibte Arnault seinem Reich im vergangenen Jahr die bekannte US-Juwelierkette Tiffany's ein. Und der nächste Deal nimmt womöglich gerade Gestalt an: Vor wenigen Wochen erhöhte er den Anteil am italienischen Schuhhersteller Tod's auf 10 Prozent. LVMH-Kenner wissen: Da könnte noch mehr gehen.

Leben von der Lust auf Luxus

Dabei basiert der Erfolg des Franzosen im Grunde auf dem schönen Schein: Arnaults Firmen verkaufen zum Großteil Dinge, die kaum jemand wirklich benötigt, und das zu Preisen, die in keinem vernünftigen Verhältnis zum nominellen Wert zu stehen scheinen. Doch die Lust auf Luxus ist offenbar rund um den Globus so groß, dass sich darauf ein Milliardenkonzern aufbauen lässt. Und diese Lust wurde auch durch die Corona-Pandemie nicht nachhaltig gestört. Zwar meldete LVMH zu Beginn dieses Jahres einen Umsatzrückgang im Corona-Jahr 2020 um insgesamt 17 Prozent auf 44,7 Milliarden Euro. Schon im dritten und vierten Quartal zogen die Geschäfte jedoch zum Teil wieder an.

Während Europa nach wie vor unter der Pandemie leide, sei in den USA bereits eine gute Erholung zu beobachten, teilte LVMH im Januar mit . In Asien legten die Verkäufe zu dem Zeitpunkt zudem bereits wieder kräftig zu.

Dass sich die Lage seither noch einmal deutlich verbessert hat, zeigen die Quartalszahlen, die LVMH zuletzt im April publik machte. Demnach stieg der Umsatz in den ersten drei Monaten 2021 um 32 Prozent auf 14 Milliarden Euro , angetrieben wiederum durch starkes Wachstum in den USA und Asien.

Im Klartext heißt das: Immer mehr Länder lassen die Corona-Krise hinter sich und kehren zum normalen Wirtschaftsleben zurück. Viele Menschen, die monatelang vor allem online shoppen konnten, strömen zurück in den Einzelhandel - und damit auch in die Luxusläden von LVMH. Das lässt die Umsätze des Konzerns nach oben schnellen.

Bemerkbar macht sich das auch am Aktienkurs des Unternehmens, und damit beim Vermögensstand des Haupteigners Bernard Arnault. Der Unternehmer kommt zusammen mit seiner Familie auf 47 Prozent der LVMH-Anteile und mehr als 60 Prozent der Stimmrechte. Der Wert dieser Anteile ist zuletzt enorm gestiegen: Trotz Corona-Krise hat die LVMH-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 70 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Das Papier des Amazon-Konzerns, der als einer der größten Onlinehändler der Welt zu den Corona-Gewinnern gezählt wird, verteuerte sich im gleichen Zeitraum lediglich um etwas mehr als 30 Prozent.

Auf dem Rekordniveau, auf dem die LVMH-Aktie inzwischen notiert, wird der Konzern an der Börse mit einem Gesamtwert von rund 323 Milliarden Euro gehandelt. Auch hier ein Vergleich: SAP als wertvollster Dax-Konzern kommt auf einen Marktwert von rund 143 Milliarden Euro.

Kein Wunder also, dass Bernard Arnault auf dem Reichstenranking zuletzt besonders rasant nach oben eilte. Noch im März 2020 taxierte "Forbes"  das Privatvermögen des Franzosen auf 76 Milliarden Dollar.

Dabei ist es keineswegs das erste Mal, dass Arnault um die Spitze des weltweiten Rankings ringt. Im Dezember 2019 hatte der LVMH-Milliardär den Titel des reichsten Mannes der Welt schon einmal inne, schreibt "Forbes" - seinerzeit allerdings nicht einmal einen ganzen Tag lang. Zum Handelsschluss an der Börse lag die Amazon-Aktie wieder ausreichend im Plus, um den französischen Luxusmagnaten auf Platz zwei zu verweisen.

Sollte Amazon-Gründer Jeff Bezos die "Forbes"-Krone dieses Mal allerdings auf Dauer abgeben müssen, bliebe ihm zumindest ein Trost: Die Kollegen vom Finanznachrichtendienst Bloomberg berechnen die Vermögen der Superreichen auf eine etwas andere Art und Weise. Im Bloomberg-Billionaires-Index  hat der Amazon-Chef daher nach wie vor einen dicken Vorsprung vor Arnault.

cr
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