XC40 mit reinem Batterie-Antrieb vorgestellt Volvo präsentiert Elektro-SUV - und will VW überholen

Volvos Kompakt-SUV XC40 gibt es künftig auch mit reinem E-Antrieb - und über 400 Kilometern Reichweite

Volvos Kompakt-SUV XC40 gibt es künftig auch mit reinem E-Antrieb - und über 400 Kilometern Reichweite

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Die schwedische Automarke Volvo gibt bei Elektroantrieben schon seit längerem mächtig Stoff: Ihren einstigen Haustuner Polestar haben die Schweden zur reinen Elektromarke umgepolt, der Stammmarke selbst hat Volvo-Chef Hakan Samuelsson bereits vor zwei Jahren einen strammen Elektro-Kurs verordnet. Ab 2019, so versprach es Samuelsson Ende 2017, soll jedes neu vorgestellte Volvo-Modell elektrifiziert sein - also wahlweise mit Mildhybrid, per Kabel aufladbarem Plugin-Hybrid oder reinem Batterie-Elektroantrieb verkauft werden.

Nun hat Volvo sein erstes reines Elektroauto auf Basis eines Verbrennermodells vorgestellt - und seine künftige Marschrichtung vorgegeben: Die Schweden wollen punkto Nachhaltigkeit der Konkurrenz davonfahren - und in sieben Jahren gemessen am gesamten Neuwagenabsatz mehr Elektroautos verkaufen als der Volkswagenkonzern. Reine batteriegetriebene Elektroautos, so erklärte Volvo-Chef Hakan Samuelsson nun, sollen bereits 2025 die Hälfte des weltweiten Volvo-Neuwagenverkaufs ausmachen.

Beim Volkswagen-Konzern sollen reine Elektroautos in sieben Jahren ein Viertel der gesamten Verkäufe ausmachen - die Schweden sind also noch ehrgeiziger ehrgeiziger als die Wolfsburger. Der Ehrgeiz hat wohl auch ein Stück weit mit den CO2-Vorschriften der EU zu tun. Denn Volvo hat zwar aktuell nur drei Baureihen. Bei denen stehen die SUV-Varianten XC90, XC60 und XC40 aber die Bestseller. SUVs sind schwerer als Limousinen, ihr CO2-Ausstoß ist höher. Wollen die Schweden auch künftig die EU-Vorgaben einhalten, müssen sie künftig viel mehr SUVs als bisher mit Plugin-Hybridaggregaten oder gleich mit reinem Elektroantrieb verkaufen.

Und genau dafür bereitet Volvo jetzt den Boden vor - natürlich, ohne das so ganz exakt beim Namen zu nennen. Die Schweden gehen aber durchaus vorbereitet an den Start. Plugin-Hybride mit knapp 40 Kilometer Reichweite bieten die Schweden bereits seit längerem für ihre große 90- und mittelgroße 60er-Baureihe an. Ab Mitte November 2019 ist auch der Kompakt-SUV XC40 mit einem solchen Antrieb erhältlich - und bald auch als reines Elektrofahrzeug.

In Los Angeles hat Volvo nun die rein batteriegetriebene Version des XC40 vorgestellt. Als "Meilenstein auf dem Weg in eine elektrische Zukunft" preisen die Schweden ganz unbescheiden ihr neuestes Modell. Über 400 Kilometer weit (laut WLTP-Testzyklus) soll der Elektro-Kompakt-SUV in stärkster Auslegung mit 78 kWh großer Batterie kommen. Das "P8 AWD Recharge" genannte Topmodell soll umgerechnet 408 PS auf die Straße bringen, und in weniger als 5 Sekunden auf 100 km/h schießen.

Neben dem E-Antrieb bringt der Wagen noch eine weitere Neuerung mit: Sein neues Infotainmentsystem integriert Googles Android-Betriebssystem nun tiefer und direkter als die bisherige Lösung. Das vereinfacht die Sprachbedienung und soll die Navigation vereinfachen, wie Polestar-Chef Thomas Ingenlath vor kurzem im Interview erläuterte.

Ehrgeiz bei Verkäufen von Plugin-Hybriden

Den Zusatz "Recharge" will Volvo künftig für alle per Kabel aufladbaren Modelle benutzen - also für Plugin-Hybride und jene mit vollelektrischem Antrieb. Zugleich verpassen sich die Schweden ehrgeizige Elektro-Absatzziele und schwingen sich zu Vorreitern in punkto Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion auf.

Schon im kommenden Jahr sollen Plugin- und reine Elektroantriebe 20 Prozent des gesamten Neuwagenabsatzes ausmachen, erklärte Volvo-Chef Samuelsson in einer Telefonkonferenz. In diesem Jahr, so präzisierte er auf Nachfrage, liegt der Anteil der Plugin-Hybride am Gesamtverkauf bei 10 Prozent. Die Schweden streben also eine Verdopplung in diesem Bereich an.

Um diesen Absatzssprung hinzubekommen, will Volvo einen ganz besonderen Anreiz für E-Fahrer setzen: Volvo-Neuwagenkäufern, die sich für einen Plugin-Hybriden entscheiden, wird der Autohersteller die Stromkosten im ersten Jahr erstatten. Dafür wird Volvo per App messen, wie viele Kilowattstunden Strom ihre Kunden geladen haben - und ihnen dann am Ende des Jahres den Durchschnittspreis je bezogener Kilowattstunde rückvergüten. Das werde, so hoffe Volvo, "ein netter Weihnachtsbonus für unsere Kunden sein", erklärte Samuelsson.

Ziel ist es, dass Volvo-Plugin-Käufer künftig 50 Prozent ihrer gefahrenen Kilometer im reinen Elektromodus zurücklegen. Aktuell sind es noch rund 40 Prozent. Ehrgeiz zeigt die zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Automarke auch, was den Absatz reiner Elektroautos betrifft. Bereits 2025, so kündigte Samuelsson nun an, sollen die Hälfte der verkauften Volvo-Neuwagen weltweit reine Batterie-Elektroautos sein. Ein ähnliches Elektro-Ziel hat übrigens auch der deutsche Sportwagenbauer Porsche.

Nachhaltigkeit als wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells

Aktuell diskutiere Volvo laut Samuelsson mit den Gewerkschaften auch darüber, sämtliche Geschäftsaktivitäten rund um Verbrennungsmotoren in einen eigene Sparte auszulagern. Diese soll dann in einem zweiten Schritt als eigenständige Einheit Aggregate an Volvo, die neue Geely-Tochtermarke Lynk & Co und die Mutter Geely selbst liefern.

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Rund zwei Millionen Verbrennungsmotoren und Hybridantriebe pro Jahr könnte dieser neue, interne Aggregatelieferant bauen, möglicherweise auch für Dritte. "In einem schrumpfenden Markt sollte man versuchen, Dinge zusammenzulegen und Synergien zu nutzen", erklärte Samuelsson den Schritt. "Ich glaube, wir werden damit sehr früh dran sein".

Früh dran sein will Volvo auch bei der Senkung des eigenen CO2-Fußabdrucks. Bis 2025 soll die Bilanz jedes Volvo-Modells um 40 Prozent gegenüber den Werten von 2018 sinken. Um dies zu erreichen, will Volvo seine Werke in den kommenden Jahren komplett mit Ökostrom betreiben. In den kommenden sechs Jahren will Volvo auch die CO2-Emissionen bei seinen Lieferanten um 25 Prozent reduzieren. Den Anteil von Recycling-Kunststoffen in Neuwagen will Volvo in diesem Zeitraum auf 25 Prozent heben, den gesamten durch die Geschäftstätigkeit verursachten CO2-Ausstoß um ein Viertel senken.

Bei der Preis-Frage gibt sich Volvo erstaunlich zugeknöpft

"Nachhaltigkeit wird wichtiger Bestandteil unserer Geschäftsidee sein, ebenso wie unser Fokus auf Sicherheit", drückte es Samuelsson aus. Es sei aber nicht oberste Priorität, dabei das "ehrgeizigste Ziel von allen" vorzulegen. Wichtiger sei es, nun erstmal kurzfristige Reduktionsziele zu definieren. Man wolle sich erstmal um das kümmern, was man selbst steuern könne - also die Emissionen des Geschäftsbetriebs, die der Fahrzeuge und in Maßen auch jene der Lieferanten.

Ein langfristiges Oberziel gibt es aber dennoch: Bis 2040 will Volvo ein klimaneutrales Unternehmen sein. Und als reine Elektroauto-Marke will Volvo auch künftig nicht auffahren, wie sich aus Samuelssons Worten enthnehmen ließ. Denn, so erklärte er, man müsse realistisch sein. "Für Hybride wird es noch lange Zeit eine solide Nachfrage geben", sagte der Volvo-CEO in dem Gespräch.

Volvos vor kurzem abgeschlossene Lieferverträge etwa mit dem chinesischen Zellenhersteller CATL helfen nun dabei, dass man die Produktion an Plugin-Hybriden und reinen E-Autos kräftig hochfahren könne. Die Nachfrage nach den Elektro-Volvos wird aber auch stark von deren Preis abhängen - und da gab sich Samuelsson erstaunlich zugeknöpft. Die Elektro-Version des XC40 werde zu einem "wettbewerbsfähigen Preis" im Premium-Segment auf den Markt kommen, ließ er auf Nachfrage wissen.

Den tatsächlichen Preis für den XC40 Recharge will Volvo dann Ende des Jahres bekanntgeben.