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Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Der VW-Abgasskandal und die Folgen Konzernchef Müller und Betriebsratschef Osterloh raufen sich zusammen

Von mm-newsdesk

17.45 Uhr: Nach der massiven Kritik von Betriebsratschef Bernd Osterloh hat VW-Chef Matthias Müller eine engere Zusammenarbeit bei der Lösung der weltweiten Abgas-Krise angekündigt. "In der jetzigen, schwierigen Situation müssen wir gemeinsame Entscheidungen treffen, welche die Wirtschaftlichkeit genauso berücksichtigen wie die Beschäftigung", sagte Müller am Montag nach einer Sitzung des Aufsichtsrates in Wolfsburg. Bis zur nächsten Sitzung des Kontrollgremiums am 20. November soll es daher eine Reihe von Gesprächen zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretung geben, "um einen gemeinsamen Weg für die Zukunft des Unternehmens zu bestimmen". "Matthias Müller wird sich persönlich um die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Betriebsrat kümmern. Dies ist ein starkes Signal für die Belegschaft", betonte Osterloh. Die Herausforderungen der Abgas-Krise seien "enorm, aber die Belegschaft steht hinter dem Unternehmen, sofern es uns gelingt, eine ausgewogene Planung zwischen Investitionen, Sparmaßnahmen und Zukunftsprojekten zu verabreden". Ende vergangener Woche hatte Osterloh öffentlich massive Kritik an Müller geäußert: "Der Betriebsrat wird bewusst außen vor gelassen. Der Vorstand verkündet Sparmaßnahmen einseitig und ohne Grundlage", hatte Osterloh am Freitag gesagt.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh: "Matthias Müller wird sich persönlich um die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Betriebsrat kümmern"

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh: "Matthias Müller wird sich persönlich um die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Betriebsrat kümmern"

Foto: DPA / Volkswagen

16.05 Uhr: Mit seiner Gutschein-Entschädigungsaktion bei US-Kunden dürfte Volkswagen vergleichsweise günstig davonkommen, meint mm-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna: Zwischen 200 und 400 Millionen Euro wird Volkswagen of America sein "Customer Goodwill Package" kosten. Das schätzt Jürgen Pieper, Automobil-Experte und Leiter der Analyseabteilung des Bankhauses Metzler. Berichten zufolge wird Volkswagen jedem Kunden in Nordamerika Gutscheine im Wert von 1000 Dollar anbieten.

In den USA sind 482.000 VW-Fahrer von dem Abgasskandal betroffen, in Europa ist es die 18-fache Zahl, nämlich 8,5 Millionen Fahrzeuge. Deshalb werde der Volkswagen-Konzern an seine europäischen Kunden keine ähnlich großzügigen Gutscheine aushändigen, meint Pieper. "Das würde eine neue Dimension der Kosten bedeuten", sagt er. In den USA sei die Lage für die Marke VW auch vor dem Abgas-Skandal bereits schwierig gewesen. Auf VWs Heimatkontinent ist die Image-Politur per Gutschein dagegen nicht zwingend notwendig. "In Europa trägt der Markenname VW", meint Pieper. Viele Kunden sind nach wie vor mit der Marke VW zufrieden.

15.30 Uhr: Bei 540.000 Diesel-Fahrzeugen in Deutschland sind größere technische Änderungen als nur ein Austausch der manipulierten Software nötig. Davon sei nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) derzeit auszugehen, teilte das Bundesverkehrsministerium in Berlin mit.

15.05 Uhr: Die Grünen fordern eine bessere Entschädigung der Kunden auch in Deutschland. "Wir brauchen einen größeren und besseren Schadenersatz für die Verbraucher", sagte Parteichefin Simone Peter in Berlin. In den USA würden Mittel gezahlt. "Auch darüber müsste sich Deutschland, müsste sich Europa Gedanken machen." Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert ebenfalls finanzielle Hilfen für VW-Kunden.

14.15 Uhr: Wie die US-Autoseite "The Truth About Cars" berichtet , will Volkswagen seine vom Abgasskandal betroffenen US-Kunden mit zwei Gutscheinen entschädigen:

1. einer 500-Dollar-Geschenkkarte, die überall eingelöst werden kann, und

2. einem 500-Dollar-Gutschein für teilnehmende VW-Händler.

Zudem verspricht Volkswagen drei Jahre kostenlosen Pannenservice.

13.50 Uhr: Die VW-Tochter Skoda hat im ersten Monat nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals weniger Autos verkauft. Im Oktober fiel der Absatz im Jahresvergleich um 2,7 Prozent auf 88.500 Fahrzeuge, wie das Unternehmen mitteilte. Verkaufsrückgänge habe es vor allem in Russland und Osteuropa gegeben, aber auch in Westeuropa ging der Absatz zurück. Wegen meist längerer Vorlaufzeiten beim Autokauf dürfte sich der Diesel-Skandal aber nur teilweise bemerkbar gemacht haben. Experten vermuten, dass vor allem die Marke VW unter der Affäre leiden dürfte.

13.25 Uhr: Auch ElringKlinger beliefert den Volkswagen-Konzern mit Teilen. Doch sieht sich der schwäbische Dichtungs- und Hitzeschildproduzent von "Dieselgate" bislang wenig getroffen. Der Absatz von Volkswagen selbst könnte zwar sinken, sagt Vorstandschef Stefan Wolf. "Aber das sollte sich auf uns kaum auswirken." Was am aktuellen Umsatzanteil des Wolfsburger Konzerns von 8 Prozent verloren gehen könnte, will der MDax-Konzern von anderen Autoproduzenten hereinholen. Denn Wolf rechnet mit einem Umstieg von VW-Kunden auf andere Marken.

13.10 Uhr: Der Autozulieferer Continental gehört neben Konkurrenten wie Bosch zu den weltgrößten Autozulieferern und ist einer der größten VW-Partner. Conti rechnet wegen des Abgasskandals derzeit weder in den USA noch in Europa mit größeren Veränderungen der Nachfrage nach Dieselfahrzeugen. Vor allem in Europa, wo Diesel etwa die Hälfte des Automarktes ausmachen, gebe es momentan keine Anzeichen, dass sich die Anteile kurzfristig zugunsten von Benzinern verschieben könnten, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Der Manager gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass es noch zu früh sei für Aussagen zu möglichen mittelfristigen Folgen.

12.55 Uhr: mm-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna erläutert, warum Volkswagen seinen Kunden in Nordamerika Gutscheine anbietet: "Offenbar sind die Zahlungen dafür gedacht, die US-Kunden bei Laune zu halten - und letzlich auch an ihre Daten zu kommen. Auf etwaige Schadenersatzansprüche oder Klagen müssen die Gutscheinempfänger nicht verzichten, deutet ein VW-Sprecher an. Allerdings werden die genauen Konditionen von VW of America festgelegt und noch im Laufe der Woche bekanntgegeben.

Kunden können sich mit ihrer Fahrzeugnummer und weiteren Kontaktdaten auf der Website vwdieselinfo.com  für das "Customer Goodwill Package", also die Gutscheinaktion von Volkswagen, registrieren. Das ist durchaus clever, denn in einigen US-Bundesstaaten gibt es keine zentralen Fahrzeugregister wie in Deutschland. Und das macht es für Volkswagen möglicherweise schwierig, alle 482.000 betroffenen Fahrzeugbesitzer direkt zu erreichen. An die Kundendaten mithilfe eines Gutscheinprogramms heranzukommen, möge ein Aspekt sein, 'der begünstigend hinzukommt', erklärt ein VW-Sprecher auf Nachfrage."

12.20 Uhr: Bekommen auch deutsche VW-Kunden bald Einkaufsgutscheine? Folgendes hat mm-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna herausgefunden: "Die Statements von Volkswagen sind vorsichtig, aber dennoch relativ deutlich: Deutsche VW-Besitzer, deren Autos vom Abgasskandal betroffen sind, erhalten erst mal kein Bargeld oder Einkaufsgutscheine als Entschädigung. In Nordamerika bereitet Volkswagen derzeit solche Zahlungen direkt an die Kunden vor. 'Das ist eine Maßnahme, die zunächst in den USA und Kanada angeboten wird', erklärte ein VW-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. In Europa stehe 'im Vordergrund, dass die betroffenen Fahrzeuge nachgebessert und den Kunden geholfen wird.' Im Klartext: In Europa konzentriert sich Volkswagen auf einen schnellen Rückruf und die Reparaturen der 8,5 Millionen betroffenen Fahrzeuge, in den USA kann das noch etwas dauern.

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Foto: © Ralph Orlowski / Reuters/ REUTERS

Je nach Markt soll es laut VW 'individuelle Maßnahmenpakete' geben. Wie diese konkret aussehen sollen, sei noch nicht entschieden. Was den deutschen Kunden zur Lösung angeboten wird, stimmt VW derzeit mit den Behörden ab - die Details zum Gutscheinprogramm in Nordamerika gibt VW of America noch in dieser Woche bekannt. Zu Berichten der US-Website 'The Truth about Cars', wonach die US-Gutscheine zum Teil frei und zum Teil ausschließlich bei VW-Händlern eingesetzt werden können, hieß es bei VW: 'Der Betrag und dessen Aufteilung wurden noch nicht kommuniziert, deshalb können wir das auch noch nicht kommentieren.'"

12 Uhr: Während im Wolfsburger VW-Werk der Aufsichtsrat tagt, protestieren draußen Greenpeace-Aktivisten. Sie kletterten auf das Tor und änderten das VW-Logo mit einem mitgebrachten Buchstaben und einer Ziffer in "CO2". Dazu spannten sie ein Banner auf mit dem Slogan "Das Problem" - statt "Das Auto.", mit dem VW wirbt. Mit der Aktion forderten die Umweltschützer nach eigenen Angaben vom VW-Aufsichtsrat mehr Transparenz bei Abgastests und konkrete Daten, die zeigen, wie hoch der aktuelle CO2-Flottenwert des Konzerns tatsächlich ist.

11.35 Uhr: VW will Opfer des Abgasskandals in den USA möglicherweise mit Einkaufsgutscheinen bis zu 750 Dollar entschädigen, berichtet eine US-Autoseite. Einige der Geschenkkarten sollen zweckungebunden eingelöst werden können - also nicht nur für Autoreparaturen. Wie kommt Volkswagen darauf? mm-Redakteur Nils-Viktor Sorge hat eine mögliche Antwort.

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11.05 Uhr: A propos Bernd Osterloh: Während der VW-Konzernbetriebsratschef gegen den Vorstand austeilt, wird er selbst scharf kritisiert von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Osterloh sei seit vielen Jahren oberster Arbeitnehmervertreter und sitze auch im Präsidium des Aufsichtsrats - er sei "der mächtigste Mann im VW-Konzern", sagte Dudenhöffer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Es ist unvorstellbar, dass Osterloh nichts davon gewusst hat, dass die Mitarbeiter über Jahre in einem System der Angst und der chronischen Überforderung gearbeitet haben." Dieses System habe "maßgeblich dazu beigetragen", offenbar auch mit illegalen Manipulationen Konzernziele zu erreichen.

10.55 Uhr: Heute berät das Präsidium des VW-Aufsichtsrats. Das sechsköpfige Gremium will nach Informationen der dpa unter anderem über die jüngst von Betriebsratschef Bernd Osterloh geäußerte Kritik am Konzernvorstand beraten. Darüber hinaus dürften weitere Personalfragen sowie die neuesten Erkenntnisse der internen Ermittlungen eine Rolle bei den Beratungen hinter verschlossenen Türen spielen. Im Anschluss steht eine Sitzung des Aufsichtsrats auf der Tagesordnung. Über Ergebnisse, die nach außen dringen, informieren wir Sie an dieser Stelle.

10.45 Uhr: Verbraucherschützer in Deutschland fordern für VW-Kunden, die Opfer des Abgasskandals geworden sind, Gutscheine nach US-Vorbild. Wie die US-Autoseite "The Truth About Cars" unter Berufung auf einen Insider berichtet, plant der Konzern die Ausgabe zweier "Geschenkkarten" als Entschädigung: eine über 500 Dollar, die überall eingelöst werden könne, und eine im Wert zwischen 500 und 750 Dollar, die nur VW-Händler akzeptierten. Ob US-Kunden damit ihr Recht auf eine Klage gegen VW abtreten, war zunächst unklar. mm-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna geht der Frage nach.

10 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser. Zur Abgasaffäre bei VW halten wir Sie heute mit einem Ticker auf dem Laufenden. Hier zunächst die Nachrichten vom Wochenende in der Übersicht.

+++ VW-Top-News vom Wochenende +++ VW-Top-News vom Wochenende +++

  • Mehr Details zu Manipulationen in der Abgasaffäre: Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, hätten VW-Techniker Messwerte etwa durch sehr hohen Reifendruck verfälscht. Daneben sei auch Diesel ins Motoröl gemischt worden, damit der Wagen leichter läuft und weniger Sprit verbraucht. Ingenieure haben demnach gegenüber der Konzernrevision angegeben, sie hätten die ehrgeizigen Ziele des inzwischen zurückgetretenen VW-Chefs Martin Winterkorn mit legalen Mitteln nicht erreichen können. Wieder ein Hinweis auf die Kultur der Angst, die bei Europas größtem Autobauer geherrscht haben soll.
  • Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sollen US-Ermittler einem VW-Manager wegen des Dieselskandals den Pass abgenommen haben. So wollten sie offenbar verhindern, dass sich der Manager einer Befragung oder strafrechtlichen Verfolgung entziehe.

ts/rei mit Agenturen