VW-Familien stimmen Dividende trotz Krise zu VW: Die Familien Porsche und Piëch blasen Entmachtung Niedersachsens ab

Hat sich das gut überlegt: VW-Großaktionär und Patriarch Ferdinand Piëch.

Hat sich das gut überlegt: VW-Großaktionär und Patriarch Ferdinand Piëch.

Foto: Andreas Gebert/ picture alliance / dpa

Kurz vor der Hauptversammlung bei Volkswagen am 22. Juni haben die Familien Porsche und Piëch als Großaktionäre einen Streit über die Zahlung einer Dividende für die Aktionäre für beendet erklärt. Demnach streben sie keine Null-Dividende bei dem Autobauer an, wie die "Bild"-Zeitung  berichtete. Eine Null-Dividende hätte für große Konflikte bei Volkswagen sorgen können, weil dies eine Entmachtung des Großaktionärs Niedersachsen hätte nach sich ziehen können.

Die beiden VW-Aufsichtsräte Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche teilten der Zeitung schriftlich mit: "VW sollte aktuell möglichst viel Geld im Unternehmen belassen, um die Dieselthematik zu bewältigen und gleichzeitig die notwendigen Zukunftsinvestitionen finanzieren zu können. Folgerichtig haben wir uns auch für eine geringstmögliche Dividendenzahlung ausgesprochen." Weiter hieß es: "Dabei ging es uns ausschließlich um die Zukunft von VW, das heißt, um grundlegende Weichenstellungen. Diese werden nun mit der Strategie 2025 eingeleitet, insofern ist das Thema vom Tisch." VW-Chef Matthias Müller hatte am Donnerstag eine neue Konzernstrategie vorgelegt.

Zuvor hatte es unter den Familien Diskussionen gegeben, auf der Hauptversammlung von VW am kommenden Mittwoch einen Ausfall der Dividende durchzusetzen. Eine Regelung bei VW besagt, dass die bisher stimmrechtslosen Vorzugsaktien stimmberechtigt werden, wenn der Autobauer zwei Jahre hintereinander keine Dividende zahlt. Dies hätte bedeuten können, dass der Einfluss des Landes Niedersachsen bei VW erheblich sinkt. Das Land ist einer der Großaktionäre und hat ein Vetorecht bei allen wichtigen Entscheidungen. Die Familien Porsche und Piëch kontrollieren über die Porsche SE die Hauptversammlungsmehrheit bei Volkswagen. Vor allem die Position des langjährigen VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch galt als schwer einschätzbar.

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Vor einigen Wochen hatten im VW-Aufsichtsrat Vertreter der Familien Porsche und Piëch sowie zwei Vertreter Katars sich gegen die Zahlung einer Dividende für 2015 ausgesprochen. Weil im Aufsichtsrat die zwei Vertreter Niedersachsens und zehn der Arbeitnehmer sich dafür aussprachen, beschloss der Aufsichtsrat schließlich die Ausschüttung einer Mini-Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 - in Höhe von 0,17 Euro für jede stimmrechtslose Vorzugsaktie und von 0,11 Euro je stimmberechtigter Stammaktie. Auf der Hauptversammlung hätten die Familien diesen Aufsichtsratsbeschluss mit ihrer Stimmenmehrheit aber wieder kippen können.

dpa, soc